14.08.2013

Ringier

Aufstand des "Blick"-Redaktionskaders

Ein Brief an CEO Marc Walder soll die drohende Absetzung von Andrea Bleicher verhindern.
Ringier: Aufstand des "Blick"-Redaktionskaders

Konsternation und Unverständnis im Newsroom: Mit einem Brief an CEO Marc Walder versuchen "Blick"-Journalisten die drohende Absetzung von Andrea Bleicher, Chefredaktorin ad interim, zu verhindern. "Wir können uns eine Nicht-Bestätigung von Andrea Bleicher nicht erklären. Aus unserer Sicht besteht nicht die geringste Veranlassung dafür", schreiben sie wörtlich. 

Einen solchen Aufstand des Redaktionskaders gab es in der Ringier-Geschichte wohl noch nie. Im "Blick"-Newsroom brodelt es weiter, nun machen die Journalisten mit Ihrem Bleicher-Support Ernst. CEO Marc Walder hat am Dienstagmorgen per Mail einen unmissverständlichen Unterstützungsbrief erhalten. Das von einem grossen Teil der Ressortleiter unterzeichnete Schreiben - welches persoenlich.com vorliegt - ist in klaren Worten und Forderungen abgefasst. Darin heisst es, dass man sich "mit grosser Sorge" an den CEO wende und damit auf den Artikel in der "NZZ am Sonntag" reagieren wolle.

Nicht-Bestätigung sei nicht zu erklären
Die Unterzeichnenden - fast ausnahmslos alle Mitglieder der Redaktionsleitung, Ressortleiter und ihre Stellvertreter von "Blick", Blick Online und "SonntagsBlick" - würden sich nicht beteiligen wollen an den Spekulationen der "NZZ am Sonntag" über die Gründe für den Entscheid. "Aber uns verbindet eines mit dem Autor: Wir können uns eine Nicht-Bestätigung von Andrea Bleicher nicht erklären. Aus unserer Sicht besteht nicht die geringste Veranlassung dafür. Und zwar nicht einfach, weil wir ihr freundschaftlich verbunden wären, sondern aufgrund der schlichten Tatsache, dass sich die Marke Blick im August 2013 nicht in einer Krise befindet, sondern vielmehr eine Krise gemeistert hat", heisst es im Brief.

"Unverstellte Loyalität zum Blick"
Als Begrüdung für den Support von Bleicher wird nicht nur das Arbeitsklima, sondern auch ihre Kompetenz genannt: "Blick hatte noch vor wenigen Monaten Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Wir galten als altmodisch, selbstbezogen, fantasielos. Das hat sich geändert: 'Blick'-Geschichten bestimmen wieder nationale Diskussionen. Blick-Recherchen treiben nationale Themen voran. Wir werden zitiert und respektiert. Die Verkaufszahlen sind stabil, das Echo von der Werbefront ist positiv", so der Text. Bleicher habe der Zeitung auch persönlich ein Gesicht gegeben. Als Frau mit Erfahrung an der Boulevard-Front und unverstellter Loyalität zum "Blick" sei sie zur begehrten Interview-Partnerin geworden. Und zur Hoffnungsträgerin. Bleicher habe innert Kürze ein neues Team aufgebaut, sie habe reorganisiert, die Abläufe gestraft und eine Linie vorgegeben. 

Von "Konsternation" ist die Rede
Dass die Hoffnungsträgerin nun durch den Wirtschaftspublizisten und ehemaligen "Facts"-Chefredaktoren René Lüchinger ersetzt werden soll, wollen die Unterzeichnenden nicht einfach so hinnehmen: "Die einhellige Reaktion bei uns ist Konsternation. Es geht uns, um das zu betonen, nicht um die fachlichen und menschlichen Qualitäten ihres präsumtiven Nachfolgers René Lüchinger. Es geht für uns vielmehr um die Frage, ob ein Wechsel nötig ist, und was er für Folgen hätte."

Noch keine Reaktion von Marc Walder 
Schliesslich der Appell an CEO Walder: "In diesem Sinn möchten wir Sie auffordern, Andrea Bleicher als Chefredaktorin zu bestätigen. Wir alle freuen uns, auf dem Erreichten aufzubauen. Hochmotiviert wollen wir tagtäglich die beste Zeitung machen. Heute, morgen, übermorgen. Ein weiteres halbes Jahr Warte- und danach ein halbes Jahr Aufbauzeit mit ungewissem Ausgang – das kann nicht im Sinne des Hauses Ringier sein". 

Der Brief an Marc Walder im Originalwortlaut:

Brief an CEO Marc Walder.pdf

Eine Antwort Walder lässt offenbar auf sich warten. Er habe sich bisher noch nicht gemeldet, sagt eine der unterzeichnenden Personen gegenüber persoenlich.com. Weitere Schritte seien geplant, falls es tatsächlich zur Bleichers Nicht-Wahl komme. (eh/as)

 



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