Carrefour ist, nach Wal-Mart, weltweit die Nummer zwei der Grossverteiler. Der Schweizer Markt ist klein und komplex. Trotzdem hat Carrefour mit der Übernahme der Jumbo-Märkte einen neuen Anlauf genommen. Warum will es Carrefour nochmals versuchen?
Es gibt mehrere Gründe. Der erste ist, dass wir die Nummer eins in Europa sind und es bleiben wollen. Deshalb haben wir mit der Schweiz, die geografisch zu Europa gehört, unsere Position weiter ausgebaut. Bis 1990 führten wir bereits zwei Geschäfte, in Biel und Lausanne. Der zweite Grund ist, dass die Schweiz ein Land mit sehr hoher Kaufkraft ist. Das Preisniveau ist ebenfalls sehr hoch, dies auch weil die zwei Grossverteiler Coop und Migros sich untereinander nicht gross konkurrenzieren. Hinzu kommt, dass die Zollbarrieren in der Schweiz den Import in vereinzelten Sortimentsbereichen erschweren. Zum Dritten möchten wir unser Discount-Konzept auch in einem Land mit hoher Kaufkraft, wie zum Beispiel der Schweiz, implementieren.
Wir haben hier ein Oligopol von Coop und Migros. Sie haben zusammen einen Marktanteil von 30 Prozent des Detailhandels. Von der organisierten Lebensmittelverteilung, das heisst ohne Selbstständige, haben Coop und Migros gar 76 Prozent Marktanteil. Was sagen Sie zu dieser einzigartigen Machtkonzentration?
Diese Situation ist in Europa und sogar weltweit einzigartig. Zum Beispiel ist Wal-Mart weltweit die Nummer eins unter den Grossverteilern, aber im Heimmarkt USA hat Wal-Mart nur zehn Prozent Marktanteil. In Frankreich hat Carrefour als grösster von Europa nur 25 Prozent. In der Schweiz dagegen haben wir zwei Grossverteiler, die zusammen 70 Prozent des Marktanteils im Retail Food haben. Vielleicht gibt es noch ein oder zwei nordische Länder, etwa Schweden und Finnland, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Sogar in Japan verfügt kein Einzelhändler über mehr als 15 Prozent Marktanteil. Es gibt meines Wissens kein anderes Land, wo zwei Verteiler über praktisch 70 Prozent verfügen.
Was müsste die Weko in Ihren Augen tun? Soll sie Coop und Migros in verschiedene Organisationen aufspalten, wie man dies in den USA mit Microsoft zu machen versucht?
Ich glaube, das ist nicht möglich. Man kann diese beiden Akteure nicht zerschlagen. Hingegen könnte die Weko der Konzentration einen Riegel schieben. Sie hat zu Epa Ja gesagt, sie könnte bei Waro Nein sagen, was Coop anbelangt. Sie könnte sagen, einen Teil von Waro kauft ihr, aber nicht alles. Da müsste die Weko aktiv werden. Wenn die Weko Ja sagt zum Kauf von Waro durch Coop, dann wird das die Monopolstellung von Coop beim Marktanteil noch mehr begünstigen. Ich hoffe also, dass die Weko ihre Rolle der Markt- und Konkurrenzanalyse spielt und eine mutige Position bezieht.
Warum haben Sie Waro nicht übernommen und Coop zum Handkuss kommen lassen? Mit Waro wären Sie auf einen Schlag zur dritten Kraft in der Schweiz geworden.
Wir haben das Dossier Waro sehr lange und eingehend studiert, wir haben auch offeriert. Unsere Offerte betraf nur die Hypermärkte, nicht die Supermärkte. Wir traten aber mit einem zusätzlichen Partner auf, der den anderen Teil der Waro-Märkte übernommen hätte. Diese Offerte hat offensichtlich in preislicher Hinsicht nicht genügt. Coop bezahlte wohl viel mehr. Wir hatten nicht die Absicht, Waro überzubezahlen.
Sie sagen also mit anderen Worten, Coop habe viel zu viel für Waro bezahlt, um sich die Macht als grösster Retailer zu sichern?
Wenn der Preis stimmt, den man in der Presse las, nämlich 400 Millionen Franken, dann ist das sehr viel, ja. Sehr viel für uns, vielleicht nicht für Coop, aber für uns. Diesen Preis wollten wir nicht bezahlen.

