12.05.2022

Blick-Gruppe

Auslandsredaktorin Fabienne Kinzelmann geht

Die Journalistin hat sich nach über vier Jahren entschieden, den Blick und den SonntagsBlick im Spätsommer zu verlassen. Was danach folgt, ist noch offen – doch Fabienne Kinzelmann betont: «Mein Herz schlägt für Journalismus.»
Blick-Gruppe: Auslandsredaktorin Fabienne Kinzelmann geht
«Ich brenne für gutes Storytelling, mutige Ideen und dafür, Dinge voranzutreiben»: Fabienne Kinzelmann, seit Herbst 2018 Auslandsredaktorin bei der Blick-Gruppe. (Bild: Thomas Meier/Ringier)
von Tim Frei

Ende August hört Fabienne Kinzelmann bei der Blick-Gruppe auf, wie sie auf Twitter bekanntgab. Auf Anfrage von persoenlich.com antwortet die 29-Jährige über ihre Beweggründe nicht konkret: «Das ist das Ergebnis einer langen Reflexion über verschiedene Dinge.» Sie sei dankbar für die «tollen Möglichkeiten als Auslandsredaktorin und vor allem für die vielen netten, engagierten Menschen», mit denen sie in diesen vier Jahren arbeiten durfte. «Jetzt freue ich mich darauf, mich in einem herausfordernden Umfeld weiterzuentwickeln, Neues zu lernen und mehr Verantwortung zu übernehmen», so die gebürtige Stuttgarterin weiter.


Was sie aber genau als Nächstes machen werde, habe sie noch nicht entschieden. Auf die Frage, ob sie ihre Zukunft zwingend im Journalismus sieht, sagt sie: «Mein Herz schlägt für Journalismus. Aber ich habe darüber hinaus auch schon viele andere Dinge gemacht – ein Magazin mitgegründet, Projekte geleitet, eine Studie geschrieben.» Eine journalistische Denk- und Arbeitsweise, Analysefähigkeit und die Neugier auf Neues sei in vielen Bereichen nützlich.

«Ich brenne grundsätzlich für gutes Storytelling, mutige Ideen und dafür, Dinge voranzutreiben», betont Fabienne Kinzelmann. Ein Job auf einer Auslands- oder Wirtschaftsredaktion wären in der Tat naheliegend, doch sie fügt sogleich an: «Mich müssen Unternehmen, Inhalte und die konkrete Rolle überzeugen. Wenn's dann noch in Zürich ist, wär's perfekt.» 

Flüchtlingslager auf Lesbos, Klimaprotest, US-Wahl

Rückblickend auf ihre Zeit bei Ringier sagt sie: «Am prägendsten waren für mich sicher mein Besuch im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos auf dem Höhepunkt der EU-Türkei-Krise, das Begleiten der Klimaprotest-Bewegung und die US-Wahl 2020, die ich für all unsere Kanäle abgedeckt habe.»

Zuletzt war sie auch als Korrespondentin in den USA tätig und hat in dieser Funktion einen eigenen Newsletter entwickelt. Zu diesem Abenteuer sagt sie: «Es war eine Herausforderung und ein Privileg, als einzige Auslandredaktorin für Blick wie SonntagsBlick zu schreiben und live für Blick TV von vor Ort zu schalten oder im Studio aktuelle Ereignisse zu analysieren.»

Bei EqualVoice engagiert

Wenn sie nur eine Sache nennen könne, was sie aus ihrer Zeit bei der Blick-Gruppe mitnehmen könne, wäre es dies: «Wie man selbst vermeintlich dröge Auslandsthemen für eine breite Leserschaft aufbereitet und so erzählt, dass es jede und jeden interessiert.»

Seit der Gründung von Ringiers EqualVoice-Initiative im Herbst 2019 ist sie die Redaktionsvertreterin für die Blick-Gruppe. Seither engagiert sie sich in redaktionsübergreifenden Arbeitsgruppen und berichtet gemeinsam mit Chefredaktor Christian Dorer und ihrem News-Kollegen Johannes Hillig halbjährlich an das Group Executive Board. Mit Hillig leitet sie zudem eine Projektgruppe, zu der «engagierte Redaktorinnen und Redaktoren» von Blick, SonntagsBlick und Blick TV gehören. «Besonders stolz bin ich auf unsere Ringier-Expertinnenliste, mehrere Gender Bias-Workshops mit nützlichen Tools und Tricks für den Redaktionsalltag und unsere monatlichen EqualVoice-Blattkritiken, die sich fest im Newsroom etabliert haben», so Fabienne Kinzelmann weiter.

Reto Scherrer – die «Geheimwaffe im Newsroom»

Kinzelmann ist seit 2018 für die Blick-Gruppe tätig – zuerst neun Monate lang als Newsredaktorin, seit Oktober 2018 und über dreieinhalb Jahren als Auslandsredaktorin für den SonntagsBlick und den Blick. Sie verfügt über ein Bachelorstudium in Philosophie/Katholischer Theologie (Dresden und Bologna) sowie über einen Master in «Religion-Wirtschaft-Politik» (Zürich, Basel und Luzern). Während des Studiums schrieb sie als freie Journalistin für Spiegel Online, FAZ und DPA. Weitere Stationen hatte sie bei Tamedia, Bertelsmann und UBS.

Apropos Abgang per Ende August: Fabienne Kinzelmann spricht vom «schnellsten, nettesten und lustigsten Newsroom der Schweiz», den sie verlassen werde. Inwiefern steht an der Dufourstrasse der «lustigste Newsroom»«Blick ist nah am Menschen, will bewegen und unterhalten. Wenn wir Geschichten und Titel diskutieren, wird deshalb automatisch viel und gern gelacht», sagt Kinzelmann und betont mit einem Lachen: «Und als Geheimwaffe im Newsroom haben wir natürlich Reto Scherrer: Der schafft's selbst in aller Herrgottsfrühe, alle mit seiner guten Laune anzustecken ...»



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