14.04.2003

"Es fällt mir schwer, Kompetenzen abzugeben"

Vor 14 Jahren kaufte er eine kleine Unternehmung, heute stellt er Schienenfahrzeuge für die ganze Welt her. Der 44-jährige Peter Spuhler (Bild) verkörpert auch in wirtschaftlich harzigen Zeiten Schweizer Pioniergeist. Im Magazin des Swiss Economic Forums, das am Mittwoch gemeinsam mit "persönlich" erscheint, spricht Spuhler über seine Erfolgsrezepte. "persoenlich.com" bringt Ausschnitte des Interviews:
"Es fällt mir schwer, Kompetenzen abzugeben"

Herr Spuhler, als Unternehmer durchlebt man verschiedene Phasen. Welches waren die wichtigsten Momente in Ihrer Karriere?

Der Entscheid, Unternehmer zu werden, war der entscheidende Schritt in meinem Leben. Es braucht Mut, sich in Millionenhöhe zu verschulden. Ich komme aus relativ bescheidenen Verhältnissen, mein Vater, der ehemalige Küchenchef des Dolder Grand Hotels, hatte kein Geld, um mir eine eigene Firma zu finanzieren. Dank der Thurgauer Kantonalbank, die sich 100-prozentig hinter meine Pläne stellte, konnte ich starten. Im Nachhinein die Erfüllung eines Jugendtraums.

Warum war dies Ihr Traum?

(Lacht.) Ich bin kein pflegeleichter Typ. Nach meinem Wirtschaftsstudium habe ich acht Monate auf einer Bank gearbeitet und musste einsehen, dass dies nicht meine Welt ist. Das hierarchische Denken und die starren Strukturen entsprachen nicht meinem Charakter. Als ehemaliger Eishockeyspieler bin ich gewohnt, in einem Team zu spielen und mit Leidenschaft für eine Sache zu kämpfen. In einer kleinen Struktur hingegen ist dies möglich. Wie ein Hockeytrainer habe ich die besten Leute gesucht und mein Team zusammengestellt. Schritt um Schritt wurde die Mannschaft optimiert. Daneben haben wir den Markt nach möglichen Nischen abgesucht. Innert vier Jahren ist es mir gelungen, alle Kredite zurückzuzahlen.

Durch das rasante Wachstum Ihrer Firma haben sich auch die Strukturen geändert. Wo stellten sich die grössten Probleme?

Ehrlich gesagt, fiel es mir schwer, Kompetenzen abzugeben. Als kleines KMU mit 18 Mitarbeitern ging jeder Brief, jede Rechnung über meinen Tisch. Das hat sich natürlich geändert. Die Entwicklung verlief sprunghaft, plötzlich hatten wir 200, später 500 und jetzt bald 1000 Angestellte. 1999 wurde ich zudem in den Nationalrat gewählt. Für mich persönlich bedeutet dies auch neue organisatorische Strukturen meiner Tätigkeit.

Sie gelten hier zu Lande als Vorzeigeunternehmer. Was läuft dann in der Schweiz falsch?

Wenn börsenkotierte Firmen in den letzten zehn Jahren 90 Prozent ihres Gewinns an der Börse erwirtschafteten und nicht im operativen Geschäft, so verwundert diese Rezession nicht. Es schmerzt mich als Unternehmer, wenn ich an die CEOs denke, die unkontrolliert die Kassen ihrer Betriebe plünderten und ausschliesslich an ihr Eigenwohl dachten. Gerade von Bankenseite wurden viele Fehler gemacht. Es ist ein Irrsinn, wenn junge Analysten von etablierten Unternehmern alle drei Monate eine Gewinnsteigerung verlangen. In der Maschinenindustrie ist der Zeithorizont ein anderer. Um diesem Druck auszuweichen, haben viele Betriebe eine -- sagen wir einmal -- kreative Buchführung eingeführt. Nun ist wieder Leistung und Kampfbereitschaft gefragt.

Das Wirtschaftsmagazin Bilanz hat Sie zu einem möglichen Bundesratskandidaten gekürt. Ist das eine berufliche Option?

(Lacht.) Man soll niemals nie sagen.


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