Sie haben Publicis per Ende Jahr verlassen. Was haben Sie seither gemacht?
Eine Menge Gespräche geführt neben einer längeren Reise nach Indochina.
Indochina? Das tönt interessant...
Das ist genau die Art von Reise, die man höchstens zwischen zwei Jobs machen kann (lacht). Viele Leute glauben, dass Indochina eine Einheit, ein Kulturkreis ist, was aber in keiner Art und Weise stimmt. Laos, Kambodscha und Vietnam sind jedes Land für sich kulturell und geschichtlich sehr verschieden, und so gesehen war diese Reise äusserst spannend und aufschlussreich.
Haben Sie in dieser Zeit darüber nachgedacht, eventuell ganz aus der Werbung auszusteigen?
Nein, ein völliger Wechsel weg von der Werbung war nie ein Thema dafür ist mir die Kommunikation viel zu sehr ans Herz gewachsen. Ich habe mich aber entschieden, das Thema weiterzufassen und in dem Sinn auch Optionen ausserhalb des engeren Werbeagenturkuchens ins Auge zu fassen.
Wie ist der Kontakt mit Wunderman zustande gekommen?
Man ist auf mich zugekommen. Wie gesagt habe ich im Januar und Februar viele Gespräche geführt u.a. eben auch mit Wunderman. Bei Wunderman habe ich von Anfang an gespürt, dass hier ein grosses Potential vorhanden ist, aus dem man etwas machen kann. So gesehen ist Wunderman ein Bauchentscheid oder auch ein Herzensentscheid, je nachdem, auf was man hört (lacht).
War der Entscheid, bei Publicis auszusteigen, auch ein Bauchentscheid?
Es ging mir vor allem darum, meine beruflichen Akzent anders zu setzen. Aber abgesehen davon möchte ich mich dazu nicht mehr äussern. Meine Zeit und Lust mit Publicis war abgelaufen, und das habe ich deutlich gespürt.
Was sind Ihr mittelfristigen Ziele bei Wunderman?
Nun, von dem Weg in Richtung integrierte Kommunikation, den Wunderman in letzter Zeit eingeschlagen hat, ist gegen aussen hin noch kein Profil zu spüren. Was sich sicherlich ändern wird. Mein Ziel ist es, mit einer Gruppe von Menschen unabhängig von der Kommunikationsdisziplin wirkungsvolle, businesswirksame Projekte auf die Beine zu stellen. Die Religion der klassischen Agenturen beruht darauf, dass die klassische Kampagne die Lokomotive für jedes Kommunikationsproblem darstellt. Ich habe eine andere Optik: Ich will, dass der Zug so schnell wie möglich fährt, unabhängig davon, welche Loki den Zug von A nach B bringt.
Werden Sie Leute von Publicis mitziehen?
Vielleicht kommen ja einige selber auf die Idee? (lacht). Nein, ich will jetzt erstmal schauen, wie der Stand bei Wunderman ist. Mein Beziehungsnetz ist riesig, und so müssten es nicht unbedingt Publicis-Leute sein, falls wir tatsächlich personell aufstocken würden. Meinerseits ist bei Publicis weder ein Auszug von Leuten noch von Kunden geplant.
Sie sind Mitglied des BSW-Vorstandes, wobei Sie seit Ihrem Abgang von Publicis in den Ausstand getreten sind. Wunderman ist aber keine BSW-Agentur...
Noch nicht! Wunderman wird sich in diesen Tagen bewerben. Wobei ich mal davon ausgehe, dass nichts gegen eine Aufnahme spricht. Damit wäre mein Verbleib im Vorstand wohl schon in Kürze möglich.

