17.05.2020

Serie zum Coronavirus

«Ein Interview mit Mundschutz ist speziell»

Model Andrea Brotschi hat praktisch alle Aufträge verloren, findet die Erfüllung aber im Sport und bleibt optimistisch. In der Folge 44 unserer Serie gibt sie Einblick in ihr Schaffen.
Serie zum Coronavirus: «Ein Interview mit Mundschutz ist speziell»
Solothurnerin Andrea Brotschi ist eine von wenigen Schweizerinnen, die in normalen Zeiten von der Arbeit als Model leben können. (Bilder: zVg.)
von Matthias Ackeret

Frau Brotschi, wie erleben Sie als Fotomodel die Coronakrise?
Unsere Branche ist sehr von der Coronakrise betroffen. Praktisch alle Aufträge im März, April und Mai – ja sogar bis in den Juni – wurden gecancelt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Besonders der März ist für mich ein auftragsstarker Monat, da ich für Fashionshows, Events und Werbekampagnen gebucht werde. Die Absagen der Aufträge sind sehr ärgerlich. Ich versuche aber das Beste daraus zu machen. Mit vielen Kunden stehe ich im Kontakt wegen den Auftragsverschiebungen.

Wie fest hat dies Ihren persönlichen Alltag verändert? Können Sie überhaupt Homeoffice machen?
Die Krise hat meinen Alltag sehr verändert, ich bin praktisch nur noch zu Hause oder in der Natur. Klar habe ich vorhin auch Homeoffice gemacht, da ich eine Einzelfirma habe und alles selbst erledige – jedoch war ich sehr oft unterwegs an Events, Shows, Drehs, Shootings und Meetings und dies ist nun seit Anfang März leider nicht mehr der Fall. Neue Social-Media-Kampagnen zum Planen und Ausarbeiten sind in Arbeit, welche ich, teilweise vom Homeoffice entwickeln kann. Einfach ausgedrückt: der Rest fällt ins Wasser

Haben Sie aufgrund der jetzigen Situation viele Aufträge verloren?
Ja, ich habe alle Jobs im März, April sowie jetzt auch noch eine grosse Eventmoderation für ein Jubiläum im Juni verloren. 

Schauen wir es positiv an: Sind in letzter Zeit auch neue dazugekommen?
Ich wurde nun für zwei bis drei neue Social-Media-Kampagnen gebucht – fixe Model- und Moderationsbookings habe ich bis jetzt noch keine erhalten, sondern nur wenige Anfragen ab Mitte Juni.

Mussten Sie sich wegen Corona «neu erfinden»?
Neu erfinden wäre jetzt der falsche Begriff, jedoch habe ich mir neue Ziele gesetzt und habe Sachen gemacht, welche ich schon lange machen wollte. Ich habe zuhause täglich frisch gekocht, habe viele neue Rezepte ausprobiert, habe gebacken und den Frühlingsputz in der ganzen Wohnung gemacht. Auch habe ich die «#10000StepsCoronaChallenge» ins Leben gerufen. Die Idee dahinter war, dass wir uns alle sportlich betätigen und fit bleiben. Das Ziel der Challenge lag darin, bis am 19. April täglich die Grenze von mindestens 10'000 Schritten zu erreichen. Egal ob dies auf dem Balkon, im Garten oder im Wald neben dem Haus war. Auch habe ich viele Online-Trainings wie Yoga und Fitness absolviert und durfte mehrere Online-Interviews geben. Auch habe ich mich mehr im Social Media bewegt und will darauf aufbauen. 

Spüren Sie bereits Anzeichen, dass die Werbeauträge zurückkommen?
Ja, ich habe bereits wieder Anfragen für Drehs und Shootings erhalten, jedoch erst ab Mitte Juni. 

Wie gestalten Sie momentan Ihren Tagesablauf?
Grundsätzlich, ein normaler Tagesablauf gibt es bei mir nicht. Eine regelmässige Struktur ist mir wichtig- ich stehe täglich zwischen 7 und 7.30 Uhr auf, und gönne mir einen Kaffee und mache mich an die Arbeit. Als Model, Moderatorin und Content Creator bin ich selbstständig erwerbend, das heisst, ich sorge selbst für meinen Unterhalt und mich eigenständig um die Entgegennahme neuer Aufträge die seitens Model- und Social-Media-Agenturen eintreffen, kümmern. Daneben stelle ich meinen Kunden Angebote und Rechnungen und erledige nebenbei die ganze Administration, was bedeutet, dass die Organisation von A bis Z in meinen Händen liegt. Ich schaue aber auch, dass ich täglich Sport mache, die berühmten 10'000 Schritte erreiche, in die Natur gehe und frisch koche und mich mit Freunden oder meiner Familie via Facetime unterhalte. 

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Tage?
Sicher der Dreh für SRF-Virus vor zwei Wochen. Ich durfte erstmals nach zwei Monaten wieder zu einem Interviewtermin fahren. Selbstverständlich wurde das ganze Gespräch mit Mundschutz geführt, was sehr gewöhnungsbedürftig war. Aber es wird zweifelsohne unvergesslich bleiben. 

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Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier



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