Wie schätzen Sie die neue Situation im Schweizer Detailhandel ein?
Spannend, denn noch nie hat man in so kurzer Zeit so viele Veränderungen erlebt: Die Umwandlung der Jumbo-Hypermärkte in Carrefour; die Schliessung von ABM; die Integration von EPA in Coop City; die Fusion von Coop und Waro; Scana Lebensmittel, die zu Migros kommen; die Rückkehr von Denner zu den Markenartikeln -- und nun die Übernahme der Bon-Appetit-Gruppe durch Rewe? Das verspricht Bewegung in der Angebotsvielfalt!
Inwieweit werden die KonsumentInnen von der neuen Situation profitieren?
Der horizontale Wettbewerb zwischen Handelsfirmen sollte sich intensivieren. Die neuen Marktteilnehmer Rewe und Carrefour werden sicher bemüht sein, ihre Präsenz zu festigen. Daher sollte man aggressivere Handelsaktivitäten erwarten können, sowohl beim Preis wie im Sortimentsbereich. Nochmals, der Konsument sollte davon profitieren.
Begrüsst es die Promarca, dass ein deutsches Unternehmen zugeschlagen hat und nicht einer der beiden Marktführer Coop und Migros?
Prinzipiell muss man davon ausgehen, dass die Wettbewerbskommission eine Übernahme der Bon-Appetit-Gruppe durch Coop oder Migros unterbunden hätte. Dass nun eine Firma aus Deutschland und nicht aus einem anderen EU-Land zugegriffen hat, ist an sich irrelevant. Wichtig ist eher die Tatsache, dass die Bon-Appetit-Gruppe übernommen wurde, bevor sie in eine gefährliche Schieflage gelangte.
Warum, denken Sie, hat Coop nicht zugegriffen?
Aus kartellrechtlichen, bestimmt aber auch aus finanziellen Gründen. Der Kauf von Waro und die Partizipation bei EPA müssen erst einmal verdaut werden.
Nach Carrefour tritt eine zweite grosse ausländische Kraft in den Schweizer Markt ein. Ist das der Anfang einer Welle von ausländischen Käufern?
Könnte sein, vorausgesetzt, dass überhaupt noch Übernahme-Kandidaten da sind. Momentan sehe ich spekulativ nur zwei: Denner -- je nachdem, wie die neue Wettbewerbsituation von der Rast Holding bewertet wird --, und das Warenhaus Loeb.
Hat Carrefour nach Waro nun eine weitere Chance verpasst?
Meiner persönlichen Meinung nach schon. Denn Pick Pay hätte einen guten Ansatz für die Entwicklung einer Discount-Kette geben können und das grosse Know-How von Carrefour gut ergänzt.
Inwiefern passt die Bon-Appetit-Gruppe überhaupt zu Rewe?
Geografisch schliesst die Schweiz die Lücke zwischen Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich, wo Rewe bereits tätig ist. Operativ gesehen besteht eine gute Übereinstimmung der Hauptgeschäftsfelder: Discount, Gastronomie, Grosshandel für Detaillisten. Aber wie bei jeder Fusion stellt sich die Frage: Wie schnell und wie gut werden die Kulturen der beiden Firmen harmonisieren?
Welche Konsequenzen sind für die Bon-Appetit-Gruppe zu erwarten?
Es hängt davon ab, welche Prioritäten sich die Rewe gegeben hat: Wo soll mit Anpassungen begonnen werden? In welchen Bereichen kann Rewe der Bon-Appetit-Gruppe am schnellsten "helfen", ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern? -- In einigen Wochen werden wir bestimmt mehr darüber erfahren.
Die Braut Bon Appetit:

