Herr Sprecher, ist die Gründung des Roger-Federer-Fanclubs ein Marketing-Gag von DRS3 oder eine ernsthafte Sache?
Ich weiss nicht, was DRS3 dazu brachte, sich auf die Suche nach einem offiziellen Präsidenten des Roger-Federer-Fanclubs zu machen. Für mich jedoch ist es eine sehr seriöse Sache. Deshalb verstehe ich mich auch nur als designierten Präsidenten. Erst einmal muss die Gründerversammlung die Statuten verabschieden, bevor die Vorstandsmitglieder regulär bestätigt werden. Dass ich es ernst meine, zeigt der von uns organisierte grosse Empfang Federers auf dem Marktplatz in Basel.
Was sagt denn Roger Federer zu Ihren Aktivitäten? Hatten Sie gestern Gelegenheit, ihm Ihre Pläne zu unterbreiten?
Ich habe gestern die Federer-Familie kennen gelernt und auch ein paar Worte mit Roger gewechselt. Dabei konnte ich ihm mein Vorhaben kurz erklären und auch einige seiner Fragen an mich beantworten. Es war allerdings nur ein erster, kurzer Kontakt. Im Vordergrund standen gestern freilich die Fans, deshalb bin ich mit meinen Anliegen nicht vorgeprescht. Mit Federers Mutter habe ich jedoch ein Meeting abgemacht und ebenso mit seinem Anwalt.
Freut sich der Federer-Clan denn über die Gründung des Fanclubs?
Ja, ich spüre eine grosse Begeisterung. Vor allem bei Rogers Mutter. Über Sie habe ich heute auch erfahren, dass Roger sich über den Empfang und die gelungene Organisation riesig gefreut hat.
Sie sind Leiter Marketing und Kommunikation der Briefmarken- und Philatelie-Abteilung der Post. Haben Sie überhaupt genug Zeit für das Präsidialamt?
Die vergangene Woche war sehr intensiv. Seit ich designierter Präsident bin, habe ich bestimmt 25 bis 30 Stunden für den Fanclub gearbeitet. Ich bestreite das Pensum jedoch ausserhalb der Arbeitszeit und im Frondienst.
Eingefleischte Fans ärgerten sich, dass DRS3 Sie über ihre Köpfe hinweg zum Präsidenten bestimmt hat. Wie wollen Sie die Federer-Fans davon überzeugen, dass Sie der richtige Mann sind?
Im Forum der Roger-Federer-Website habe ich den kritischen Anhängern meine Vorstellungen präsentiert. Es ist mir dabei gelungen, sie davon zu überzeugen, dass es mir ernst mit dem Fanclub ist. Nun ist eine gute Basis vorhanden für die Gründung des Fanclubs. Bei den kommenden Schritten möchte ich die Fans möglichst stark einbeziehen und auch Vorstandsämter durch sie besetzen lassen. Weiter will ich auf die wertvollen Inputs der Fangemeinde eingehen, zumal ich selber ja nicht seit Jahren ein sehr aktiver Fan von Roger Federer bin.
Sie bringen als Marketing-Profi bestimmt viele Fähigkeiten für das Amt mit. Doch besitzen Sie auch das nötige Herzblut?
Ich habe eine grosse Passion für den Tennissport. Als Kind ahmte ich vor dem TV mit einem Plastic-Racket Iwan Lendl nach. Und Tennis gespielt habe ich auch über Jahre hinweg. Jedoch erachte ich es nicht als die zentrale Aufgabe des designierten Fanclub-Präsidenten, gleichsam ein Tennisprofi zu sein.
Welche Aktivitäten werden Sie mittelfristig anreissen?
Die nächsten wichtigen Schritte sind die Ernennung der Vorstandsmitglieder, das Verfassen der Statuten und die Einberufung der Gründerversammlung. Ein erstes Highlight wird aber auch unsere Taufe am Davidoff-Swiss Indoors. Ich strebe eine möglichst breite Abstützung des Fanclubs an: Die Federer-Familie sowie Sponsoren sollen in die Projektphase einbezogen werden, wie der Stiftungsrat der Roger-Federer-Foundation. Wir wollen Federer nicht nur als Fans unterstützen, sondern auch seine Interessen inner- und ausserhalb Sports.
Letzte Frage: Wann kommt die erste Roger-Federer-Briefmarke?
Bis es soweit ist, werde ich wohl nicht mehr bei der Post arbeiten (lacht). Denn es gab bisher noch keine Briefmarke, auf der eine lebende Person abgebildet ist. Dessen ungeachtet war Federer schon einmal im Gespräch für eine Ereignismarke. Leider aber hat Federer vergangenes Jahr das French Open nicht gewonnen und damit auch nicht den Grand Slam. Da auch schon Martina Hingis die Nummer eins im Tennis war, gab es nicht genügend Gründe, die eine Marke für Federer gerechtfertigt hätten.

