22.03.2022

SRF

Brotz wird für Aeschi-Kreuzverhör kritisiert

«Moderator auf Abwegen», so betitelt Michèle Binswanger ihren Kommentar im Tagi. Nach der «Standpauke» gegen Thomas Aeschi gab es auch Kritik in NZZ und Weltwoche. «Arena»-Moderator Sandro Brotz reagierte auf Twitter. Rückendeckung gab es vom Chef – und vom Tagi.
SRF: Brotz wird für Aeschi-Kreuzverhör kritisiert
«Wir halten am heutigen Abend glasklar fest, dass, was Sie gesagt haben, rassistisch war. Punkt. Ausrufezeichen», so «Arena»-Moderator Sandro Brotz (r.) an die Adresse von Thomas Aeschi. (Bild: SRF)

Nach der «Arena»-Ausgabe vom Freitag steht Moderator Sandro Brotz im Zentrum mehrerer kritischer Artikel. Auslöser war die Teilnahme von SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi – respektive das Kreuzverhör von Brotz. Aeschi sorgte letzten Mittwoch im Nationalrat mit einer Aussage für Aufsehen: «Es darf nicht sein, dass Nigerianer oder Iraker mit ukrainischen Pässen plötzlich 18-jährige Ukrainerinnen vergewaltigen.» Grünen-Fraktionspräsidentin Aline Trede verzichtete in der Folge auf den geplanten Auftritt in der «Arena». In der Sendung werde Rassisten eine Bühne geboten (persoenlich.com berichtete).

Brotz sprach Aeschi in der Sendung auf die Aussagen im Parlament an und verurteilte diese als rassistisch – «im Ton eines Oberlehrers» und «mit bebender Brust», wie Michèle Binswanger in einem am Dienstag im Tages-Anzeiger erschienenen Meinungsartikel unter dem Titel «Moderator auf Abwegen» schrieb. «Brotz konnte der Versuchung des eigenen ‹virtue signalling› nicht widerstehen. Deshalb vertwitterte er den Ausschnitt mit seiner Standpauke am nächsten Tag auch stolz», so Binswanger.


Unfreiwillig habe Sandro Brotz mit seinem Auftritt «jedes Anti-SRG-Klischee bestätigt, das auch die anlaufende Halbierungsinitiative befeuern wird: dass SRF nämlich von linken, parteiischen, selbstverliebten und eitlen Gesellen bevölkert werde», schrieb Binswanger weiter.

Brotz reagierte auf Twitter auf die Kritik der Tagi-Journalistin. «Haltung hat nichts mit Meinung zu tun. Wenn eine anerkannte Kommission gegen Rassismus ein Fehlverhalten festhält, dann ist es mein Job, dies dem Publikum offenzulegen», so Brotz.


Weiter kritisierte Brotz Binswangers Arbeitsweise. Ihr Artikel habe «nichts mehr mit Journalismus zu tun».


Rückendeckung erhielt Brotz von seinem Chef, TV-Chefredaktor Tristan Brenn. «Rassismus benennen ist keine Frage von Parteilichkeit. Haltung zeigen gehört zur Aufgabe und zum Selbstverständnis von öffentlichen Medien», so Brenn am Dienstag auf Twitter. Brotz wehre sich zurecht:


Bereits in der SonntagsZeitung erschien ein kritischer Kommentar zur «Arena»-Ausgabe vom Sonntag. «Brotz hat auf billige Weise Quote gebolzt», schrieb Autor Denis von Burg. Auch diesen Vorwurf konterte Brotz auf Twitter. Keine Sendung werde nach Quote ausgerichtet, zudem sei Aeschi bereits vor seiner Aussage im Nationalrat eingeladen gewesen, so der Moderator.


Unkommentiert blieb hingegen ein Onlineartikel auf weltwoche.ch. «Sandro Brotz hat sich schon mehrfach und zusehends ungeniert als notorischer SVP-Hasser geoutet», so Weltwoche-Journalist Alex Baur. Brotz habe sich schon lange als unbefangener Schiedsrichter in der «Arena» disqualifiziert. «Doch bei diesem Exzess geht es um mehr als Parteilichkeit: Sandro Brotz stellt sein Ego über seinen Auftrag.» Gleicher Meinung ist Baurs Chef, Chefredaktor und Verleger Roger Köppel: «Das ist für mich keine Sendung mehr, ich nenne es nur noch Tribunal», sagte er in einem Videokommentar.

Apropos Tribunal: Auch Katharina Fontana fand in einem Kommentar in der NZZ kritische Worte an die Adresse von Sandro Brotz, der als «eine Art Chefankläger» aufgetreten sei. «Das öffentlichrechtliche Fernsehen scheint neuerdings auch ein Tribunal zu sein», so Fontana.

