23.07.2019

Reporter ohne Grenzen

Christian Constantin soll «Le Nouvelliste»-Boykott beenden

Der FC-Sion-Chef hat laut Reporter ohne Grenzen eine veraltete Vorstellung über die Beziehung zu Medien.
Reporter ohne Grenzen: Christian Constantin soll «Le Nouvelliste»-Boykott beenden
Als Bedingung für das Ende des Boykotts forderte Christian Constantin wöchentlich eine kostenlose Seite für den Club in der Tageszeitung «Le Nouvelliste». (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Beim Start der Meisterschaft der Fussball-Super-League hat die Walliser Tageszeitung «Le Nouvelliste» bekanntgegeben, dass sie weiterhin vom FC Sion boykottiert wird. Verhandlungen mit Christian Constantin zur Wiederherstellung einer normalen Situation und zur Beendigung der im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Massnahmen seien gescheitert, wie die Organisation Reporter Ohne Grenzen (ROG) in einer Mitteilung schreibt.

Deshalb hätten die «Nouvelliste»-Journalisten weiterhin keinen Zugang zur Pressetribüne im Tourbillon-Stadion in Sion und zu den Medienkonferenzen nach den Spielen des FC Sion. Darüber hinaus sei es den Spielern und allen Vereinsvertretern untersagt, mit der Redaktion der Zeitung in Kontakt zu treten.

Als Bedingung für die Aufhebung des Boykotts habe Christian Constantin gefordert, dass «Le Nouvelliste» dem FC Sion jeden Freitag im Jahr eine ganze Seite kostenlos zur Verfügung stellt, die dann von der Kommunikationsabteilung des Clubs gefüllt wird. An dieser Forderung seien die Gespräche zwischen «Nouvelliste» und FC Sion gescheitert. Die Zeitung habe dieses empörende Angebot nicht annehmen können, das im Gegensatz zu den Grundlagen der journalistischen Unabhängigkeit stehe und den Leserschaft und Publikum geschuldeten Respekt mit Füssen trete.

Beunruhigt über Forderungen

ROG Schweiz begrüsse die Entschlossenheit des «Nouvelliste» und sei beunruhigt darüber, dass der Betreiber eines Sportvereins solche Forderungen stellt. Die Organsation fordere Christian Constantin auf, sich dessen bewusst zu werden, «auf den Boden der Vernunft zurückzukehren und unverzüglich seine völlig veralteten Vorstellungen über die Beziehungen zu Medien aufzugeben».

Ein lokaler Akteur vom Gewicht eines FC Sion sollte seine beherrschende Stellung nicht ungestraft missbrauchen können. ROG Schweiz unterstütze daher die Absicht des «Nouvelliste», Schritte bei den zuständigen Sportbehörden zu unternehmen, und fordere diese auf, durch die Schaffung eines Präzedenzfalls, die notwendigen Massnahmen zu ergreifen, um die Respektierung der Informationsfreiheit durchzusetzen.

Auch der Berufsverband Impressum und die Gewerkschaft Syndicom veröffentlichten eine Stellungnahme zum Fall Constantin gegen «Le Nouvelliste». Laut der Mitteilung von Impressum prüfe der Verband ebenfalls rechtliche Schritte. (pd/log)



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