09.03.2026

Halbierungsinitiative

Alles richtig gemacht

Die SRG-Initiative ist gescheitert – Verleger Matthias Ackeret sieht darin ein klares Bekenntnis der Stimmenden zum Service public. Die SRG hat den Brachialangriff abgewehrt und besteht damit die zweite grosse Bewährungsprobe seit «No Billag». Sie bleibt stabil – trotz Gebührensenkung auf 300 Franken und anhaltender Kritik.
Halbierungsinitiative: Alles richtig gemacht
«Der Sieger hat immer Recht. Die SRG-Strategie mit Spardruck und Ökonomie ist aufgegangen», so Matthias Ackeret, Verleger und Chefredaktor von persönlich und persoenlich.com. (Bilder: Keystone)

Am Ende kam es, wie es eigentlich zu erwarten war: Die SRG überstand nochmals einen Brachialangriff – die sogenannte «SRG-Halbierungsinitiative» wurde mit über 60 Prozent abgeschmettert. Nicht mehr so deutlich wie bei «No Billag» vor acht Jahren, doch die Zeiten haben sich geändert: Die Feierlichkeiten im Leutschenbach werden deswegen auch verhaltener ausfallen. Statt Champagner gibt es nur Prosecco – dafür mit roten Erdbeeren –, hat sich doch die SP mit ihrer nachträglich erhöhten Spende ganz klar hinter die SRG gestellt. Womit das alte Klischee, wonach unser «Staatsmedium» links ticke, überhaupt nicht widerlegt wurde; auch Wahlgeschenke können vergiftet sein.

Doch gerade im Moment des Triumphs sind dies kleinkarierte Bemerkungen. «The Winner Takes It All», sangen bereits ABBA – und die SRG hat am 8. März bewiesen, dass sie im kollektiven Bewusstsein der Schweizerinnen und Schweizer zu den Love Brands wie die SBB oder die Migros gehört, auf die man – wenn es hart auf hart geht – nicht verzichten möchte. Trotz UKW-Debakel, Abschaffung von «G&G» oder eben dem Vorwurf der Linkslastigkeit. Für die SRG sicher ein gutes Gefühl. Doch mit der Liebe ist es so eine Sache. Wie sang schon Polo Hofer selig: «Liebi chunnt u Liebi geit». Bei der SRG – und das wissen wir nach dem heutigen Tag – ist sie noch da und wird noch länger bleiben. Gerade in Zeiten wie diesen. Und das ist auch gut so.

Zu den Siegern – oder eben Siegerinnen – gehört ganz klar Susanne Wille. Die Generaldirektorin hat die Schlacht vom 8. März gewonnen und ihre Feuertaufe bestanden. Wer so klar gewinnt, hat (fast) alles richtig gemacht. Wäre die SVP-Abstimmung angenommen worden, hätte es für die SRG schlecht ausgesehen. Für das Unternehmen war dies – auch wenn es niemand laut sagte – eine «Schicksalsabstimmung». Auch wenn man in wenigen Tagen wieder zum courant normal wechselt, sollte man nicht vergessen, dass die Umfragen lange Zeit überhaupt nicht rosig aussahen und die Unterstützung aus den traditionell SRG-zugewandten Kulturkreisen – im Gegensatz zu «No Billag» – anfänglich sehr zurückhaltend und flau war. Vielleicht auch wegen der Enttäuschung über die Abschaffung von «G&G» oder ähnlichen Formaten. Erstaunlich ist aber, dass das Narrativ «Ohne SRG keine Schweiz und keine Demokratie» gegen die Vorlage einer Partei eingesetzt wurde, deren «Einsatz» für die Schweiz deren Haupt-DNA ist. Die treibende Kraft der Halbierungsinitiative, der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter, wird in wenigen Wochen mit fast denselben patriotischen Argumenten wie jetzt die SRG-Befürworter für seine 10-Millionen-Initiative weibeln. Erstaunlich zurückhaltend war im ganzen Abstimmungskampf der SRG-Verwaltungsrat um Präsident Jean-Michel Cina. Im Nachhinein wohl die richtige Strategie – gemäss der Devise: Keine unnötigen Angriffsflächen provozieren. Schweigen ist manchmal Sprechen. Der Erfolg gibt ihm recht: The Winner Takes It All.

Der zweite Sieger dürfte – SP-Wahlunterstützung hin oder her – ein SVP-Mann sein: Bundesrat und Medienminister Albert Rösti, der sich sehr stark gegen die Halbierungsinitiative engagiert hat. Was auch wieder ein Novum darstellt: Als Nationalrat gehörte Rösti zu den Mitinitianten des Vorhabens und ist immer noch auf deren Homepage aufgeführt. Doch Rösti hat mit der bundesrätlich angeordneten – und von der SRG unverstandenen – Senkung der Gebühren von 335 auf 300 Franken einen «Gegenvorschlag von oben» lanciert, der – so zeigt das Abstimmungsresultat – zumindest von vielen Bürgerinnen und Bürgern als Entgegenkommen oder «gut schweizerischer Kompromiss» verstanden worden sein könnte. Zum Zweiten hat Rösti das «Totschlagargument» geliefert, wonach bei einer Annahme der Initiative die Wahrscheinlichkeit hoch gewesen wäre, dass die ganze Produktion nach Zürich und Lausanne verlegt würde – eine Vorstellung, die ausserhalb dieser Städte wohl mit Schaudern zur Kenntnis genommen worden wäre. Aber keine Angst: Dass Rösti zu den Mitsiegern gehört, dürfte am «linken» Leutschenbach weitgehend ignoriert werden.

Wie geht es weiter? Höchstwahrscheinlich wird es in einigen Jahren bereits wieder die nächste SRG-Initiative geben – frei nach dem Filmhit: «Und täglich grüsst das Murmeltier.» Trotzdem hat sich das politische und auch publizistische Umfeld seit «No Billag» massiv verändert, was sich bereits daran zeigt, dass auch in unseren Nachbarländern der öffentlich-rechtliche Rundfunk massiv unter Druck steht. Irgendwann wird auch das Argument Donald Trump nicht mehr ziehen – allein schon aus biologischen Gründen. Die grösste Gefahr für die SRG sind aber nicht die Rechten, sondern die Ignoranten, die News-Deprivierten, die gar kein Fernsehen mehr konsumieren. Gehen diese an die Urne, könnte es wirklich eng werden. Bis es aber so weit ist, dauert es noch. Die SRG sollte in dieser Zeit vor allem durch das glänzen, was sie auszeichnet: durch Programme und Sendungen – und weniger durch die Ankündigung von Entlassungen und gestrichenen Formaten. Als Aussenstehender bekam man bisweilen den Eindruck, als verstünde sich die SRG mittlerweile als börsenkotiertes Unternehmen und wolle vor allem mit ökonomischen Massnahmen brillieren. Betrachtet man aber das heutige Resultat, scheint diese Strategie aufgegangen zu sein. Der Sieger hat immer recht. The Winner Takes It All.


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KOMMENTARE

Victor Brunner
08.03.2026 18:09 Uhr
Bin erstaunt über den Kommentar von Chefredaktor Ackeret. Das Nein ist ein Nein gegen Medienvielfalt, Marktchance für Private und Meinungsdominanz von wenigen!
Lahor JAKRLIN
08.03.2026 16:06 Uhr
Die Sehnsucht nach der Familie, von Enkeln bis Ätti und Müeti mit Lismernadle, die Samstag Abend Kurt Felix und Teleboy schaut, ist im Vouch noch tief drin. Jetzt müssen wir über eine diskrete kleine Lohnerhöhung von Wille Susanne nachdenken.
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