«Einspruch» zu all dieser Kritik erhob Sandro Benini auf tagesanzeiger.ch. Brotz habe keine «Standpauke» gehalten, wie dies seine Kollegin Binswanger bezeichnete. Aeschi habe sich im kurzen Disput jederzeit verteidigen können. «In keinem Moment hat Aeschi gegen die Art, wie ihn Brotz befragt hat, auch nur im Mindesten protestiert.»

Sandro Brotz war am Dienstag aus Zeitgründen nicht für eine ausführliche Stellungnahme erreichbar.

Die SVP will sich derweil bis auf Weiteres gar nicht mehr in der «Arena» äussern. Die Teilnahmeverweigerung gilt bis auf Weiteres, wie die Partei am Dienstagabend in einem offenen Brief an die SRG-Geschäftsleitung mitteilte (persoenlich.com berichtete). (cbe)


Newsletter wird abonniert...

Newsletter abonnieren

Wollen Sie Artikel wie diesen in Ihrer Mailbox? Erhalten Sie frühmorgens die relevantesten Branchennews in kompakter Form.

Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Jan-Jesse Müller
25.03.2022 14:57 Uhr
SVP Vertreter wie Aeschi teilen mit dem Zweihänder aus und reagieren wie Mimosen, wenn Brotz sagt, was Sache ist. Lächerlich.
Sam Huber
24.03.2022 12:06 Uhr
@Karin Otter: Fragen wären in der Tat gut. Aber Fragen beendet man mit einem Heben der Stimme, nicht mit einem dem Gegenüber explizit an den Kopf geworfenen "Punkt, Ausrufezeichen". Wir sollten schon bei der Realität bleiben.
Markus Wunderlin
23.03.2022 18:05 Uhr
Brotz ist für das Schweizer Fernsehen untragbar und verschwendet Gelder in Form von Sendeminuten die einer anständigen Diskussion nicht würdig sind. SRF würde gut tun sich von Brotz zu trennen.
Alice Nägeli
23.03.2022 16:26 Uhr
Die Aeusserung von Herrn Aeschi war sicherlich ungeschickt formuliert. Herr Brotz, als Moderator, kann das sicherlich in einem Satz festhalten. Aber, bitte, den Rest sollte er den Juristen überlassen. Gerne würde ich die geflüchteten Ukrainer fragen, -denn um diese ging es ja-, was sie schlimmer fanden : die Aussage von Herrn Aeschi oder die Entgleisung von Herrn Brotz. Vielleicht würde es sich zeigen, dass sie es schätzen, dass Politiker zur Sprache bringen, dass junge Ukrainerinnen Zuhältern und Kriminellen leicht zu Opfer fallen können.
Alice Nägeli
23.03.2022 16:11 Uhr
Herr Sandro Brotz,... das ist kein Moderator, ich war sprachlos, das war heftig. Heftig daneben ! Herr Brotz benutzt die "ARENA", als seine persönliche Bühne, um sich und um seine Animositäten zu präsentieren. Er ist aber als Moderator eingestellt, um seine Gäste sprechen zu lassen, und nicht um sie zu massregeln und Unterstellungen zu machen. Völlig falsch abgebogen, ... Karambolage. Er ist absolut unprofessionell. Eine Anti Aggressionstherapie wäre sinnvoll, da hat ihm wohl sein Zorn den Blick getrübt. Seine unfaire Art zu moderieren ruft in mir etwas vor, was mich so wütend macht. Ich werde die Sendungen mit Herrn Brotz nicht mehr schauen.
Karin Otter
23.03.2022 13:38 Uhr
Man hat es im Nationalrat versäumt, Herrn Aeschi für seine Rede in die Schranken zu weisen. In der "Arena* wurde er dafür von Herrn Brotz zur Rede gestellt, was die Nationalpräsidentin leider verpasst hat. Was ist daran verwerflich? Herr Brotz macht einen guten Job. Er muss in der "Arena" auch kritische Fragen stellen können.
Fredy Zurkirchen
22.03.2022 23:14 Uhr
Grüne und nun auch SVP boykottieren die Arena. Bedeutet, dass fast 40% der politischen Meinung nicht mehr in der Politsendung vertreten sind. Macht mich traurig. Für mich ein Grund, die Sendung nicht mehr zu schauen.
Oliver Kamer
22.03.2022 22:56 Uhr
"Brotz wird für Aeschi-Kreuzverhör kritisiert"? Stimmt so nicht. Einige Exponenten von der rechten Seite sind beleidigt, dass eine rassistische Aussage als Rassistisch bezeichnet wurde. Ende!
Adrian Venetz
22.03.2022 16:38 Uhr
Brotz schreibt: "Haltung hat mit Meinung nichts zu tun." Schön, dass der Erleuchtete die Unwissenden nun auch noch lexikalisch-semantisch belehrt.
Kommentarfunktion wurde geschlossen

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.

Neue Podcast-Folge: Jetzt reinhören