04.02.2020

Migros-Gruppe

Der Globus-Verkauf ist besiegelt

Der Deal ist bestätigt: Die Thai Central Group übernimmt die Warenhauskette für über eine Milliarde Franken.
Migros-Gruppe: Der Globus-Verkauf ist besiegelt
Die Migros verkauft Globus und verschiedene Immobilien an die thailändische Central Group und deren österreichischen Partner Signa-Gruppe. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Jetzt ist es offiziell: Die Migros verkauft Globus an die Luxuswarenhausgruppe um die österreichische Signa-Gruppe und die thailändische Central Group. Diese wollen Globus im Luxussegment neu ausrichten. Signa und Central Group hätten unter mehr als einem Dutzend Interessenten die beste Offerte und Zukunftsstrategie eingereicht, schrieb die Migros in einer Mitteilung vom Dienstag. Das Angebot habe in den für die Migros wesentlichen Kriterien überzeugt.

Bis Mitte 2020 soll der Verkauf unter Dach und Fach sein, sofern die Wettbewerbshüter zustimmen. Die neuen Eigentümer kaufen das ganze Detailhandelsgeschäft der Magazine zum Globus und alle acht dazugehörenden Immobilien. Auch die Mitarbeitenden würden alle zu den bisherigen Konditionen übernommen, sagte Migros-Sprecher Marcel Schlatter auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Für Globus arbeiten in Vollzeitstellen gerechnet über 2400 Angestellte.

«Substanzielle Investitionen»

Weitere Verpflichtungen wie längerfristige Arbeitsplatzgarantien habe man der Gruppe jedoch nicht aufgebürdet. Allerdings hätten Signa und Central Group einen Plan für Investitionen vorgelegt. «Globus wird weiterbestehen», sagte Schlatter.

Ziel der neuen Eigentümer sei es, Globus durch eine zügige Integration und nachhaltige Repositionierung zur führenden Luxuswarenhaus-Gruppe der Schweiz weiterzuentwickeln, hiess es in einer Mitteilung der Signa-Gruppe des Investors René Benko.

Die Gesellschafter würden substanziell in die bestehenden Warenhäuser und die Marke Globus investieren, hiess es weiter. Ein Beispiel für das Vorgehen der Gruppe ist etwa das KaDeWe-Warenhaus in Berlin, das gerade bei laufendem Betrieb komplett umgestaltet wurde. Neben KaDeWe gehören auch die italienischen Kaufhäuser von Rinascente oder Illum in Dänemark zur Luxuswarenhausgruppe.

Savastano übernimmt operatives Ruder

Der Verkauf von Globus ist auch mit einem Führungswechsel verbunden: Der bisherige Globus-Chef Thomas Herbert – der selber Interesse an einer Übernahme angemeldet hatte – zieht sich in den Verwaltungsrat zurück. Er stellte sich in der Mitteilung hinter den Verkauf. Sein Nachfolger wird der frühere Jelmoli-Chef Franco Savastano, der im letzten Herbst in die Globus-Geschäftsleitung gewechselt hat (persoenlich.com berichtete). Strategisch soll Globus vom künftigen Verwaltungsratspräsident Vittorio Radice geführt werden.

«Wir haben jetzt eine neue Ausgangslage: Ich war fünf Jahre CEO. Wir müssen das vorhandene Know-how optimal anwenden», sagte Herbert. Savastano habe mit Luxusmarken eine grosse Erfahrung. «Da war Jelmoli weiter als Globus. Ich sehe meine Rolle eher als Verwaltungsrat", fuhr Herbert fort.

Globus befindet sich seit einiger Zeit im Krebsgang. Im vergangenen Jahr musste die Warenhausgruppe einen weiteren Umsatzrückgang von 5,6 Prozent auf 762,7 Millionen Franken hinnehmen. Schuld am Taucher waren vor allem Filialschliessungen, die nach der Integration der Marken Schild und Herren-Globus in Globus erfolgten. Auf vergleichbarer Fläche konnte der Umsatz in den Filialen indessen um knapp 1 Prozent gesteigert werden.

Die Gruppe betreibt zwölf Warenhäuser, inklusive dem Onlineshop kommt sie auf total 48 Filialen. Neben Globus zählen auch fünf Outlets, ein Delicatessa Stand-Alone und vier Navyboot-Läden zu der Gruppe. Ob alle Filialen fortgeführt würden, entscheide der Markt, sagte Herbert: «Es ist heute nicht mehr möglich, eine Prognose zu machen, wie die Welt in fünf Jahren aussieht.»

Die Neuausrichtung betrifft laut Herbert vor allem die Bereiche Accessoire und Mode, die um das Luxussegment erweitert werden sollen. «Da haben wir ein Loch, das jetzt schneller geschlossen werden kann», sagte Herbert. Dagegen seien die Delicatessa und die Parfümerie bereits im Luxussegment vertreten.

Deal ist keine Überraschung

Der Verkauf an Signa und Central ist keine Überraschung: Nachdem die Signa-Gruppe und die Central Group bereits länger in Medienberichten als Favoriten galten, berichtete die SonntagsZeitung am Wochenende, der Verkauf sei nun unter Dach und Fach.

Am Dienstagmorgen bestätigte dann Central Group die Übernahme. Der Kaufpreis betrage mehr als eine Milliarde Franken, schrieb die Nachrichtenagentur Reuters mit Berufung auf die Thailänder. In der Migros-Mitteilung heisst es derweil, über den Kaufpreis hätten die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Das Geld aus dem Verkauf will die Migros in den Ausbau ihrer Dienstleistungen in strategisch wichtigen Geschäftsfeldern stecken. Dazu zählt sie etwa die digitalen Vertriebskanäle, Convenience sowie die Gesundheitsangebote. So ist in den nächsten Monaten ein Rebranding für den Lebensmittel-Onlinehändler LeShop geplant, der damit näher an die Migros rücken soll.

«Wir wollen in diesen Bereichen Gas geben und beanspruchen dort die unangefochtene Marktführerschaft», sagte Migros-Sprecher Schlatter. Um dies zu erreichen, seien auch Übernahmen nicht ausgeschlossen. Sowohl Zu- als auch Verkäufe seien grundsätzlich weiter möglich. Mit dem Globus-Verkauf habe man allerdings nun die im Juni angekündigte Portfoliobereinigung im Grossen und Ganzen abgeschlossen.

Neben Globus trennte sich die Migros in deren Zuge vom Möbelhaus Interio, dem deutschen Einrichtungs- und Dekorationsspezialisten Gries Deco mit der Marke Depot sowie der E-Bike-Tochter M-way. Am vergangenen Freitag hat der «orange Riese» überdies bekannt gegeben, auch noch das Glattzentrum in Wallisellen verkaufen zu wollen. Die Veräusserung des umsatzstärksten Schweizer Einkaufszentrums solle bis Ende Jahr über die Bühne gehen. (awp/sda/cbe)



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