07.05.2021

KS/CS Kommunikation

«Wir müssen Sorge tragen zur Werbefreiheit»

Jürg Bachmann ist zum neuen Präsidenten des Dachverbands der Schweizer Werbung gewählt worden. Im Interview spricht er über die Herausforderungen für die Branche, Lobbying in Bundesbern und über seine beiden Vorgänger.
KS/CS Kommunikation: «Wir müssen Sorge tragen zur Werbefreiheit»
Der neue Präsident von KS/CS Kommunikation: Jürg Bachmann. (Bild: SwissRadioDay/David Biedert)
von Matthias Ackeret

Herr Bachmann, herzliche Gratulation zu Ihrer Wahl (persoenlich.com berichtete). Was gab für Sie den Ausschlag, dieses Amt zu übernehmen?
Vielen Dank! Ich war die letzten 15 Monate eng eingebunden in den Fokussierungsprozess von KS/CS. Ich habe festgestellt, welch grosses Potential KS/CS hat, aber auch welche politischen und gesetzgeberischen Herausforderungen auf den Verband zukommen. Wir müssen Sorge tragen zur Werbefreiheit. Als ich für das Amt angefragt wurde, habe ich zugesagt.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für Ihren Verband?
In vier Jahren wird Kommunikation Schweiz hundertjährig. Generationen von Menschen haben sich vor uns für eine freie kommerzielle Kommunikation eingesetzt. Diese Geschichte wollen wir weiterführen. Mit dem neuen, vergrösserten Vorstand wird es möglich sein, Themen fachspezifisch anzugehen und der Politik Lösungen vorzuschlagen. Mir persönlich ist es wichtig, die Verbände und alle anderen Mitglieder von KS/CS so in die Verbandsarbeit einzubinden, dass wir die Rahmenbedingungen für die Werbung verbessern können.

Und für die gesamte Branche?
Wir leben in einer Welt, in der Gesellschaft und Politik Probleme, die scheinbar nicht zu lösen sind, gern mit Regulierungen und Verboten belegen. Besonders beliebt ist es, die Werbung schlechtzureden und sie für viele Übel der Welt verantwortlich zu machen. Das sind alles Stellvertreterhandlungen. Alle wissen, dass ein Verbot zwar noch kein Problem löst, sind aber immerhin beruhigt, etwas getan zu haben. Dabei sind es gerade die Menschen in der Werbebranche, die mit Wissen, Kreativität und Engagement viel dazu beitragen, dass unsere Volkswirtschaft transparent ist. Ohne Werbung kein Konsum und keine Demokratie. Davon bin ich fest überzeugt. Die grösste Herausforderung wird also sein, der Werbewirtschaft gute Rahmenbedingungen zu erhalten.

«Mir ist bewusst, dass ich verschiedene Hüte trage. Das ist nicht neu für mich»

Werden Sie den Verband neu strukturieren?
Die Mitgliederversammlung hat soeben einen breiteren Vorstand gewählt. Damit kommen neues Wissen und viel Motivation ins Führungsgremium des Verbandes. Für die Verbandsarbeit haben wir bereits und werden wir Kommissionen und Arbeitsgruppen schaffen, die gezielt Lösungen erarbeiten, die wir in den politischen Prozess einbringen werden. Zudem werden wir den Kommunikationsrat neu besetzen, damit wir ein leistungsfähiges Sounding Board erhalten.

Sie selber waren lange bei Goldbach und sind heute noch Präsident des Verbandes Schweizer Privatradios. Werden Sie letzteres Amt behalten?
Die VSP-Mitglieder haben mich diesen Frühling im Amt bestätigt. Wir sind im VSP daran, Voraussetzungen zu schaffen, damit es auch in 10, 20, 30 Jahren Schweizer Privatradios geben wird, die im weit fragmentierten Markt gefunden und gehört werden. Und Reichweite erzielen, damit sie ihre Kosten refinanzieren können. Dazu leiste ich gern meinen Beitrag.

