Frank A. Meyer hat das Höchste erreicht, was einem Journalisten passieren kann: Er wurde zur Instanz und zur Marke. Dies zeigte sich auch bei der Buchvernissage von René Lüchingers Meyer-Biografie «Auf ein Wort» (Steidl): Zahlreiche Persönlichkeiten, hauptsächlich aus der Medienwelt und der Politik, erschienen zur Buchpräsentation. Darunter Alt-Bundesrat Adolf Ogi, Ex-Preisüberwacher Rudolf Strahm oder Meyers erster Arbeitgeber und Büropartner vom legendären Büro Cortesi in Biel, Mario Cortesi.
In seiner Begrüssung betonte Ringier-CEO Marc Walder, dass FAM nicht «Ringier Schlossgespenst» sei, sondern der bedeutendste Schweizer Journalist der letzten 50 Jahre.
Verleger Michael Ringier betonte, dass Meyer mittendrin stehe. Er sei eine «Oase der Klugheit», der den Ringier-Verlag nach vorne gebracht habe. Der ebenfalls anwesende frühere deutsche FDP-Finanzminister Christian Lindner sieht in Meyer «die Zukunft des Journalismus». Man brauche wieder Marken wie FAM, um sich in einer immer eintöniger werdenden Medienwelt hervorzuheben. Anschliessend interviewte Peter Hossli, Leiter der Ringier-Journalistenschule, den 81-Jährigen. Er sei ein «Tuer» und «kein Empörter», sagte Meyer.
Bei Blocher «vielleicht getäuscht»
Aufschlussreich war auch ein zweiseitiges Interview mit FAM, das die Neue Zürcher Zeitung am Montag publizierte. Darin gestand das Ringier-Urgestein, dass er ein «Schulversager» gewesen sei, aber immer sehr viel gelesen habe. Das präge ihn bis heute. Es sei ihm im Bundeshaus aber durchaus darum gegangen, Einfluss zu nehmen. Dadurch, dass er Fragen anders gestellt habe, hätten ihm viele Politiker vertraut.
Den engsten Kontakt habe er dabei mit Bundesrat Willi Ritschard gehabt. Dass ihn Bundesrat Otto Stich selbst als «achten Bundesrat» bezeichnete, war gemäss Meyers Aussage nicht als Kompliment gedacht.
Christoph Blocher war der einzige Spitzenpolitiker, zu dem er keinen Kontakt hatte. In seinen Kolumnen erwähnte er ihn namentlich nie oder bezeichnete ihn als «Führer». Meyer gesteht ein, dass Blocher früher nicht so war, wie er jetzt ist. «Inzwischen ragt er fast heraus. Vielleicht ist es Altersweisheit. Vielleicht habe ich mich getäuscht», so FAM in der NZZ. Im Weiteren räumt er ein, dass die Beziehung zu Altkanzler Schröder aufgrund der verschiedenen Positionen im Ukraine-Konflikt zerbrochen sei.
50 Stunden Gespräche
Rund 50 Stunden will Biograf Lüchinger mit Meyer für das Buch gesprochen haben. Dabei sei man durch dessen spannendes Leben «galoppiert». Lüchinger hebt hervor, dass dabei FAM keinen Einfluss genommen habe. Meyer betonte, dass er seine Biografie kurz vor der Vernissage erstmals in der Hand gehalten habe.

