In der Stadt Zürich spitzt sich der Streit um Plakatwerbung im öffentlichen Raum weiter zu. Nachdem bereits im Frühjahr 2025 eine Mehrheit des Gemeinderats ein grundsätzliches Verbot kommerzieller Werbung auf öffentlichem Grund gefordert hatte, bringen linke Parteien nun ein neues Argument in die Debatte ein: die Verkehrssicherheit. Dies vermeldet das Tagblatt der Stadt Zürich in ihrer aktuellen Ausgabe.
Verstoss gegen Sicherheitsvorschriften
Ausgangspunkt der Diskussion ist ein politischer Vorstoss von Vertreterinnen und Vertretern von AL und SP. Sie kritisieren, dass zahlreiche Werbeanlagen im Stadtgebiet potenziell gegen geltende Sicherheitsvorschriften verstossen. Insbesondere grossflächige Plakate oder digitale Werbebildschirme könnten Verkehrsteilnehmende ablenken oder sogar mit Signalen verwechselt werden. Als Beispiele werden Standorte an stark frequentierten Orten wie dem Bahnhof Wiedikon, dem Letzigrund oder dem Albisriederplatz genannt. Die Befürworter strengerer Regeln berufen sich dabei unter anderem auf das Strassenverkehrsgesetz. Dieses verbietet Werbung im Strassenraum, wenn sie die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmenden übermässig beansprucht oder die Erkennbarkeit von Verkehrszeichen beeinträchtigt. Nach Ansicht der Initianten wird diese Vorschrift in Zürich nicht konsequent genug umgesetzt.
Kritik aus gesellschaftspolitischen Motiven
Bereits zuvor war die Plakatwerbung aus gesellschafts- und umweltpolitischen Gründen in die Kritik geraten. Gegner argumentieren, dass Werbung den Konsum fördere und damit Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung verstärke. Demgegenüber steht Widerstand aus bürgerlichen Kreisen und der Werbebranche, die vor einem Kahlschlag im öffentlichen Erscheinungsbild warnen. Mit der Petition «Zürich soll leuchten» und einem Vorstoss der FDP wurden entsprechende Gegenstimmen mobilisiert, die dem Gemeinderat im vergangenen September überreicht wurden. Der Zürcher Stadtrat sieht sich nun gezwungen, eine neue Verordnung zur Regelung der Aussenwerbung auszuarbeiten – obwohl er einem weitreichenden Verbot kritisch gegenübersteht. Die Plakatfirmen zahlen der VBZ jährlich rund 28 Millionen Franken. Neben Einschränkungen für klassische Plakate steht dabei auch der mögliche Verzicht auf digitale und bewegte Werbeformate zur Diskussion.
Zusätzliche Dimension
Damit erhält die Debatte um Werbung im öffentlichen Raum eine zusätzliche Dimension: Neben ökologischen und gesellschaftlichen Fragen rückt nun auch die Sicherheit im Strassenverkehr in den Fokus. Da der Gemeinderat weiterhin über eine linke Mehrheit verfügt, stehen die Chancen für ein Plakatverbot in Zürich gut. In Bern hingegen wurde ein solches verworfen, da der Gemeinderat, also die dortige Exekutive, nicht auf die Einnahmen der Plakatfirmen verzichten wollte. (ma)

