Herr Sieber, mit Plug & Playce wollen Sie eine Marktlücke schliessen. Warum braucht es heute eine neue Art von Agentur zwischen Kreation, Produktion und Technologie?
Live Marketing muss schnell wirken. Eine Installation soll auffallen und nachhaltig wirken, ein Spielmechanismus muss einfach verständlich sein. Dafür braucht es die Verschmelzung von Handwerk und Technologie. Das Problem, das wir täglich beobachten: Kreation, Produktion und Technologie arbeiten in der Branche meist getrennt. Die Idee kommt von der einen Agentur, die Technik von der nächsten, gebaut wird bei einem Dritten. Das erzeugt Schnittstellen, Koordinationsaufwand und Projekte, die unnötig komplex und teuer werden. Wir bringen diese drei Welten unter ein Dach. Und wir denken von Anfang an mit, wie ein Erlebnis realistisch gebaut, betrieben, skaliert und später weiterverwendet werden kann. Nicht erst, wenn die Idee schon steht. Genau hier sehen wir die Lücke im Markt.
Konkret, was bieten Sie an? Haben Sie bereits konkrete Modelle?
Wir entwickeln und produzieren markenzentrierte Erlebnisse: interaktive Installationen, immersive Brand Spaces, temporäre Aktivierungen und technologiebasierte Eventformate. Dabei arbeiten wir modular und fokussieren uns auf drei Bereiche: Experience Design mit kreativen Konzepten für physische und hybride Markenerlebnisse, Tech & Interaction mit interaktiven Systemen, digitalen Interfaces, Sensorik und AI-Integrationen sowie Production & Scaling mit technischer Umsetzung und roll-outfähigen Produktionsmodellen.
Gibt es schon Beispiele dafür?
Zwei Beispiele machen das greifbar: Für den Polarzauber am Zürcher Hauptbahnhof haben wir das Gesamtprojekt realisiert, von der physischen Konstruktion der 112 Stände bis zur durchgängigen digitalen Infrastruktur. Über 16'000 Besucher täglich erleben dort einen der grössten Indoor-Weihnachtsmärkte Europas. Für Electrolux entstand eine nationale Roadshow mit einer begehbaren XXL-Waschmaschine im Trailer: Die Verbindung aus handwerklichem Bau und digitalen Spielen und Aktivierungen zeigt genau, warum es Plug & Playce braucht. Das ist der Kern unseres Ansatzes: Lösungen, die nicht nur einmal funktionieren, sondern über mehrere Standorte und Kampagnen hinweg funktionieren.
Sie richten sich auch an Kreativ- und Eventagenturen als Produktionspartner. Sehen Sie sich eher als Konkurrenz zu klassischen Agenturen oder als Ergänzung?
Klar als Ergänzung. Viele Agenturen haben starke kreative Ideen, wollen oder können die technische Entwicklung und physische Produktion aber nicht selbst stemmen. Genau dort kommen wir ins Spiel: als verlässlicher Produktionspartner, der eine Idee technisch sauber, realistisch und skalierbar umsetzt. Die Agentur bleibt Inhaberin der kreativen Vision. Wir sorgen dafür, dass sie in der Realität funktioniert. Wir sind aber nicht naiv: Wo Konkurrenzgedanken bestehen, wird eine Zusammenarbeit nicht immer zustande kommen. Das akzeptieren wir. Die spannendsten Projekte entstehen ohnehin interdisziplinär.
Wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie?
Das Kernteam von Plug & Playce besteht aus rund 10 Mitarbeitenden und kann je nach Projektgrösse flexibel auf über 50 Personen anwachsen. Eingebettet in die Thryve Group stehen uns darüber hinaus insgesamt über 85 Mitarbeitende zur Verfügung, verteilt auf Konzeption, Design, Produktion, Digital, Logistik und Kommunikation. Physische Markenerlebnisse entstehen heute nicht mehr durch gutes Design oder eine starke Idee allein. Es braucht technologische Kompetenz, operative Umsetzung und digitale Integration, die nahtlos ineinandergreifen. Genau das ist unsere Stärke.

