08.05.2020

Medien in der Krise

Auch die Gratiszeitungen wollen Geld

Gratisblätter sind von der vom Parlament beschlossenen Nothilfe ausgeschlossen. Der Verband VSGZ wehrt sich.
Medien in der Krise: Auch die Gratiszeitungen wollen Geld
«Ist das lokale Geschehen nichts wert?», fragt sich der Verband Schweizer Gratiszeitungen (VSGZ) und fordert Gleichbehandlung. (Bild: Keystone/DPA/Lino Mirgeler)

Die Bedeutung der Medien ist momentan in aller Munde, dabei geht es vor allem um den Coronavirus. Darüber und was die Regierung dagegen unternimmt, wird in allen Facetten ausgeleuchtet. Zu Recht, doch daneben gibt es einen Alltag, der so gut wie möglich überstanden werden muss: als Eltern, als Angestellte, als Gewerbetreibende, als Unternehmer … Da plagen andere Sorgen, die unmittelbar betreffen, wie die Schule im Dorf, der Sportverein, die Firma im Nachbardorf und so weiter. Was hier geschieht, erfahren Interessierte im lokalen oder regionalen Blatt, das in der Regel wöchentlich erscheint und in alle Haushalte verteilt wird – weil es eine Gratiszeitung ist.

Diese Printmedien werden durch Werbung finanziert. Dazu tragen die Gewerbetreibenden vor Ort viel bei, sei es ein Restaurant, der Coiffeurladen, das Möbelhaus, die Autogarage, der Detailhändler, um nur einige zu nennen, wie der Verband Schweizer Gratiszeitungen (VSGZ) in einer Mitteilung schreibt. Direkt betroffen seien die Gratiszeitungen, da die Werbetreibenden nach dem behördlichen Lockdown ihre Anzeigen gestoppt hätten. Dies sei zwar verständlich, aber wirtschaftlich gesehen fatal: ohne Werbeumsätze seien keine Informationen mehr finanzierbar – auch über das Geschehen vor Ort.

Deshalb hat das Parlament eine Nothilfe für die Medien beschlossen (persoenlich.com berichtete). Doch davon sind die Gratiszeitungen ausgeschlossen. «Weshalb eigentlich: Ist das lokale Geschehen nichts wert? Wird die flächendeckende Information zu wenig geschätzt?», schreibt der VSGZ in der Mitteilung. Der Verband Schweizer Gratiszeitungen fordert nun, dass die wöchentlich erscheinenden Regionalblätter, die regelmässig und für alle Haushalte über das Wichtigste vor Ort berichten, genauso behandelt werden wie die Kaufzeitungen. Alle Mitglieder des VSGZ erreichen wöchentlich laut der Mitteilung über 1,5 Millionen Haushaltungen und damit die Hälfte aller Schweizer Einwohner im Alter zwischen 35 und 75. (pd/cbe)


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KOMMENTARE

Victor Brunner
12.05.2020 09:23 Uhr
Aus Gratiszeitungen Abo-Zeitungen machen dann entscheiden die LeserInnen, KonsumentenInnen, ob das Produkt einem Bedürfnis entspricht, oder eben nicht!
Dieter Widmer
11.05.2020 09:02 Uhr
Ich bin klar dafür, dass zwischen Bezahl-Zeitungen und Gratis-Zeitungen unterschieden wird. Der redaktionelle Aufwand ist in keiner Weise vergleichbar. Gratis-Zeitungen sind Billigprodukte. Folglich sollen sie kein Geld vom Bund erhalten.
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