16.01.2023

Indiskretionsaffäre

Blick-Führung wendet sich an die Redaktion

Die Primeurs während der Coronapandemie stammten von Quellen aus der Redaktion, schreiben Ladina Heimgartner und Christian Dorer in einer internen E-Mail. CEO Marc Walder sei in keiner Weise involviert gewesen.
Indiskretionsaffäre: Blick-Führung wendet sich an die Redaktion
Der Blick-Newsroom in Zürich. (Bild: Ringier)
von Matthias Ackeret

Nach der Berichterstattung vom Wochenende über den möglichen nahen Kontakt von Peter Lauener, ehemaliger Kommunikationschef von Bundesrat Alain Berset, und Ringier-CEO Marc Walder hat nun die Führung vom Blick reagiert.

In einer internen E-Mail haben sich Ladina Heimgartner, Head of Global Media und CEO Blick-Gruppe, und Christian Dorer, Chefredaktor Blick-Gruppe, am Montagmorgen um 8.30 Uhr an die Mitarbeitenden gewandt. Diese Information liegt persoenlich.com exklusiv vor.

Heimgartner und Dorer schreiben: «Blick wird unterstellt, dass wir zwei exklusive Beiträge durch die Kommunikation zwischen dem EDI und unserem CEO, Marc Walder, publizieren konnten. Dies ist falsch. Wir haben das Zustandekommen der beiden Beiträge über das Wochenende akribisch rekonstruiert.»

Walder sei nicht involviert gewesen

Das Resultat zeige, so die Blick-Verantwortlichen, dass der Primeur über die Impfstoff-Beschaffung vom 11. November 2020 aus Quellen von Politikchefin Sermîn Faki stamme. Den Primeur über die Lockerungen der Massnahmen vom 11. März 2021 habe der stellvertretende Politikchef Pascal Tischhauser und Bundeshausredaktor Ruedi Studer recherchiert. Bei beiden Beiträgen sei CEO Marc Walder in keiner Weise involviert gewesen.
«Die Schweiz am Wochenende hat weder Ringier noch die Blick-Gruppe mit diesem Vorwurf konfrontiert, was wir bedauern», so Heimgartner und Dorer in ihrer internen E-Mail. Am Schluss schreiben die beiden: «Diese Klarstellung ist uns wichtig. Die Blick-Gruppe arbeitet unabhängig. Dass der CEO eines Medienunternehmens Kontakte zu Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Forschung und Kultur pflegt, ist ein üblicher Vorgang. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere Berichterstattung, wie auch der §8 ‹Blick arbeitet unabhängig› im Redaktions-Manifest regelt.»

Offiziell keine Stellungnahme

Gegenüber Presseanfragen gibt der Ringier-Verlag folgende Stellungnahme ab und verweist auf das laufende Verfahren: «Die Ringier AG wurde im Rahmen der Ermittlungen des ausserordentlichen Staatsanwaltes des Bundes, Peter Marti, mit einer Untersuchung gegen eine Drittperson konfrontiert. Weder die Ringier AG, Tochtergesellschaften, Organe, noch Mitarbeitende sind Beschuldigte in diesem Verfahren. Ringier AG kooperiert mit den zuständigen Behörden, unter Wahrung des Quellenschutzes. Weitere Kommentare werden aufgrund des laufenden Verfahrens keine gemacht.»



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Kommentare

  • Hannelore Hoenig, 18.01.2023 09:42 Uhr
    Und es kommt noch dicker: am 14.11.22 fand eine Medienkonferenz zum Thema «Strafanzeige gegen Swissmedic» statt. Alle Medien inkl. SRF, 20Min. haben darüber (wenngleich auch dezent) darüber berichtet. Blick hat kein Wort darüber geschrieben. Hmmm ... hat ihnen das BR Berset verboten?
  • Bernardo Egli, 17.01.2023 10:26 Uhr
    WIE die Berichte zustande kamen, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Fakt ist, dass das Dept Berset nicht eine oder zwei Indiskretionen an die Redaktion geleitet haben, sondern dass dies über Monate systematisch geschehen ist. Und Berset will davon nichts wissen und auch nichts gemerkt haben. Mit anderen Worten hat er seine engsten Mitarbeiter nicht im Griff. Ein Chef, dessen Kommunikationsverantwortlicher macht was er will. Wer's glaubt.
  • Lorenzo Winter, 16.01.2023 18:44 Uhr
    Die heutige Stellungnahme der Blick-Führung dürfte vor allem Sonder-Bundesantwalt Marti jubeln lassen. Mit seiner E-Mail-Auswertung stand er auf äusserst dünnem Eis: Das Bundesgericht sagt in BGE 140 IV 108 klar und deutlich, dass die Kommunikation zwischen einer Quelle und einem Medienschaffenden unter das Redaktionsgeheimnis fällt und nicht verwertet werden darf. Walder hätte wohl unter die Definition von «Medienschaffenden» oder zumindest unter die der «Hilfsperson» gepasst, wie sie in der Strafprozessordnung definiert werden. - Zumindest bis zur heutigen Verlautbarung der Blick-Führung. Wenn diese nun aber sagt, Walder habe keine publizistische Rolle gespielt, wird dieser vom Medienschaffenden zu einem normalen Dritten, bei dem das Redaktionsgeheimnnis nicht mehr greift. Die Blick-Führung hat Lauener als Quelle verbrannt. Fazit: Steckt Ringier-Journis nie eine Indiskretion zu, da gilt der Quellenschutz wenig.
  • Hannelore Hoenig, 16.01.2023 10:41 Uhr
    Über das Wochenende haben sie vor allem mit PR- und Krisen-Managern analysiert, wie man jetzt wohl am besten reagieren möge. Die Reaktion nun ist naheliegend. «Wir berichten WOHLWOLLEND und regierungsfreundlich» sagte einst Walder. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Auch bezüglich BR Berset, der von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen trampt und das alle paar Monate.

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