Die Rücktrittsankündigung von Fifa-Präsident Joseph Blatter hat die Gäste der SRF-Diskussionssendung «Club» am späten Dienstagabend zu Spekulationen über die Gründe für den Abgang angeregt. Ganz freiwillig dürfte der Entscheid nicht erfolgt sein, lautete der Tenor.
Eingeladen in den Club waren der Journalist, Autor und Korruptionsexperte Jens Weinreich, der Zürcher SP-Nationalrat und Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch, der St. Galler SVP-Nationalrat und Sportmanager Roland Büchel sowie Ex-Fifa-Direktor Guido Tognoni. Seine Teilnahme abgesagt hatte Fifa-Kommunikationsdirektor Walter de Gregorio.
Ursprünglich lautete der «Club»-Titel «Blatter, seine Fifa und die Korruption». Nach Blatters Rücktrittsankündigung vom Dienstagabend standen dieser und die Zukunft der Fifa im Zentrum.
Freiwilliger oder unfreiwilliger Rücktritt?
Die Gesprächsrunde unter der Leitung von Karin Frei beschäftigte sich vor allem mit der Frage, ob Blatters Rücktritt freiwillig erfolgt. Der überstürzte Abgang gebe ihm «sehr zu denken», sagte Guido Tognoni. Er vermute, aus den USA sei ein Hinweis eingegangen, dass auch gegen Blatter ermittelt wird. In US-Medien war gar vom FBI die Rede.
Weinreich zeigte sich überzeugt davon, dass auf die Fifa und Blatter «ein Tsunami zurollt». Es werde interessant sein, was Leute unter Druck aussagen würden. Und dieser Druck aus den USA werde «riesengross», sagte Jositsch. Das habe man ja bei den Banken gesehen.
Ob und wie Blatter die ihm verbleibende Amtszeit noch nutzen kann, wurde unterschiedlich beurteilt. Roland Büchel lässt sich durchaus auch «positiv überraschen». Blatter könnte nun unbelastet Veränderungen in die Wege leiten und die Korruption bekämpfen, sagte Büchel.
«Organisation zerschlagen»
Tognoni hingegen hält es für unabdingbar, dass die Organisation zerschlagen wird. Danach sollte deren Rechtsform verändert werden. Die Fifa als Verein sei völlig unzeitgemäss.
Gemäss Jositsch könnte sich die Fifa als Mischkonzern organisieren. Der kommerzielle Teil soll in eine AG zusammengefasst werden, der karitative in eine Stiftung, schlug der Strafrechtsprofessor vor. Welche Struktur auch immer gewählt werde, um Korruption zu vermeiden brauche es Transparenz, Kontrolle und
stimmige Überwachungsmechanismen.
Einige Erkenntnisse aus der Talkrunde sind zum Beispiel auch auf tagesanzeiger.ch zu lesen. (sda)

