01.07.2014

Openair Frauenfeld

"Akkreditierung wurde zu oft missbraucht"

Mediensprecher Joachim Bodmer zur rigiden neuen Medienpolitik.
Openair Frauenfeld: "Akkreditierung wurde zu oft missbraucht"

Herr Bodmer, das Openair Frauenfeld sorgte am Montag folgendem Statement für Aufregung:
"Die Veranstalterin des Open Air Frauenfeld hat beschlossen, künftig alle Medien mit qualitativ hochstehendem Bild-, Ton-, Text-, und Video-Material kostenlos zu versorgen. Im Gegenzug verzichtet das OK auf das Akkreditieren von Medien."
Später wurde das Statement abgeschwächt. Dennoch die Frage: Werden in Zukunft keine Medienvertreter mehr am Festival zugelassen?

Wir akkreditieren nach wie vor seriöse Medienleute die zum Arbeiten ans Festival kommen. Der Unterschied zu früher ist, dass wir genauer hinschauen und beispielsweise ein Belegsexemplar einfordern. Das hat einen einfachen Grund: In der Vergangenheit wurde das Akkreditierungsangebot zu oft missbraucht. Und zwar quer durch alle Medienhäuser hindurch. Vom Assistenten bis zum Chefredaktor. Von verdeckt bis ganz dreist. Ein weiteres Problem ist die Flut von Bloggern und Foto-Pages. Wir können beim besten Willen nicht jeden akkreditieren, der sich selber zum Journalisten erklärt. Das geht logistisch nicht und behindert die Arbeit der anderen Journalisten. Letztes Jahr haben wir die akkreditierten Medienleute um ein Belegsexemplar gebeten. Auf über 200 akkreditierte Journalisten haben wir drei Belegsexemplare erhalten.

Ist dieser Schritt nicht etwas gar radikal? Erwarten Sie tatsächlich, dass seriöse Medientitel das von Ihnen zur Verfügung gestellte Material einfach so übernehmen?
Wir beobachten das Phänomen seit zwei Jahren: Einige grosse nationale und internationale Printmedien schicken selber keine Mitarbeiter mehr ans Festival. Je nach Newslage fragen sie uns dann kurzfristig für Bilder und Infotexte an. Wir können ab diesem Jahr beides in hoher Qualität und beinahe in Echtzeit liefern. Wir befriedigen also bloss ein bereits bestehendes Bedürfnis.

Was hat Sie zu dem Schritt bewogen? Gibt es unter den Medienvertretern zu viele schwarze Schafe?
Ich könnte ein halbes Buch füllen mit mehr oder weniger unterhaltsamen Stories: Ein Chefredaktor eines grossen Schweizer Mediums akkreditiert sich. Beim Passbüro kommt dann die Tochter... Eine Reporterin hat uns eben angefragt, ob sie drei Kolleginnen zum Pharrell-Konzert mitbringen könne... Und die ganz deftigen kommen zwar selten aber auch vor: Sie wollen Geld für einen Bericht. Oder sie drohen mit schlechter Berichterstattung, wenn man keine Inserate bucht.

Wer sind die schwarzen Schafe?
Ich stelle hier niemanden an den Pranger. Unsere Aufgabe gegenüber dem Veranstalter ist es künftig, die schwarzen Schafe besser herauszufiltern. Das haben wir in der Vergangenheit zu wenig gut gemacht. Das Problem ist aber nicht ganz einfach handzuhaben. Der Journalist sitzt am längeren Hebel. Er hat die Feder in der Hand. Wir nicht. Aus diesem Grund haben wir in der Vergangenheit meistens die Faust im Sack gemacht und geschwiegen. Und in diesem Jahr packen wir das Problem halt eben umfassender an, ohne uns mit einem einzelnen verletzten Ego auseinander setzen zu müssen.

Könnte es nicht auch sein, dass sich die Medienvertreter an den HipHop-Künstlern die Zähne ausbeissen? Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass viele nur ungern Interviews geben oder sich kurzfristig umentscheiden. Das macht die Arbeit nicht gerade leicht.
Mit den Interviews haben wir nichts zu tun. Das läuft über die Plattenlabels. Ich finde aber: Wenn jemand vom Festival ein Gratis-Ticket verlangt, dann darf der Veranstalter auch eine Gegenleistung erwarten. Wir sind aber nicht kleinlich. Wenn der Reporter XY einmal nichts bringt, ist das weiss Gott kein Problem. In der Vergangenheit ist uns aber aufgefallen, dass erstaunlich viele Akkreditierte sich weder bei den Plattenfirmen um Interviews bemühen noch sonst ein professionelles Interesse am Festival haben. Und manchmal entpuppt sich der mit-akkreditierte "Fotograf“ dann als Freundin. Das wollen wir nicht mehr.

Falls Sie doch noch Ausnahmen zulassen: Wie viele Medienvertreter werden vor Ort sein und wie wählen Sie diese aus?
Wir haben dieses Jahr rund 200 Medienvertreter der Medienpartner am Festival. Die Meisten davon sind technisches Personal von SWR/ARD für die Live-TV-Übertragung am Samstagabend. Zusätzlich haben wir rund 50 Medienvertreter akkreditiert. Letztes Jahr waren es noch über 200.
Die Vergabe von Akkreditierungen erfolgt künftig nach rein professionellen Kriterien. Der Veranstalter eines Festivals oder eines Konzertes geht ein grosses unternehmerisches Risiko ein und die Gewinnmargen werden immer kleiner. Es kann unter diesen Umständen nicht sein, dass der Veranstalter Gratis-Tickets verteilen muss, nur weil der Akkreditierungssteller bei einer Zeitung arbeitet oder weil er oder sie ein Blogger mit ein paar Follower ist. Aber eben: Journalisten und Medienleute, die zum Arbeiten ans Festival kommen, sind weiterhin willkommen.

Dieses Jahr rückt das Festival schon auf den Donnerstag vor – und wartet mit grossen Namen auf. Wie viele Besucher erwarten Sie?
Wir erwarten ein knapp ausverkauftes Festival. Das heisst rund 50'000 Gäste pro Tag. Das ist das beste Ergebnis seit es das Open Air Frauenfeld gibt. Ein schönes Ergebnis zum Jubiläum.

Pharrell Williams, einer Ihrer Headliner, gilt - trotz all seiner Hits - nicht unbedingt als Rampensau. Live wird einem immer wieder bewusst, wie zart sein Falsettstimmchen doch ist. Ist es nicht gefährlich so jemanden als Headliner zu buchen?
Pharrell Williams ist ein hochprofessioneller Act. Im Gegensatz zu anderen Künstlern ist er kein Risiko für den Veranstalter. Ob seine Show gefällt oder nicht ist Geschmacksache und nicht an mir zu beurteilen.

Fragen: Adrian Schräder


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