30.06.2014

"News of the World"

Britische Staatsanwaltschaft will weiter gegen Coulson vorgehen

Ermittler kündigten an, mehrere Anklagepunkte erneut vor Gericht zu bringen.

In der Abhöraffäre um das eingestellte britische Boulevardblatt "News of the World" will sich die britische Staatsanwaltschaft mit der ersten Verurteilung des früheren Chefredaktors Andy Coulson nicht zufrieden geben.

Die Ermittler kündigten am Montag an, mehrere Anklagepunkte gegen den ehemaligen Pressesprecher von Premierminister David Cameron erneut vor Gericht zu bringen.
 
Coulson war in der vergangenen Woche umfangreicher Schnüffelei für schuldig befunden worden. Ihm droht eine Haftstrafe, das Strafmass steht aber noch nicht fest. Der 46-Jährige hatte im April zugegeben, die Bestechung eines Polizisten gebilligt zu haben.
 
Der Vorfall liegt elf Jahre zurück: Damals bat der damalige Palastreporter Clive Goodman um Zustimmung, einem Polizisten ein Telefonbuch der Königsfamilie für tausend Pfund (heute etwa 1500 Franken) abkaufen zu dürfen. Trotz der Warnung, dies könne die Betroffenen auf die Anklagebank bringen, gab Coulson nach eigenen Angaben grünes Licht.
 
Hunderte Mobiltelefone angezapft
Der Abhörskandal schlug hohe Wellen. Der australische Medienmogul Rupert Murdoch sah sich im Juli 2011 gezwungen, das Boulevardblatt endgültig zu schliessen.
 
Coulson musste später von seinem Posten als Pressesprecher Camerons, den er nach seiner Chefredaktorenzeit angetreten hatte, zurücktreten. Coulsons Vorgängerin auf dem Chefredaktorenposten, Rebekah Brooks, wurde in der vergangenen Woche freigesprochen.
 
Die "News of the World" hatte mehr als 600 Mobiltelefone teils sehr prominenter Opfer angezapft und abgehört. Unter ihnen waren neben Politikern auch Mitglieder des britischen Hofs.
 
Für Empörung sorgte vor allem, dass auch Angehörige getöteter Soldaten und Verbrechensopfer abgehört wurden. Unter diesen war auch eine vermisste britische Schülerin, die im Jahr 2002 schliesslich ermordet aufgefunden wurde. (sda)

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