Gibt es da keine Interessenkonflikte zur neuen Tätigkeit?
Im Gegenteil! Die Schweizer Privatradios, die im VSP vereinigt sind, finanzieren sich weitgehend über Werbeeinnahmen. Auch sie sind auf gute Rahmenbedingungen für die Werbewirtschaft angewiesen. Wir haben zwischen KS/CS und dem VSP Zielkongruenz. Mir ist bewusst, dass ich verschiedene Hüte trage. Das ist nicht neu für mich. Ich bin es gewohnt, meine Positionen und Haltungen immer so transparent zu kommunizieren, dass keine Konflikte entstehen. Und drohen mal solche, spreche ich sie offen an. Eine Lösung findet man eigentlich immer.

Ihre Vorgänger Filippo Lombardi und Carlo Schmid sassen im Parlament und waren beide bei der CVP. Sie sind beides nicht. Ist dies ein Nach- oder Vorteil?
Filippo Lombardi und Carlo Schmid haben den Verband ausgezeichnet geführt. Sie konnten von ihren Kontakten profitieren, die sie zu anderen Parlamentarierinnen und Parlamentariern hatten und haben so für gute gesetzliche Rahmenbedingungen gesorgt. Ich habe meine berufliche Tätigkeit bei einer CVP-Zeitung gestartet. So fremd ist mir diese Welt also nicht. Im Ernst: Ich bin überzeugt, dass heute gute Kontakte zu Parlamentarierinnen und Parlamentariern auch ausserhalb des Parlaments gepflegt werden können. Man muss wissen, welche Informationen und Unterlagen Parlamentsmitglieder brauchen, wenn man möchte, dass sie ein Anliegen unterstützen, und ihnen diese rechtzeitig und in brauchbarer Form zur Verfügung stellen. Ich bin diese Arbeitsweise vom VSP her gewohnt. Und wir fanden dort im Parlament immer wieder Unterstützung für unsere Anliegen.

«Von Besuchen im Bundeshaus ohne feste Agenda und vereinbarte Termine halte ich wenig»

Wie wichtig ist Lobbying in Bundesbern?
Sehr wichtig! Ich habe in den letzten 15 Jahren die Erfahrung gemacht, dass man sehr fokussiert vorgehen muss, will man im Parlament etwas erreichen. Letztlich geht es immer darum, dass eine Bestimmung ins Gesetz aufgenommen oder weggelassen wird. Darauf muss man sich konzentrieren. Das schätzen auch die Parlamentsmitglieder. Für gut begründete und nachvollziehbare Argumente sind Parlamentarierinnen und Parlamentarier empfänglich. Aber sie schätzen es, wenn jemand mit seinen Anliegen rasch auf den Punkt kommt und sie mit aussagekräftigen Belegen darstellt. Zielgerichtete, sachliche Information der Parlamentarierinnen und Parlamentarier finde ich sehr wichtig. Von Besuchen im Bundeshaus ohne feste Agenda und vereinbarte Termine halte ich wenig. 

Nun hat die Werbebranche als eine der wenigen keine Corona-Entschädigungsgelder bekommen. Wäre dies noch ein Ziel?
Das Hauptanliegen von KS/CS sind gute Rahmenbedingungen für die Gesamtbranche. Falls einzelne Sparten Hilfe benötigten, haben sie sich bereits im parlamentarischen Prozess eingebracht. Sollten sie Unterstützung benötigen und ein Anliegen an KS/CS herantragen, würden wir sicherlich Wege prüfen.

Was ist für Sie die dringlichste Aufgabe, die momentan zu bewältigen ist?
Unser Vorstand ist frisch gewählt. Wir müssen uns jetzt zusammen mit der Geschäftsstelle organisieren und festlegen, mit welchen Instrumenten wir effizient arbeiten wollen. Das erwarten unsere Mitglieder von uns und wir sind alle motiviert, es zu tun. Wir brauchen ein gutes Monitoring der anstehenden Themen und können darauf aufbauend die nächsten Schritte planen und die Aufgaben verteilen.

Welches ist Ihre Lieblingswerbung momentan?
Schwer zu sagen, es gibt viel gute Werbung. Haften bleibt mir jene, die mich sachlich und emotional anspricht und bei der ich nachher auch noch weiss, für welches Produkt sie warb.



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Kommentare

  • Josef Ritler, 14.05.2021 16:19 Uhr
    Herzliche Gratulation!
Kommentarfunktion wurde geschlossen

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