In der Basler Medienlandschaft ist ein Konflikt zwischen zwei Chefredaktoren entbrannt. Patrick Marcolli von der bz Basel wirft seinem Kollegen Marcel Rohr von der Basler Zeitung vor, in einem Kommentar zum Ausländeranteil in Basel fremdenfeindliche Töne anzuschlagen.
Rohrs Kommentar trägt den Titel «Zuwanderung in Basel: Die Schmerzgrenze ist erreicht» und behandelt den Rekord-Ausländeranteil von 39 Prozent in Basel. Auslöser für das Elaborat sei eine «verunglückte Medienmitteilung des Statistischen Amts» gewesen, schreibt Marcolli. Verunglückt deshalb, weil der rekordhohe Ausländeranteil von 39 Prozent als «der höchste Wert seit 55 Jahren» bezeichnet wurde.
«Die Art und Weise aber, wie das geschehen ist, kann jedoch nicht unwidersprochen bleiben», kritisiert Marcolli in einem Leitartikel vom Freitag. «Auf einer halben Seite reiht der BaZ-Chefredaktor ein xenophobes Stereotyp ans nächste.» Marcolli zitiert aus Rohrs Text: Er spreche von einer «Explosion der ausländischen Wohnbevölkerung» und finde sich «umzingelt von Grenzgängern». Es wirke befremdlich, wenn «mehrheitlich nur noch Hochdeutsch gesprochen» wird. In solchen Momenten werde «selbst der besonnenste Schweizer zum kleinen Rassisten im Alltag».
Besonders kritisiert Marcolli Rohrs Aussage: «Ausländer haben hier viel zu gewinnen, Einheimische viel zu verlieren: ihre Identität, ihren Wohnraum, ihren Job, ihre Sicherheit, ihre Kultur.» «Das ist ein starkes Stück und von den Parolen des ‹ultrarechten politischen Flügels›, welchen der Autor laut eigener Aussage bekämpfen will, kaum zu unterscheiden», schreibt Marcolli.
Mit einem pointierten Schlusssatz schliesst Marcolli: «Die Schmerzgrenze, wie es im Titel heisst, ist tatsächlich erreicht. Publizistisch.» (cbe)
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01.09.2025 12:07 Uhr

