Es ist spannend und eher selten, dass jemand sein Unternehmen verkleinert, weil ihm die Struktur nicht mehr passt. Man hätte ja auch die Führungsform anpassen können.
Natürlich hätte ich das tun können. Das Problem war aber nicht nur, dass wir zu viele verschiedene Baustellen hatten, sondern dass diese Baustellen, die alle in Osteuropa lagen und jede für sich, relativ klein waren. Ich hatte sieben Tageszeitungen. Mit all den tagtäglichen sowie den Strategieproblemen, die bei Tageszeitungen eben anfallen. Aber alle sieben Tageszeitungen zusammen erreichten nicht den Umsatz einer grossen Schweizer Zeitung, zum Beispiel des TagesAnzeigers. Der Managementaufwand wäre zu teuer geworden. Dies insbesondere, weil es im damaligen noch 'wilden Osten' keine einheimischen Manager gab, die solchen Aufgaben gewachsen gewesen wären. Ich hätte also alle Teams mit teuren westlichen Spezialisten besetzen müssen.
Wie konnte es denn geschehen, dass plötzlich so viele Baustellen da waren? Das hätte man doch kommen sehen können.
Ich war sehr ehrgeizig und bin es übrigens heute noch. Als damals der Eiserne Vorhang fiel, witterte ich eine historische Chance, auch Tageszeitungsverleger zu werden. Ich habe dies als einmalige Möglichkeit wahrgenommen. Ausserdem habe ich eine sinnvolle Aufgabe darin gesehen, in diesen jungen Demokratien die teilweise noch fragilen demokratischen Institutionen und die freie Marktwirtschaft zu stärken und mit einer entsprechenden publizistischen Begleitung weiter zu fördern.
Warum haben Sie sich nie für eine Zeitung in der Schweiz interessiert? Sie hätten zum Beispiel die Jean Frey-Gruppe kaufen können.
Nun, erstens bin ich davon ausgegangen, dass die Transaktion mit Ringier klappt. Ich bin auch der Meinung, dass das Jean Frey-Zeitschriften-Portfolio bei Ringier eine gute verlegerische Heimat gefunden hätte. Zweitens hätte die Akquisition des Jean Frey-Verlages überhaupt nicht in meine strategische Ausrichtung gepasst. Und drittens hätten sich keinerlei Synergien mit meinem Unternehmen ergeben.
Und für andere Schweizer Publikationen könnten Sie sich gar nicht interessieren?
Nein. Alle meine verlegerischen Aktivitäten sind auf den gesamten deutschen Sprachraum ausgerichtet. Die Schweiz ist einfach zu klein, mit vier Millionen deutschsprachigen Einwohnern, im Vergleich zu 90 Millionen im gesamten deutschen Sprachraum. Ich bin seit 1967 im gesamten deutschen Sprachraum tätig. Warum sollte ich jetzt etwas in der Schweiz anfangen?


