24.07.2020

Serie zum Coronavirus

«Qualität und Frische stehen an erster Stelle»

Folge 93: David Biernath, Director Customer Interaction Aldi Suisse, über den Run auf Toilettenpapier, Einkaufstourismus und den bevorstehenden neuen Markenauftritt.
Serie zum Coronavirus: «Qualität und Frische stehen an erster Stelle»
«Gerade in der Schweiz spielt die Herkunft – nicht nur der Produkte – eine grosse Rolle», sagt Biernath im Gespräch. (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Biernath, kaum sind die Grenzen wieder geöffnet, beginnt der Einkaufstourismus wieder. Ist dies nicht ein bisschen frustrierend?
Das ist in der Tat eine sehr spannende Beobachtung. Jedoch können wir sagen, dass wir den Einkaufstourismus nicht so stark spüren, wie vor dem Lockdown. Wir gehen davon aus, dass einige Schweizerinnen und Schweizer, die vor dem Lockdown noch ins Ausland gefahren sind, es nun aus verschiedenen Gründen bevorzugen, in der Schweiz einzukaufen.

Was machen Sie als Aldi Suisse dagegen?
Unsere Grundeinstellung ist es, immer sämtliche Preisvorteile unseren Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Wir konnten dank starker Partnerschaft mit unseren Lieferanten bereits während der Corona-Zeit zwei grössere Preissenkungswellen durchführen und arbeiten täglich daran, weitere Produkte zum besten Preis in die Regale zu bringen.

Wie haben Sie selbst den Lockdown erlebt? Die Umsätze von Aldi Suisse dürften wohl massiv angestiegen sein...
Eine derartige Änderung im Einkaufsverhalten haben wir in unserer 15-jährigen Geschichte noch nie erlebt. Die Nachfrage nach Artikeln wie Toilettenpapier oder Backzutaten wie Mehl und Hefe war extrem hoch. Dank eingespielten Prozessen und starkem Teamwork konnten unsere Mitarbeitenden in den Filialen den riesigen Ansturm bestmöglich bewältigen. Auch haben alle Beteiligten in der Logistikkette gezeigt, dass das Umschlagsvolumen innert kürzester Zeit hochgefahren werden kann.

Worauf achten Schweizerinnen und Schweizer beim Einkauf?
Qualität und Frische stehen sicher an erster Stelle. Selbstverständlich spielt aber auch der Preis - gerade in Zeiten wie diesen - eine zentrale Rolle. Mit unserem Versprechen, den Kundinnen und Kunden das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten, entspricht unser Konzept genau den aktuellen Bedürfnissen.

Inwiefern spielt die deutsche Herkunft Ihres Mutterhauses bei den Schweizern eine Rolle?
Gerade in der Schweiz spielt die Herkunft – nicht nur der Produkte – eine grosse Rolle. Wir sind stolz, Tochter eines so erfolgreichen Unternehmens zu sein, verstehen uns als Detailhändler mit Hauptsitz im St. Gallischen Schwarzenbach und mittlerweile über 3300 Mitarbeitenden aus allen Regionen des Landes aber durch und durch als Schweizer Unternehmen. Die Internationalität und Anbindung an Aldi Süd bringt aber natürlich auch viele Chancen mit sich. Allein die vielen Erfahrungen und der Austausch zwischen den Ländern ist ein Mehrwert für alle, insbesondere die Erkenntnisse aus China, UK oder den USA sind sehr spannend.

Welche Aktivitäten haben Sie für 2020 noch geplant?
Wir werden im August einen komplett neuen Markenauftritt lancieren. Dieser war eigentlich für den Frühling geplant. Wir haben uns jedoch entschieden, diesen aufgrund der mit Covid-19 entstandenen Herausforderungen zu verschieben.

Wie war die Stimmung bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern während des Lockdowns? Kurzarbeit gab es wohl nicht?
Obwohl die Arbeitsauslastung überdurchschnittlich hoch war, hat das zu einem Motivationsschub bei unseren Mitarbeitenden geführt. Alle haben an einem Strang gezogen, standen – auch in Zeiten von Mindestabstand – übertragen gesprochen noch näher zusammen und haben die neuen Herausforderungen hervorragend gemeistert. Das überwältigend positive Feedback, das wir erleben durften, zeigt, dass wir unseren Teil zur Grundversorgung unserer Bevölkerung beigesteuert haben. Wir mussten zu keinem Zeitpunkt Mitarbeitende in Kurzarbeit schicken und durften gar noch Personen einstellen und Stellen schaffen und konnten so Menschen, die durch die Krise auf Einkommen verzichten mussten, einen Job anbieten.

Und Homeoffice?
Homeoffice gab es bei Aldi Suisse überall dort, wo dies möglich war. Das heisst, fast alle Mitarbeitende in der Verwaltung waren im Homeoffice – so auch unser Team im Marketing, das zu 100 Prozent von zu Hause aus tätig war. Auch dies war eine sehr lehrreiche Erfahrung, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir innert wenigen Tagen sämtliche Strukturen fürs Homeoffice erst schaffen mussten. Bei unseren Mitarbeitern in den Filialen war dies leider nicht möglich. Durch die schnellstmögliche Installation von diversen Schutzmassnahmen konnten wir die Corona-Fälle unternehmensintern trotz sehr grossem Kundenkontakt minimal halten.

Wird die ganze Coronakrise das Verkaufsverhalten verändern?
Ich denke, diese Zeit wird sicherlich Auswirkungen auf das Kaufverhalten haben – jedoch ist es noch etwas zu früh zu sagen, wie sich dies alles langfristig auf die ganze Branche auswirkt.

Was werden Sie persönlich in Zukunft anders machen?
Wichtig ist, trotz turbulenten Zeiten und grossen Herausforderungen möglichst viele Erkenntnisse aus der Krise mitzunehmen. Trotz geschäftlicher Hektik war gerade die Entschleunigung während des Lockdowns eine sehr positive Erfahrung für mich. Ich hoffe, ich kann die bewusste Entschleunigung auch künftig wahrzunehmen und versuche deshalb das Leben einen Schritt langsamer zu geniessen.

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Wochen?
Privat definitiv die Geburt meines zweiten Sohnes während des Lockdowns. Beruflich sicher allgemein die sehr rasch erforderliche Umstellung auf die Einflüsse von Covid-19.

Wo verbringen Sie Ihren Urlaub?
Eine grössere Reise ist derzeit nicht geplant. Wir werden uns im Sommer vor allem unseren beiden kleinen Söhnen widmen und die schöne Schweiz geniessen.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier. 

 



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Kommentare

  • Victor Brunner, 27.07.2020 18:06 Uhr
    Wenn Grossverteiler ennet der Grenze einkaufen ist das auch Einkaufstourismus mit Geschmäckle, oder nur wenn Private "büdgetschonend" ennet der Grenze einkaufen.
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