25.03.2019

CH Media

Bundeshaus-Journalistin Eva Novak muss gehen

Aus Spargründen hat Eva Novak letzte Woche die Kündigung erhalten. Sie sei im Vergleich mit anderen «alt und teuer». Trotzdem ist die 60-Jährige zuversichtlich, dass sie eine neue Stelle finden wird, wohl «aber ausserhalb des Journalismus».
von Edith Hollenstein

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Eva Novak als Journalistin. 19 Jahre lang war sie als Bundeshauskorrespondentin für Zentralschweizer und später auch Ostschweizer Medien tätig, für die «Neue Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben, später zusätzlich für die «Zentralschweiz am Sonntag» und die «Ostschweiz am Sonntag».

Nun muss sie per Ende Juni gehen. Als eine von der Schliessung betroffenen Redaktorinnen und Redaktoren musste sie am Dienstag die Kündigung entgegennehmen. «Mir tut das leid, und es ist schade», sagt Novak auf Anfrage von persoenlich.com. Sie hätte ursprünglich für sich selbst beschlossen gehabt, dass sie bis zum Schluss ihres Arbeitslebens als Journalistin hätte arbeiten wollen. Das sei nun wahrscheinlich nicht möglich, so Novak. Die 60-Jährige ist zuversichtlich, dass sie trotz Nähe zum Pensionsalter eine neue Beschäftigung oder Stelle finden wird. «Wohl aber ausserhalb des Journalismus», so Novak.

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Angesichts der angespannten Situation in der Branche und nach dem Zusammenschluss der AZ und NZZ-Regionalmedien habe sich ein solcher Schritt abgezeichnet, sagt Novak. Sie hätte gehofft, dass sie allenfalls in der Zentralredaktion von CH Media eine Arbeitsstelle erhalten hätte. Doch das sei wohl deshalb nicht so, weil sie «alt und teuer» sei, sagt die Bernerin gegenüber persoenlich.com.

Erste Frau an der Spitze des VBJ

Nun will sie als erstes über die Bücher und einen «Lebensplan B» entwickeln. Bereits angefangene, sich über mehrere Jahre erstreckende Recherchen, wird sie weiterverfolgen und die Texte dann als freie Journalistin den Verlagen anbieten. Novak, die zu denjenigen gehört, für die «Journalist kein Beruf, sondern eine Leidenschaft» ist, war bei der Nachrichtenagentur AP in den Journalismus eingestiegen. Anschliessend arbeitete sie als Freie, beim «Bund», beim Schweizer Fernsehen und bei RTL/Pro7 Schweiz.

Seit 2010 ist sie zudem Präsidentin der Vereinigung der Bundeshausjournalisten (VBJ). Novak, die als erste Frau in diese Funktion gewählt wurde, wird nun voraussichtlich das Präsidium abgeben, denn ab Sommer sei sie ja jetzt wohl keine Bundeshausjournalistin mehr. Die VBJ vertritt die Interessen der im Bundeshaus akkreditierten Journalistinnen und Journalisten. 

 



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Kommentare

  • Balz Bruppacher, 25.03.2019 18:16 Uhr
    Stillos und schäbig!
  • Alex Höchli, 25.03.2019 23:14 Uhr
    Eine engagierte Bundeshaus-Journalistin wird fehlen. Schade und ärgerlich! Toi toi toi für die weiteren Herausforderungen.
  • Barbara Federer, 26.03.2019 09:43 Uhr
    Dem Kommentar von Balz Bruppacher ist nichts mehr anzufügen.
  • Arthur Meyer, 26.03.2019 11:04 Uhr
    "Alt und teuer" - wo bleibt die Solidarität der Kollegen?
  • Martin Furrer, 26.03.2019 14:11 Uhr
    Drücke Dir den Daumen!
  • Daniel Reist, 26.03.2019 14:49 Uhr
    Danke für die langjährige faire und professionelle Zusammenarbeit! Alles Gute!
  • Peter Keller, 27.03.2019 09:51 Uhr
    Traurig aber wahr, gegen das Ende eines intesiven und engagierten Berufslebens, wird man entsorgt.
  • Robert Weingart , 27.03.2019 16:45 Uhr
    Bedenklich. Da wird eine 60-jährige, gestandene Journalistin wenige Jahre vor der Pensionierung entlassen. Aber irgendwie klar, dass es nicht die Wanner-Tochter traf, da zählt die DNA wohl mehr als die Kompetenz und der Sozialgedanke. Das grosse „Massaker“ im Mantel folgt vermutlich noch. Schade, wenn die guten LZ-Leute dabei womöglich den Kürzeren ziehen.
  • Erich Rava, 29.03.2019 14:21 Uhr
    @Arthur Meyer, 26.03.2019 11:04 Uhr "Alt und teuer" - wo bleibt die Solidarität der Kollegen? Auf Solidarität im Berufsleben - und in den schreibender Zunft wohl ebenso - kannst lange hoffen - eher bangen, denn diese steht nur auf dem Papier... Alles Gute Eva...
  • Markus köchli, 29.03.2019 15:22 Uhr
    Schade für die Leserinnen und Leser, schade für den Journalismus, schade um eine kompetente Berufskollegin. Aber in Luzern und in Aarau schwafelt die Führungsriege – wie etwa bei der Ankündigung der Schliessung der LZ-Sonntagsausgabe –lieber unverfroren vom Aufrechterhalten, ja gar Ausbau des Qualitätsjournalismus. Von wegen: Der "Ärger des Tages" ist bei der LZ leider längst zum Standardprogramm geworden. Insbesondere auf dem elektronischen Kanal. Weist man sachlich auf Fehler hin und die Tatsache, dass beispielsweise bei einem Bericht zumindest die Gemeinde genannt sein müsste, wo sich der Sachverhalt abgespielt hatte (offenbar weiss man heute nicht mehr, was ein Lead ist), wird an der Maihofstrasse nicht reagiert und von einer Korrektur will man schon gar nichts wissen. Offen gesagt: Willig und billig muss die heutige Journalistengeneration sein. Kompetenz ist nicht mehr nötig, auch auf lokale Kenntnisse kann verzichtet werden. Deshalb fällt es dem CH-Medien-Management leicht, eine verdiente Journalistin kurzerhand in die Wüste zu schicken. Das ist nichts anderes als unanständig. Da passt nur ein Wort: Pfui!

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