Jeweils nach der Publikation der Radiohörer-Zahlen von Publica Data, wird Kritik an der Messmethode laut. Besonders laut poltert diesmal Giuseppe Scaglione, Geschäftsführer von Radio 105. Persoenlich.com" berichtete). "Personlich.com" lässt hier die Gegenseite zu Wort kommen und hat dazu Manuel Dähler, CEO Publica Data mit den Vorwürfen konfrontiert.

Herr Dähler, nach welcher Methode werden die Radio-Hörerzahlen ermittelt?
Wir suchen nach Leuten, die bereit sind, die Media-Watch eine Woche lang zu tragen. Während sieben Tagen zeichnet diese Uhr Tonproben auf, welche wir auswerten. Aus diesen Daten können wir dann die Hörerzahlen der einzelnen Radios hochrechnen.
Wie verläuft die Verteilung der Radiocontrol-Uhren?
Die Schweizer Bevölkerung muss nach Alter, Geschlecht und Geografie repräsentativ abgebildet werden. Dies ergibt ein Raster, mit welchem die benötigten Uhren-Träger bestimmt werden. Dann telefoniert das von uns beauftragte Institut Nummern aus dem elektronischen Telefonbuch durch, bis wir das nötige Sample zusammenhaben.
Wer also nicht im elektronischen Telefonbuch eingetragen ist, kann keine Uhr tragen. Somit sind junge Leute, die keinen Festnetzanschluss haben und alle, die sich nicht eintragen wollen, von der Untersuchung ausgeschlossen.
Ja.
Wie viele Leute sind das?
Ungefähr 15 Prozent der Bevölkerung.
Wie kommt es, dass die Radiocontrol-Messungen bei Radio 105 bei bei 14 Prozent der Tage auf den ganzen Tag gesehen null Hörer ergaben (wie es Herr Scaglione behauptet)?
Ob es gerade 14 Prozent sind, kann ich nicht beurteilen. Aber eine Stichprobe erfasst eben nicht alle, sondern nur einen Teil der Bevölkerung. Unsere Stichprobe ist so aufgebaut, dass die brauchbare Werte über die Zeit erzeugt, d.h. wenn die Messungen mehrerer Wochen und Monate zusammengenommen werden. Es ist durchaus möglich, dass an einem einzelnen Tag keiner der rund 1000 Uhrenträger eine bestimmte Station hört. Wenn aber ein Semester analysiert wird, fussen die Zahlen auf 26000 Uhrenträgern in der ganzen Schweiz; und dann ergibt sich ein kompletteres Bild.
Erfassen Sie die Downloadzahlen bzw. Streamingdauer in irgendeiner Art?
Nein, bis jetzt noch nicht.
Gibt es eine Methode, welche das Download-Problem lösen kann?
Die Messung der Nutzung über Internet ist schwieriger als bei UKW oder DAB, aber wir sind daran, Lösungen zu entwickeln. Der Livestream über Internet kommt im Verhältnis zur UKW-Verbreitung verzögert zum Hörer, und diese Verzögerung schwankt zwischen wenigen Sekunden bis zu einer Minute. Die Zuordnung zum richtigen Sender wird damit anspruchsvoller, v.a. wenn es um vielgespielte Hits geht oder um Refrains. Das Entwickeln dieser Zuordnungsregeln braucht noch etwas Zeit, ist aber in Arbeit.
Wann kann man diesen neuen Hörerzahlen rechnen?
Wir planen, ab Mitte 2012 mit der erweiterten Messmethode zu starten. Falls das gelingt, werden Ende 2012 erstmals entsprechende Zahlen vorliegen.
Interview: eh

