13.08.2015

Hans-Peter Rohner

Ex-Publigroupe-Chef ist Jungunternehmer

"Wir setzen auf das Prinzip ebookers für Medienhäuser", sagt der 62-Jährige.
Hans-Peter Rohner: Ex-Publigroupe-Chef ist Jungunternehmer

Hans-Peter Rohner, ehemals Verwaltungsratspräsident und CEO der nicht mehr existierenden Publigroupe, will es nochmals wissen: Er investiere in eine australische Anzeigenbörse, hiess es vor einigen Tagen. Worum es sich bei diesem Investment handelt, und ob er weiterhin in der Eidgenössischen Medienkommission verbleibt, erklärt der 62-Jährige im Gespräch mit persoenlich.com.

Herr Rohner, Sie investieren in eine australische Anzeigenbörse. Was genau haben Sie vor?
Was die handelszeitung.ch schrieb, stimmt nicht ganz. Der Redaktor hat Dinge falsch interpretiert. Ich investiere nicht in Australien und das Investment steht auch nicht im Zusammenhang mit der JLS Holding.

Sondern?
Es ist so: Einer meiner früheren Geschäftspartner aus der Zeit als ich noch bei Publigroupe war, startete letzten Herbst in Australien eine "Buy On Platform" (BOP) und baut diese nun weiter aus. Über BOP können digital Werbeplätze in gedruckten Zeitungen kurzfristig gebucht werden. Anzeigenkunden, Agenturen oder Mediaplaner können über das Tool Kaufangebote für das von den Medien angebotene Inventar abgeben. Das funktioniert ähnlich wie z.B. ebookers.ch oder booking.ch. Während man bei Hotelbuchungsplattformen freie Zimmer buchen kann, kann man bei uns freie Werbeplätze in Printmedien buchen. Es handelt sich also quasi um das "Prinzip ebookers" für Medienhäuser.

Hier investieren Sie?
Ja, genauer gesagt wollen mein australischer Geschäftspartner und ich das BOP-Modell auch in Europa lancieren. Dazu haben wir eine Holding gegründet mit dem Namen BOP Holding, an der ich mit 75 Prozent die Mehrheit besitze. Derzeit bin ich daran, Geschäftsführer für die ersten drei Tochterfirmen zu suchen. Wir wollen in England, Frankreich und Deutschland starten. Später sollen Skandinavien und weitere europäische Länder dazukommen.

Warum nicht in der Schweiz?
Hier werden wir starten, wenn das Modell in den anderen europäischen Ländern erfolgreich war.

Ist dieses Engagement als Startup-Unternehmer Ihre derzeitige Hauptbeschäftigung?
Das nimmt einige Zeit in Anspruch. Zusätzlich bin als Verwaltungsratspräsident bei JLS engagiert, diese Firma ist stark in den letzten Monaten stark gewachsen. Doch hauptsächlich bin ich derzeit für die Eidgenössische Medienkommission im Einsatz. Im November müssen die Vorschläge zum zukünftigen Service Public stehen: Das gibt viel Arbeit und ist sozusagen ein intensives Hobby.

War Ihr Sitz in der Emek immer unbestritten, nachdem die Publigroupe nun ja nicht mehr existiert?
Ja, denn die Wahl der Mitglieder erfolgt aufgrund der Kompetenzen einer Person und nicht aufgrund ihrer Funktion in einem Unternehmen. Alle Mitglieder sind bis 2015 im Amt. Für die Wiederwahl ist er Bundesrat zuständig. Diese erfolgt jetzt dann, im Laufe des zweiten Semesters 2015.

Sie stellen sich wieder zur Verfügung nehme ich an.
Klar, stelle mich zur Wiederwahl.

Doch wie wollen Sie die Schweizer Werbebranche weiterhin vertreten, wenn Sie nicht mehr an einflussreicher Stelle engagiert sind?
Wie gesagt: Die Wahl erfolgt je nach Person und nicht nach Firmenzugehörigkeit. Ich vertrete in der Kommission keine Firma. Das bedeutet, dass ich jetzt sogar noch unabhängiger bin als vorher als Verwaltungsratspräsident der Publigroupe.

Inwiefern sind Sie weiter für die Swisscom tätig?
Ich bin Mitglied des Publigroupe Advisory Boards, dieses wird noch bis mindestens im Frühling 2016 existieren. Unsere Aufgabe ist es Sicher zu stellen, dass die Übernahme der Publigroupe durch die Swisscom ordnungsgemäss erfolgt. Das beansprucht mich rund drei Tage im Monat. Daneben habe ich noch kleinere Verwaltungsratsmandate.

Interview: Edith Hollenstein, Bild: Keystone

 



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