30.11.2016

Digital News Initiative

AZ Medien starten mit Google-gefördertem Petitionsportal

Die Bedürfnisse der Leser abholen und so Nähe schaffen: Mit diesem Ziel lancieren die AZ Medien das Petitionsportal petitio.ch. Im Rahmen der DNI hat der Verlag dafür von Google 200'000 Franken erhalten. Von der Plattform profitieren sollen vor allem die Lokalredaktionen.
von Michèle Widmer

Willi Lindner wünscht sich einen attraktiveren Kinderspielplatz in Riedholz. Der Pendler Peter Neumann stört sich an der zu kurzen Grünphase an der Ecke Bernerstrasse/Pfingstwaldstrasse in Zürich. Und Christian Weyer fordert mehr Hallen für Ballsportler in Basel. Die drei haben ihre Anliegen auf dem neuen Petitionsportal der AZ Medien veröffentlicht und hoffen nun auf ganz viel Zustimmung.

Denn: Erhält ihre Petition innert 30 Tagen genügend Stimmen, treten die AZ Medien in Kontakt mit der verantwortlichen Gemeindeverwaltung. In Form eines offiziellen Schreibens an die Verantwortlichen auf kommunaler Seite verschafft das Portal der Petition des Verfassers Gewicht. Zudem können die verlagseigenen Zeitungen, Onlineportale sowie Radio- und TV-Sender dem Anliegen die nötige Öffentlichkeit verschaffen.

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Was bewegt in der Gemeinde?

Mit petitio.ch wollen die AZ Medien «näher bei den Lesern sein und ihre Bedürfnisse abholen», sagt Rolf Cavalli, Digitalchef aller «Nordwestschweiz»-Portale, gegenüber persoenlich.com. Er verantwortet das Projekt auf redaktioneller Seite. Die eingetragenen Initiativen zeigten, was die Bürgerinnen und Bürger der einzelnen Gemeinden bewege. Dies könnten vor allem die hauseigenen Regionalredaktionen von Baden über Liestal bis Solothurn als Input für ihre Berichterstattung nutzen.

Einen Zwang, die Anliegen der Bürger redaktionell aufzugreifen, gibt es laut Cavalli nicht. Aber es sei im Interesse der eigenen Zeitung. Denn auch Konkurrenzblätter hätten die Möglichkeit, die lokalen Bedürfnisse der Bürger zu bewirtschaften. «Wir haben alles open source realisiert», sagt der Digitalchef. Entstanden sei die Idee vor über einem Jahr bei Diskussionen bezüglich des Relaunches der Zeitungen und Onlineportale.

Betreut werden soll das Portal künftig von den Redaktionen aus. Nach einer anfänglichen zentral organisierten Bearbeitung können die Regionalredaktionen künftig die Petitionen selber freischalten oder ablehnen, erklärt Cavalli. Bei mehreren Workshops in den vergangenen Monaten hat er die Chefredaktoren der Lokalzeitungen über das Vorhaben informiert und «sie ins Boot geholt».

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200'000 Franken erhalten

Die AZ Medien haben das neue Petitionsportal mit einer Finanzspritze von Google realisiert. Im letzten Herbst hat AZ Digital petitio.ch als Projekt bei der Digital News Initiative (DNI) eingereicht (Mock-ups siehe oben). Mit der Initiative verfolgt Google laut eigenen Angaben das Ziel, zusammen mit europäischen Medienhäusern «qualitativ hochwertigen Journalismus in Europa durch Technologie und Innovation zu fördern».

Gebunden an drei definierte Meilensteine hat das Aargauer Medienhaus im letzten Jahr gesamthaft 200’000 Franken vom US-Unternehmen erhalten. Dies unter der Bedingung, dass der Verlag 30 Prozent davon, also 70’000 Franken, selbst in das Projekt investiert.


Die AZ Medien sind das erste Schweizer Verlagshaus, dass ein im Rahmen der DNI gefördertes Projekt auf den Markt bringt. Nebst dem Aargauer Medienhaus haben auch die «Neue Zürcher Zeitung», die «Tageswoche» sowie Scitec-Media, ein Unternehmen für Wissenschaftsjournalismus, Fördergelder von Google erhalten. persoenlich.com stellt alle Projekte in den kommenden Wochen vor.



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