Nachdem der Popstar Madonna bei ihrer Show in Rom am 6. August mit einer Dornenkrone am Kreuz auftreten will spricht der Klerus erneut von Blasphemie. Wahrscheinlich wird es die katholische Kirche mit diesem Protest bewenden lassen. Es werden gewiss keine Morddrohungen folgen. Zahlreiche Priester vom Vatikan fanden:
"Das ist provozierend. Wir sind empört, wenn sich die Popikone mit einer Dornenkrone an ein Kreuz "schlagen" lässt. - wie ein moderner Christus. Das ist eine Religionsbeleidigung und dies obendrein in der Hauptstadt der Christenheit." Erneut müssen wir uns auch bei dieser Geschichte überlegen: Ist dies tatsächlich Blasphemie oder nur ein Gag? Oder: Wird Blasphemie zum Werbegag?
Es lohnt sich ferner zu fragen: Was würden andere Geistliche sagen, wenn ihre Religion im eigenen Land dermassen verunglimpft würden? Bis jetzt haben sich jedenfalls erst Juden und Muslime den katholischen Kritikern angeschlossen.
Der Weltstar will angeblich bewusst die Kirche in der symbolträchtigen Stadt Rom provozieren. Im Hintergrund der Kreuzigungsszene soll ein ein Video mit den "Mächtigen der Erde" - darunter ist auch der Papst - gezeigt werden. Damit wird der Event erst recht spannend. Für die Show werden derzeit Eintrittskarten von 500 Euro feilgeboten. Am Spektakel vom 6. August sollen insgesamt 1000 Personen mitwirken.
Angenommen ein Manager eines Stars würde feststellen, dass sein betreuter Stern am sinken ist, so müsste er gewiss ähnliche Geschichten -- möglichst mit einer Provokation verbunden -- in die Medien bringen. Wir haben den Eindruck, dass vor allem Madonna von diesem jüngsten provokativen Event profitiert. Provokateure wünschen und schätzen Proteste. Sie ersparen Werbekosten. Provokateure ärgern sich, wenn man die Provokationen übersieht. Ein Werber will in erster Linie eines: Beachtung!
Folgende Geschichte wurde übrigens zusätzlich in den Medien verbreitet: Im Umkleidraum des Stars muss angeblich jeden Tag ein neues WC installiert werden. Damit die Klos nicht auf dem Schwarzmarkt versteigert werden, müssen nun diese WCs jeweils vor Ort sofort abgerissen und zerstört werden. Derartige Storys tragen ebenfalls dazu bei, den Marktwert eines Popstars zu erhalten. Diese Geschichten sind medientauglich, denn sie sind aussergewöhnlich und absurd. Sie haben jedenfalls nichts - aber gar nichts- mit der Qualität der jeweiligen Künstlerin zu tun.

