07.09.2020

Wirbel um neuen Auftritt

CVP-Logo sorgt im Web für flotte Sprüche

«Die Fritte», «Die Titte», «Die Quitte»: Auf Social Media gibt es bereits zahlreiche Karikaturen. «Kein Zufall», sagt Thomas Städeli von der Zürcher Agentur Wirz Brand Relations. Experte David Schärer findet das Logo gut, kritisiert jedoch den Namen.
von Edith Hollenstein

Die CVP will sich vom «C» trennen und hat dazu eine Umbenennung angekündigt. Letzte Woche wurde deutlich, wie sich die Parteispitze das neue Corporate Design vorstellt (persoenlich.com berichtete).

Nur wenige Zeit nach der Präsentation vor den Medien sorgten der Name «Die Mitte» und das Logo im Web für flotte Sprüche. Wie blick.ch in einer Zusammenstellung zeigt, wird vor allem gereimt: «Die Fritte», «Die Titte», «Die Quitte», heisst es da:

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Wirz ist nicht überrascht

Aus Expertensicht sei das positiv, findet David Schärer. «Wenn man etwas gestaltet, das eine mediale Welle auslöst, ist Kommunikation bereits geglückt», so der Mitgründer der Agentur Rod im Interview auf Blick TV. Wenn es sogar Karikaturen vom Logo und vom neuen Namen gebe, sei das «nicht so schlecht». «Es wird diskutiert, das ist die Hauptsache», so Schärer.

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Die Macher sind nicht überrascht vom Wirbel. Laut Thomas Städeli, dem Chef von Wirz Brand Relations, unterstreicht das, wie stark der geplante Wechsel die Menschen beschäftigt und wie gross das Interesse daran ist. Bei Wirz Brand Relations, der Agentur, die im Auftrag der CVP den Auftritt realisiert hat, überrasche es kaum, denn die Partei sei doch seit 1891 durchwegs im Bundesrat vertreten und eine gewichtige Stimme auf regionaler und nationaler Ebene. «Ebenso wenig überrascht es, dass die positiven Reaktionen tendenziell überhört werden und nicht dieselbe mediale Präsenz bekommen wie die kritischen, teils aber auch mit einem Augenzwinkern zu verstehenden Kommentare», so Städeli am Montag auf Anfrage von persoenlich.com.

Name verweise «zu wenig auf Inhaltliches» 

Bei der Frage, ob das Logo zur Partei passe, wagt Schärer nicht klar einzuschätzen, denn hierfür sei mehr Kontext nötig. Er wertet es im Interview mit Blick TV positiv, dass es sich um ein reduziertes Visual handle. «Das könnte gut funktionieren, da Logos im Social-Media-Zeitalter auch auf ganz kleinen Screens sichtbar sein müssen», so Schärer.

Die Farbe Orange sei weise gewählt: «Alles andere wäre ein Fehler gewesen», meint Schärer. Der Werber wirft hingegen die Frage auf, ob «Die Mitte» als neue Bezeichnung der CVP richtig gewählt ist. Der Name an sich verweise «zu wenig auf Inhaltliches» so Schärer.

Städeli von Wirz Brand Relations merkt hier an, dass das Vorgehen durchaus zur CVP passt. «Was diese Partei seit Beginn der Namensdiskussion bewusst und konsequent gemacht hat, ist die offene, transparente Kommunikation darüber. Damit beweist die Partei ganz konkret, wie ernst es ihr ist mit der Öffnung», so Städeli. Der vom Parteipräsidium vorgeschlagene Schritt sei «ein mutiger und aus Markensicht nötiger Schritt, wenn die Partei über ihre Mitgliedergrenzen hinaus wieder mehr zum Thema werden will und Neuwählerinnen und -wähler gewinnen möchte».

 



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Kommentare

  • Peter Müller, 11.09.2020 14:42 Uhr
    "Die Mitte" passt genau: Nur so kann man hin und her schwanken!
  • Stefan Vetter, 08.09.2020 08:19 Uhr
    Was kommt als nächstes? Ein Rebranding der ganzen Schweiz, damit das Kreuz aus dem Wappen verschwindet?
  • Ueli Custer, 08.09.2020 07:32 Uhr
    "Die Mitte" verweise zu wenig auf Inhalte. Und auf welche Inhalte verweisen FDP, SVP usw.? Kaum ein Mensch kennt deren vollständige Namen die zudem aus reinen Worthülsen bestehen. Oder welchen Inhalt transportiert z.B. "Schweizerische Volkspartei"? Oder "Freisinnig Demokratische Partei"? "Die Mitte" sagt immerhin etwas über die Position der Partei im Politspektrum aus.

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