19.08.2019

Beemfähige Werbung

Die Swisscom nimmt einen zweiten Anlauf

Nach dem grossen Wirbel um die «mysteriösen Kästchen» über Plakaten am Zürcher Hauptbahnhof im Mai startet Beem nun definitiv – zuerst zusammen mit Radio Energy. Im Oktober folgen «20 Minuten» und Bluewin, später auch Blick.ch.
Beemfähige Werbung: Die Swisscom nimmt einen zweiten Anlauf
Hat ein Smartphone-Nutzer Beem aktiviert, gelangt er mit einem Klick zu weiterführenden Informationen, etwa zu Ausflugstipps, Infos zu Kunstausstellungen, Tickets oder Bestellmöglichkeiten von Produkten. (Bild: Swisscom)
von Edith Hollenstein

Seit August werde Beem mit Radio Energy pilotiert und per Oktober in den Apps von 20 Minuten und Bluewin verfügbar gemacht. Dies schreibt Swisscom am Montag in einer Mitteilung. Im ersten Halbjahr 2020 folgt demnach auch Blick.ch. Werbeauftraggeber können zudem ab Oktober 2019 Interaktionen mit Beem in Kinospots von Werbeweischer, auf Plakaten von APG|SGA (vorbehaltlich aller Bewilligungen zur Installation von Bluetooth-Beacons) und über TV anbieten, so die Swisscom weiter.

Werber sind zufrieden

Das freut die Werbeauftraggeber. «Beem ist eine innovative Plattform und bietet attraktive Möglichkeiten, welche die Unternehmen, Veranstalter oder Kulturinstitutionen darin unterstützt, eine Brücke zwischen der realen und digitalen Welt zu schlagen», lässt sich Roland Ehrler, Direktor Schweizer Werbeauftraggeber-Verband, in der Swisscom-Mitteilung zitieren.

Und so funktioniert der neue Service: Mit Bluetooth-Sendern versehene Objekte, beispielsweise Bilder in Kunstausstellungen oder Plakate, können von Beem erkannt werden. Ebenso erkennt Beem via Audio Content Recognition (ACR) Tonspuren von TV- oder Kino-Spots. Hat der Nutzer Beem in einer Beem-fähigen App selber aktiviert und geöffnet, kann er das Signal oder die Tonspur auf dem Smartphone empfangen. «In der Folge erhält er in der App einen dezenten Hinweis. Mit einem Klick gelangt er danach zu den entsprechenden Informationen und Angeboten», so die Swisscom. Radio Energy nutze die Technologie im August erstmals für einen interaktiven Wettbewerb. Teilnehmende in den Städten Zürich und Bern könnten exklusive «XTRA Circle-Tickets» für das Energy Air 2019 gewinnen.

Start verschoben

Die Tatsache, dass Swisscom diese Sound-Beacons einsetzen wird, hat Ende Mai über die Kommunikationsbranche hinaus für scharfe Kritik gesorgt. Es war von «mysteriösen Kästchen» die Rede, von denen nicht klar sei, was für Daten diese sammeln (persoenlich.com berichtete). Die Swisscom entschied deshalb, den Start, der ursprünglich am 1. Juni geplant gewesen war, auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

«Die Sorgen waren verständlich, aber unbegründet», erklärt Nicolas Passadelis, Head of Data Governance bei Swisscom, in der Mitteilung. Die Nutzer hätten «die volle Kontrolle über ihre Daten». «Damit ein Nutzer Beem überhaupt verwenden kann, muss er via Opt-In die Technologie direkt in der Beem App oder in einer der Partner-Apps (20 Minuten, Bluewin oder Blick.ch) selbst aktivieren.»

Zu den ursprünglichen Lancierungspartnern gehörte neben 20 Minuten und Bluewin auch Watson. Watson entschied jedoch nach der Kritik beim ersten Anlauf, vorerst auf Beem zu verzichten. «Ein Wiedereinstieg ist jedoch nicht ausgeschlossen», sagt Swisscom-Sprecher Sepp Huber auf Anfrage von persoenlich.com.



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Kommentare

  • Christian Hänggi, 19.08.2019 15:05 Uhr
    «Die Sorgen waren verständlich, aber unbegründet», sagt die Swisscom. Wie auf der Website der IG Plakat | Raum | Gesellschaft dargelegt, hat Beem wiederholt Fakten verdreht, intransparent informiert und falsche Informationen gegeben. Wenn alles so intransparent ist und die Firma entweder etwas verheimlicht oder die Technologie selber nicht wirklich kennt, dann sind die Sorgen bestimmt nicht unbegründet.

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