09.07.2021

Schaffhauser AZ

«Darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben»

Nach 22 Jahren wird Bernhard Ott per 1. Januar 2022 die Leitung des AZ Verlags, der die Schaffhauser AZ herausgibt, in jüngere Hände übergeben. Ein Gespräch über die Arbeiterzeitung, die «Palastrevolution» und seine Zukunftspläne.
Schaffhauser AZ: «Darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben»
Die Schaffhauser AZ wird sich bald von einer Persönlichkeit verabschieden, die die Geschichte des Unternehmens und der Zeitung geprägt hat wie kaum eine zweite: Bernhard Ott übergibt die Verlagsleitung per 2022 nach 22 Jahren an Mattias Greuter. (Bild: Peter Pfister)
von Matthias Ackeret

Herr Ott, Sie standen 22 Jahre an der Spitze der Schaffhauser AZ, der letzten Arbeiterzeitung überhaupt. Warum hat ausgerechnet die Schaffhauser AZ überlebt?
Aufgrund verschiedener glücklicher Umstände. Da ist zum einen das dominante Medienunternehmen der «Schaffhauser Nachrichten», das uns mit seiner dezidiert rechtbürgerlichen Haltung Raum für eine klare Alternative lässt. Dann gab und gibt es einen grossen Kreis von Gönnerinnen und Gönnern, der uns mit zum Teil erklecklichen Beiträgen nicht nur am Leben erhalten, sondern auch den Ausbau unseres journalistischen Angebots ermöglicht hat.

Sie erwähnen es: Schaffhausen wird ja vor allem von den Schaffhauser Nachrichten dominiert. Sehen Sie sich als Wochenblatt als publizistische Konkurrenz oder als Ergänzung?
Eher als publizistische Konkurrenz. Wir greifen Themen auf, die die SN ignorieren oder aus welchen Rücksichtnahmen auch immer unter den Tisch fallen lassen. Wir haben als Wochenzeitung allerdings auch die grössere Narrenfreiheit als die SN, die vielen Ansprüchen genügen müssen.

«Wir konnten seit 2016 die Zahl unserer Abos um 35 Prozent steigern»

Wie steht die Schaffhauser AZ heute da?
Weit besser als vor fünf Jahren. Wir konnten seit 2016 die Zahl unserer Abos um 35 Prozent steigern und gleichzeitig den Inserateumsatz stabilisieren. Selbsttragend ist die AZ aber nicht und wird sie wohl auch nie sein. Wir werden auch künftig auf die Spenden unserer Fangemeinde angewiesen sein.

Sie haben vor einigen Jahren einen Konzeptwechsel gemacht und verstehen sich nicht mehr als klassisches Parteiblatt. Wie wurde dies innerhalb der SP aufgenommen?
Natürlich nicht nur mit Begeisterung, aber der grösste Teil der SP-Exponenten in den diversen Gremien wie auch der Mitglieder sieht ein, dass ein Parteiblatt, das lediglich als Lautsprecher der Partei operiert, keine Zukunft hat.

Sie haben praktisch Ihr gesamtes Berufsleben bei der AZ verbracht. Hatten Sie nie Interesse, Ihre Karriere ausserhalb von Schaffhausen weiterzuführen?
Nicht ausserhalb Schaffhausens, aber als Rückkehrer in meinen eigentlichen Beruf. Ich bin Historiker und habe von 1995 bis 2000 an der dreibändigen Schaffhauser Kantonsgeschichte mitgearbeitet. Als Hans-Jürg Fehr, der damalige Verlagsleiter der Schaffhauser AZ, 1999 in den Nationalrat gewählt wurde, blieb mir nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beissen und als Verlagsleiter zur AZ zurückzukehren.

«Entweder mit uns oder ohne uns»

Sie hatten 1986 nach einer «Palastrevolution» die Führung der Zeitung übernommen. Was war genau passiert?
Die AZ gehörte damals der Unionsdruckerei. An der Spitze des Unternehmens standen Leute, die die Zeitung mehr oder weniger an der ausgestreckten Hand verhungern liessen. In ihren Augen war sie nur ein lästiger Unkostenfaktor. Als es der Unionsdruckerei 1986 schlecht ging, präsentierte die Redaktion, unter anderen Hans-Jürg Fehr und ich, ein umfassendes Sanierungskonzept und stellten auch die Machtfrage: entweder mit uns oder ohne uns, worauf der Verwaltungsrat uns den Auftrag gab, dieses Konzept zu realisieren. Es bedeutete im Wesentlichen, dass umfassend investiert wurde, nicht zuletzt in die AZ. 

Wenn Sie zurückschauen, was waren die Höhe- und auch Tiefpunkte Ihrer Berufskarriere?
Darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben. Ein Höhepunkt war die Aufbruchstimmung ab 1986 nach der sogenannten «Palastrevolution», der Tiefpunkt unser Absturz Mitte der Neunzigerjahre, als die Unionsdruckerei und damit die AZ nach mehreren wirtschaftlichen Krisenjahren praktisch konkurs war und saniert werden musste.

Welche Pläne hegen Sie für die Zeit nach der AZ?
Ich bin Hauptaktionär der UD Immobilien AG. Sie ist die Vermieterin der AZ. Im Moment konkretisieren wir ein grösseres Umbauprojekt, das mich in den nächsten Monaten auf Trab halten wird.



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