18.10.2015

Tages-Anzeiger

CS-Präsident prangert Tamedia-Chef an

Urs Rohner zeigt sich in Blattkritik erstaunt über renditeorientierte Unternehmensführung.
Tages-Anzeiger: CS-Präsident prangert Tamedia-Chef an

Beim "Tages-Anzeiger" wird – wie bei vielen Medien üblich – regelmässig ein externer Gast eingeladen um Blattkritik zu üben.

Zur Blattkritik vom 18. September wurde Credit-Suisse-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner eingeladen. Dieser holte scheinbar zu grundsätzlicher Kritik aus, wie "Schweiz am Sonntag"-Recherchen zeigen.

Er sei erstaunt, dass der Tamedia-Verwaltungsrat den "Tages-Anzeiger" wie ein Renditeobjekt geführt haben wolle und der Konzern die Zeitung "nach gewöhnlichen Renditekriterien beurteilt".

Eine derart "enge Sicht", so steht es im internen Protokoll seiner Blattkritik, "verbietet" sich seiner Ansicht nach. Der "Tages-Anzeiger" sei "das Flaggschiff des Konzerns" und eine Zeitung "auch ein ideelles Projekt".

Intern wird Kritik totgeschwiegen

Rohner weiter: "Ohne den Tages-Anzeiger würde der Konzern für nichts mehr stehen". Nicht protokolliert, aber überliefert zielte Rohner mit seiner Kritik konkret auf die bevorstehende Zusammenlegung der Chefredaktion von "Tages-Anzeiger" und "SonntagsZeitung" – die wie alles bei Tamedia dem Sparen dienen soll, wie die "Schweiz am Sonntag" weiter schreibt.

Auf Anfrage will "Tages-Anzeiger"-Chef Res Strehle die Blattkritik von Rohner, die dem Vernehmen nach bei der Redaktion ausgesprochen gut ankam, im Haus aber weitgehend totgeschwiegen wird, nicht kommentieren: "Ich bin der Meinung, dass solche Blattkritiken off-the-record geführt werden müssen, damit offen geredet wird und werde mich deshalb hüten, etwas wiederzugeben oder zu kommentieren, was in einer solchen Runde gesagt wird." (pd)

Bild: Keystone

 


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