29.03.2012

Migros

Will Coop bei der Nachhaltigkeit überflügeln

Schlechtestes Ergebnis seit 7 Jahren.

Die Migros hat 2011 nicht zuletzt wegen des Preisdrucks und des Einkaufstourismus nicht mehr an die Rekordgewinne der Vorjahre anschliessen können. Inzwischen hat sich die Situation zwar etwas entspannt, dennoch hält der Grossverteiler ein Auge auf seine Profitabilität. 2011 hat diese stark unter dem sinkenden Preisniveau und den damit tendenziell sinkenden Umsätzen gelitten. Bei einem 0,9 Prozent tieferen Gruppenumsatz von knapp 24,9 Mrd. Fr. hat die Migros 2011 einen Rückgang des Betriebsgewinns (Ebit) um fast 17 Prozent auf 979 Mio. Fr. hinnehmen müssen. Der Reingewinn ist aufgrund eines deutlich negativeren Finanzergebnis als im Vorjahr um rund 22 Prozent auf 659 Mio. Fr. gesunken.

Mit Ausnahme der Migros-Bank haben alle Geschäftseinheiten der Migros-Gruppe weniger Gewinn erzielt als noch 2010. Alleine der umsatzstärkste Bereich der Migros-Gruppe, der genossenschaftlich organisierte Detailhandel mit seinen Super- und Fachmärkten, wies 84 Mio. Fr. weniger Gewinn aus. Auch die Gruppensparte Handel, zu der unter anderem Denner, Ex Libris, Globus und Interio gehören, hat mit einem 49 Mio. Fr. tieferen Ergebnis dazu beigetragen, dass der Ebit der Migros-Gruppe letztes Jahr 197 Mio. Fr. tiefer ausfiel als 2010. Die Produktionsbetriebe der Migros (Migros Industrie) schliesslich verdienten 47 Mio. Fr. weniger und die Migros-Reisetochter Hotelplan schrieb weiterhin rote Zahlen.

Unter dem Strich blieb dem orangen Riesen damit so wenig übrig wie noch nie in den letzten sieben Jahren. Kein Wunder also, dass die Migros in allen Bereichen nach Möglichkeiten für Einsparungen sucht und entsprechend die Effizienz zur steigern versucht, wie die Migros-Verantwortlichen am Mittwoch an der Bilanzmedienkonferenz erst auf Nachfrage eines Journalisten hin erklärten. Selbst wenn bei den Effizienzsteigerungsmassnahmen in den meisten Fällen wohl keine Arbeitsplätze abgebaut werden, wie dies letztes Jahr wegen des Einkauftourismus in grenznahen Regionen geschehen ist, sprachen die Migros- Chefs vor den Medien doch lieber von anderem als der Effizienz und Rentabilität. Zum Beispiel vom Erbe des Migros-Gründers Gottlieb Duttweiler.

Diesem will die Migros nicht nur mit dem Migros Kulturprozent, dank welchem 2011 über 117 Mio. Fr. an Kultur-, Bildungs-, Sozial- und Sportprojekte flossen, gerecht werden. Neu sollen auch die Migros Bank, die anderen zur Migros-Gruppe gehörenden Ketten wie Denner oder Interio sowie die Reisetochter Hotelplan im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten gesellschaftliches und ökologisches Engagement fördern, wie Finanzchef Jörg Zulauf ausführte.

Coop das Feld nicht überlassen

Marketing-Leiter Oskar Sager stellte das kürzlich lancierte Nachhaltigkeitsprogramm "Generation M" vor, bei dem einerseits die Migros selbst der zukünftigen Generation Versprechen abgibt und alljährlich auch Rechenschaft darüber ablegt, ob sie ihre Versprechen einhält. Andererseits will die Migros aber über Soziale Netzwerke auf dem Internet auch ihren Kunden Versprechen für ein ökologisch und sozial verantwortungsvolleres Handeln abringen. Die Absicht, die hinter der Kampagne liegen dürfte, offenbarte Migros-Chef Herbert Bolliger, als er davon sprach, dass die Migros damit ihre führende Rolle als nachhaltigster Detailhändler ausbauen wolle. Dies, obwohl in den letzten Jahren meist Konkurrent Coop in der Öffentlichkeit als besonders nachhaltig wahrgenommen wurde.

Doch nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung punkto Nachhaltigkeit will Migros offenbar Coop das Feld nicht kampflos überlassen. Auch im stark boomenden Markt mit frischen Fertigprodukten strebt die Migros laut Bolliger die Marktführerschaft an. Mit über 300 Pronto-Filialen hat Coop derzeit die Nase im so genannten Convenience-Markt noch vorne. Die Migros will nun die Expansion ihre Migrolino-Läden forcieren, das neue Ladenformat Denner Express einführen und so mittelfristig 250 solcher Läden an stark frequentierten Lagen betreiben. Im laufenden Jahr rechnet die Migros mit einem weiterhin sinkenden Preisniveau. Das Ausmass des Preisdrucks dürfte aber kleiner ausfallen als letztes Jahr, sagte Bolliger. Er rechnet daher mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau. Seit Jahresbeginn haben sich die Umsätze laut dem Migros-Chef bereits über jenen des Vorjahres entwickelt. (sda)


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