24.01.2020

Delisting

Axel Springer verlässt die Börse

In der Schweiz betreibt Axel Springer zusammen mit Ringier das Jointventure Ringier Axel Springer Schweiz.

Der Medienkonzern Axel Springer will sich nach rund 35 Jahren von der Börse zurückziehen. Für das sogenannte Delisting werde ein Antrag bei der Frankfurter Wertpapierbörse gestellt, teilte das Unternehmen am späten Donnerstagabend mit.

Der Konzern mit Sitz in Berlin vereinbarte im vergangenen Jahr eine strategische Partnerschaft mit dem US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Ziel ist es, noch schneller und stärker in den digitalen Geschäften zu wachsen. Neben den journalistischen Inhalten unter anderem mit den Marken Bild und Welt betreibt der Konzern mit mehr als 16 000 Mitarbeitern schon länger digitale Rubrikengeschäfte. Die Mehrheit der Umsätze wird im Digitalen erwirtschaftet.

In der Schweiz betreibt Axel Springer zusammen mit dem Verlagshaus Ringier das Gemeinschaftsunternehmen Ringier Axel Springer Schweiz. Zu dessen Produkten gehören unter anderem die Wirtschaftspublikationen HandelsZeitung und Bilanz, das Konsumentenmagazin Beobachter, die Tageszeitung Le Temps sowie verschiedene Publikumszeitschriften und Magazine wie L'Illustré und die Schweizer Illustrierte.

KKR hält schon 45 Prozent

Die Aktionäre haben vor dem geplanten Rückzug von der Börse die Möglichkeit, ihre Anteile an KKR zu verkaufen. Konkret geht es um einen Aktien-Streubesitz von 3,6 Prozent. Die Aktionärsstruktur sieht so aus: Die Witwe des Verlagsgründers, Friede Springer, und Vorstandschef Mathias Döpfner halten zusammen rund 45,4 Prozent des Grundkapitals von Axel Springer. Der Mitteilung zufolge wollen sie beim Delisting-Angebot keine von ihnen direkt oder indirekt gehaltenen Aktien verkaufen.

KKR hatte im vergangenen Jahr mit einem Übernahmeangebot an Aktionäre einen grossen Teil erworben. Zusammen mit begleitenden Erwerben hält KKR nun rund 44,9 Prozent der Aktien.

Enkel bleiben dabei

An den US-Finanzinvestor hatten auch die Enkel des Verlagsgründers, Ariane Melanie Springer und Axel Sven Springer, einen Teil ihrer Beteiligungen verkauft. Zusammengerechnet liegen ihre verbliebenen Anteile nun bei 6 Prozent. Dabei soll es auch bleiben. Eine Sprecherin von KKR sagte am Freitag der Nachrichtenagentur: «Die Enkel werden ihre Aktien nicht in das Delisting-Angebot einliefern. Sie wollen den Wandel des Unternehmens weiter begleiten.» Das bestätigte auch der Springer-Konzern.

KKR bietet den Aktionären 63 Euro je Aktie in bar und entspricht damit dem Preis, den KKR beim Übernahmeangebot im vergangenen Jahr gemacht hatte. Die Axel Springer Aktie ist seit 1985 börsennotiert.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hatte im Herbst 2019 in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» über die damals noch geplante Kooperation mit KKR gesagt: «Es ist eine neue Ära im Sinne eines Befreiungsschlags. Wir können unsere Wachstumsstrategie umsetzen mit einem Partner, der nicht an das nächste Quartalsergebnis denkt, sondern heute das unterstützt, auch finanziell, was in fünf Jahren den Wert des Unternehmens maximiert.»

Im Geschäftsjahr 2018 lag der konzernweite Umsatz bei rund 3,2 Milliarden Euro. Rund 70 Prozent stammten aus digitalen Aktivitäten. Ende September hatte der Konzern bekanntgegeben, dass er Millionenbeträge in Projekte bei seinen Marken Bild und Welt investieren, zugleich aber im Konzern auch Personal reduzieren wolle.  (awp/sda/dpa/eh)



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