26.02.2025

NZZ

«Das Feuilleton soll etwas dynamischer werden»

Der SonntagsZeitung-Textchef Rico Bandle geht zur NZZ, wo er die Leitung des Feuilletons übernimmt. Im Interview erklärt er, was ihn zum Medienhauswechsel motiviert hat und was er im neuen Ressort vorhat.
NZZ: «Das Feuilleton soll etwas dynamischer werden»
Er will trotz Führungsfunktion weiterhin schreiben: Rico Bandle, der im Mai Feuilletonchef bei der NZZ wird. (Bild: zVg)

Rico Bandle, Sie werden im Mai neuer Feuilletonchef der NZZ. Dies ist einer der prestigeträchtigsten Jobs im Journalismus überhaupt. Wie kam es zu diesem Wechsel?
Die NZZ kam auf mich zu, nachdem Benedict Neffs interner Wechsel bekannt geworden war. Für mich war klar: Diese Chance gibt es womöglich nur einmal, Martin Meyer leitete das NZZ-Feuilleton 24 Jahre lang.

Hat dies auch mit der Neupositionierung der SonntagsZeitung, wo Sie zuletzt tätig waren, zu tun?
Nein, aber das macht den Abgang bedeutend leichter. Im Zuge der Neuorganisation von Tamedia hat man die gut funktionierende Redaktion der SonntagsZeitung aufgelöst und mit der Tamedia-Mantelredaktion verschmolzen. Gestern habe ich mich am Nachmittag bei der NZZ-Feuilleton-Redaktion vorgestellt, danach ging ich direkt zum Abschlussessen der alten SonntagsZeitungs-Redaktion. Der Wechsel passt zeitlich perfekt, aber das ist nur Zufall. 

«Mein Lebensweg ist ja nicht unbedingt typisch für das NZZ-Feuilleton»

Wie hat die NZZ-Feuilletonredaktion auf Sie reagiert?
Sehr wohlwollend, zumindest hatte ich dieses Gefühl. Das ist nicht selbstverständlich. Mein Lebensweg ist ja nicht unbedingt typisch für das NZZ-Feuilleton: Ein ehemaliger Zirkuskünstler, der auch schon beim Blick gearbeitet hat. Ich war ziemlich aufgeregt, vor all die Journalisten zu treten, die ich seit vielen Jahren lese und vor denen ich grossen Respekt habe. Aber das hat sich dann rasch gelegt.

Sie waren früher schon einmal Feuilletonchef bei der Weltwoche. Was wird sich ändern?
Das NZZ-Feuilleton ist bereits hervorragend aufgestellt, es gibt also keinen Grund für radikale Änderungen. Aber es soll etwas dynamischer werden. Anspruch muss vor allem sein, die klügsten und interessantesten Köpfe der Gegenwart zu Wort kommen zu lassen, sei es mit eigenen Beiträgen oder indem man sie interviewt. Und dass man bei den wichtigen Debatten des Zeitgeschehens dabei ist. Auch die klassische Kulturberichterstattung wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

«Einen reinen Verwaltungsjob hätte ich nicht angenommen»

Sie haben nun eine Führungsfunktion. Werden Sie in Ihrer neuen Tätigkeit noch zum Schreiben kommen?
Natürlich. Vielleicht nicht mehr so viel wie bisher, aber einen reinen Verwaltungsjob hätte ich nicht angenommen.

Wie schätzen Sie den momentanen Stellenwert des Feuilletons der NZZ ein?
In den letzten zwanzig bis dreissig Jahren fand ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel statt: Klassische Bildung und Kultur haben stark an Wert verloren, Intellektuelle werden nicht mehr automatisch als Autoritäten wahrgenommen, entsprechend hat sich auch der Status des Feuilletons verändert. Die meisten jungen Leute – damit meine ich unter 40-Jährige – wissen wahrscheinlich gar nicht mehr, was ein Feuilleton überhaupt ist. Ich finde diese Entwicklung nicht nur schlecht. Das Feuilleton muss sich nun wie jedes andere Ressort durch möglichst interessante, relevante und originelle Beiträge beweisen und kann sich nicht mehr einfach auf Status und Prestige abstützen.

Zuletzt haben Sie ein vielzitiertes Interview mit Altbundesrätin Micheline Calmy-Rey für die SonntagsZeitung durchgeführt. Haben Sie für Ihren baldigen Abschied bei Tamedia noch etwas Spektakuläres im Köcher?
Ich bin noch einen Monat bei Tamedia, da wird bestimmt noch einiges kommen.


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KOMMENTARE

Giorgio Girardet
28.02.2025 17:11 Uhr
Gratuliere Rico Bandle zu diesem Karriereschritt. Er ist immer durch originelle Themen aufgefallen, ist ein Selbstdenker jenseits des Rudels. In jener Sonntagszeitung (ich las sie zufällig in einem Restaurant) fiel mir auch das Interview von Bettina Weber mit Frank Urbanjok positiv auf. Auch hier die richtige Person befragt zum richtigen Anlass. Ich werde das NZZ-Feuilleton im Auge behalten. Ja, es ist nicht mehr jene kulturelle Pflichtlektüre, welche die Taufpatin vom Zürichberg fürs Gottikind stapelweise hortet. On verà.
Peter Eberhard
27.02.2025 11:29 Uhr
Was für ein inhaltlich nichtssagendes Interview! Dynamischer werden? Und was soll dieser Satz: "...muss sich nun wie jedes andere Ressort durch möglichst interessante, relevante und originelle Beiträge beweisen und kann sich nicht mehr einfach auf Status und Prestige abstützen". Also bisher nur Status und Prestige, aber keine Relevanz? Also hallo. Bin ja gespannt.
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