19.03.2019

CH Media

Beide Sonntagszeitungen werden eingestellt

«Zentralschweiz am Sonntag» und «Ostschweiz am Sonntag» sind am Ende: Das Unternehmen CH Media zieht sich vollständig aus dem Sonntagsmarkt zurück. Es kommt zu einem Stellenabbau.
CH Media: Beide Sonntagszeitungen werden eingestellt
Ab Sommer 2019 wird ihr Platz im Zeitungsständer am Kiosk frei: Die «Zentralschweiz am Sonntag». (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Nachdem vor zwei Jahren die Printausgabe der «Ostschweiz am Sonntag» eingestellt wurde, vollzieht CH Media diesen Schritt auch in der Zentralschweiz: Ende Juni erscheint die «Zentralschweiz am Sonntag» zum letzten Mal, ebenso das E-Paper der «Ostschweiz am Sonntag». Wie CH Media in ihrer Mitteilung schreibt, werden künftig die Abonnenten in der Ost- und Zentralschweiz «bereits am Samstag mit Nachrichten, Analysen, Hintergründen und Lesestoff für das gesamte Wochenende versorgt». Die regionalisierten Ausgaben der «Schweiz am Wochenende» würden damit unter dem Dach von CH Media zur mit Abstand grössten Wochenend-Zeitung der Schweiz. CH Media will die Abonnenten von «Zentralschweiz am Sonntag» und «Ostschweiz am Sonntag» für die entgangenen Ausgaben mit einer «adäquaten Verlängerung des 6-Tage-Abonnements entschädigen».

Grund für die Einstellung der «Zentralschweiz am Sonntag» und der «Ostschweiz am Sonntag» seien die stark rückläufigen Einnahmen am Inseratemarkt. CH Media, das seit dem 1. Oktober 2018 bestehende Joint Venture von AZ Medien und NZZ Regionalmedien, hat bereits am 15. November 2018 bekanntgegeben, in den nächsten 24 Monaten 45 Millionen – 10 Prozent der Kosten – einzusparen und 200 Vollzeitstellen abzubauen (persoenlich.com berichtete). In den Redaktionen in der Ost- und Zentralschweiz kommt es aufgrund des Schliessungsentscheides zu einem Stellenabbau von rund 10 Vollzeitstellen. Der Sozialplan komme zur Anwendung.

400 Zeitungsverträger bangen um Job

Die Gewerkschaft Syndicom erinnert in einer Mitteilung daran, dass zusätzlich «gut 400 Zeitungsverträgerinnen und Zeitungsverträger um ihre Existenz bangen müssen». Von so vielen
Mitarbeitenden würden die «Zentralschweiz am Sonntag» frühmorgens in die Briefkästen verteilt. Laut Syndicom hat die Frühzustellorganisation Presto, welche vom Verlag dafür beauftragt ist, gegenüber ihrem Personal die Massenentlassung angekündigt und das Konsultationsverfahren eröffnet.

Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik CH Media, bedauert die Einstellung von «Zentralschweiz am Sonntag» und «Ostschweiz am Sonntag»: «Es tut einem als Journalist immer weh, ein Produkt einzustellen und Redaktionen zu verkleinern», sagt er. «Klar ist aber, dass man sich als Medienunternehmen nicht gegen den Markt stellen kann. Und die Frage, wann eine Zeitung erscheint, ist im digitalen Zeitalter ohnehin eine nachgelagerte. Entscheidend ist vielmehr, dass wir weiterhin ausgezeichneten Journalismus in den Regionen und auf nationaler Ebene betreiben können. Dies ist auch nach diesem Entscheid gegeben», sagt Hollenstein.

Gefragt nach den grössten Recherchen der beiden Zeitungen sagt Hollenstein gegenüber persoenlich.com: «Die beiden Blätter hatten immer wieder Primeurs, die zu reden gaben und sie haben Preise gewonnen. Am Ende ist es aber nicht das, was zählt. Sondern die Konstanz, Hartnäckigkeit und – ja, auch das – die Heiterkeit, mit der Blätter ihre Leserinnen und Leser jeden Sonntag begleitet haben». Auch wenn es unvermeidlich und richtig sei: «Der Abschied fällt schwer.»

Zum betriebswirtschaftlichen äussert sich Jürg Weber, Geschäftsleiter Publishing CH Media: «Der Inseratemarkt trägt heute leider keine Sonntagsausgaben von Regionalzeitungen mehr», sagt er. Schweren Herzens habe man deshalb das Ende der Sonntagszeitungen beschliessen müssen. Jedoch biete die regionalisierte «Schweiz am Wochenende» für die Abonnenten eine sehr gute Alternative. Die Zeitung liefere nun bereits am Samstag die gewohnt vertiefenden Hintergrundberichte und Geschichten.

 Abopreise werden steigen

«Die ausgedehnte ‹Schweiz am Wochenende› eröffnet als schweizweit auflagenstärkste Zeitung am Wochenende der Werbewirtschaft neue Chancen und eine attraktive Alternative zu den bestehenden reinen Sonntagszeitungen», gibt sich Dietrich Berg, Geschäftsleiter Publishing CH Media, überzeugt. Die Zeitung biete ein hervorragendes Umfeld und eine Verbreitung vom Gotthard bis zum Bodensee und vom Engadin bis nach Basel. Ideale Voraussetzungen also für Kampagnen in der ganzen Deutschschweiz.

CH Media geht davon aus, dass die Abonnementspreise in Zukunft steigen werden. Die sinkenden Werbeerträge zwängen das Medienunternehmen, sich noch stärker auf die Erträge aus dem Lesermarkt abzustützen, damit demokratierelevanter Journalismus in der Deutschschweiz weiterhin finanziert werden könne. (pd/eh)



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