Herr Ehrler, wie gravierend wäre ein Werbeverbot, wie es der Bundesrat fordert, für die Werbebranche?
Die Tabakwerbung ist durch die bestehenden Werbeverbote und die Selbstregulation der Tabakbranche bereits stark eingeschränkt. Nun will der Bundesrat der Branche noch die letzten Werbemöglichkeiten entziehen. Das ist tragisch, und noch tragischer mit Blick auf weitere unnötige Werbeverbote – zum Beispiel für stark zucker- oder salzhaltige Produkte.
Sponsoring an Musikfestivals oder anderen Veranstaltungen sollen weiterhin erlaubt sein. Welche Entwicklungen hätte dies zur Folge?
Die Tabakbranche wäre gezwungen, andere Werbemöglichkeiten für die Bekanntheit und Informationen über ihre legal verkäuflichen Produkte zu finden. Sponsoring ist nur eine dieser Optionen.
Welchen Anteil macht Tabakwerbung am ganzen Werbeumsatz in der Schweiz aus?
Dieser Anteil lag im Jahr 2014 gerade noch bei 0,3 Prozent an dem von Media Focus gemessenen Werbekuchen. Und gerade dieser Teil soll jetzt verboten werden. Die Regulierung schiesst somit am Ziel vorbei, weil jetzt schon sehr wenig geworben wird und sich die Branche bereits freiwillig stark einschränkt.
Mit dem Werbeverbot sollen Jugendliche vor dem Einfluss der Tabakindustrie geschützt werden. Wie wirksam wäre der Verzicht auf Tabak-Werbung Ihrer Meinung nach?
Ich bin noch mit Tabakwerbung im Kino aufgewachsen und rauche bis heute nicht. Die Wirkung von Verboten ist sehr umstritten. Viel stärker als Werbung beeinflusst das direkte Umfeld der Jugendlichen ihr Verhalten. So zum Beispiel die Eltern, Geschwister, Schulfreunde oder Lehrer.
Gibt es hier Erfahrungen von anderen Werbeverboten?
Es gibt keine Branche, die so stark reguliert ist wie die Tabakindustrie. Für politische Werbung ist zum Beispiel TV- und Radiowerbung in der Schweiz verboten. Solche Werbung ist in den USA weit verbreitet. Werbeverbote müssen grundsätzlich abgeschafft statt ausgebaut werden. Auch für den Wahlkampf unserer Politiker.
Mit welchen Massnahmen kämpft der SWA gegen Werbeverbote an, wie aktuell im Fall Tabak?
Wir unterstützen unsere Mitglieder im Kampf gegen jegliche Werbeverbote. Unsere Mittel und Massnahmen sind allerdings bescheiden. Wir tun dies vor allem mit PR-Arbeit und Gesprächen.
Neben dem Werbeauftraggeber-Verband SWA bezogen am Donnerstag auch der Verband Schweizer Medien (VSM) sowie der SW Schweizer Werbung Stellung zur Botschaft des Bundesrates. Der SW erachtet die neuen Verbote von Inseraten, Plakaten, Kino-Spots, Internet-Werbung und Sponsoring von nationalen Anlässen als «nicht zielführend und weit übertrieben», wie er in einer Mitteilung schreibt. «Bei allem Verständnis für einen griffigen Jugendschutz» sei ein weitgehendes Tabakwerbeverbot keine geeignete Strategie, um den Tabakkonsum weiter zu reduzieren.
Aus Sicht des VSM greift das Verbot nicht nur die Tabakindustrie an, sondern «bedroht auch Branchen wie Werbung, Medien und Organisatoren kultureller Veranstaltungen, mithin wichtige Bereiche unserer Wirtschaft», so der Verband in einer Mitteilung, in der er sich klar gegen das neue Gesetz ausspricht. Werbeverbote seien keine Lösung. «Sie sind nicht nur wirkungslos, sondern sie verletzen auch die von der Verfassung gewährleistete Wirtschaftsfreiheit zahlreicher Arbeitgeber. Solche Beschränkungen bevormunden die Bürger.» (wid/eh)

