20.08.2015

Tamedia

Das Medienhaus spürt den Inserateschwund

Tamedia präsentiert für das erste Halbjahr 2015 einen Umsatzrückgang von 3,8 Prozent.
Tamedia: Das Medienhaus spürt den Inserateschwund
Schwindende Inserateeinnahmen haben die Umsätze des Medienkonzerns Tamedia in der ersten Jahreshälfte nach unten gedrückt. Auch die Erlöse aus dem stark an Bedeutung gewinnenden Digitalgeschäft haben die Einbussen nicht wieder wettmachen können.
 
Zu schaffen machte Tamedia insbesondere, dass zusätzlich zum durch den Strukturwandel bedingten Rückgang der Inserateeinnahmen auch noch konjunkturelle Effekte das Werbegeschäft trübten. An einer Telefonkonferenz illustrierte Tamedia-Chef Christoph Tonini dies mit den besonderes hohen Einnahmerückgängen, die sich mit etwas Verzögerung zum Frankenschock in den Monaten April und Mai einstellten.
 
Erlös auf Verkäufen
 
Insgesamt verzeichnete der Medienkonzern mit 530,7 Millionen Franken einen um 3,8 Prozent tieferen Halbjahresumsatz als noch 2014. Mit den Erlösen ging auch der Betriebsgewinn (EBIT) zurück, und zwar um 5,2 Prozent auf 72,4 Millionen Franken.
 
Unter dem Strich blieben mit 71,6 Millionen Franken zwar über 20 Prozent mehr übrig als vor Jahresfrist. Diese Gewinnzunahme ist aber insbesondere auf Gewinne aus dem Verkauf der Beteiligung am Westschweizer Kioskbetreiber Naville und des "Winterthurer Stadtanzeigers" zurückzuführen, wie aus der Medienmitteilung hervorgeht.
 
Am stärksten zu spüren bekam Tamedia den Inserateschwund bei den Bezahlzeitungen (Sparte Publizistik Regional). Dort ging der Umsatz um 7,3 Prozent zurück, der Spartengewinn sank Abschreibungen mitgerechnet um 12,8 Prozent. Etwas Luft erhält das Geschäftsfeld inskünftig allenfalls durch die Übernahmen von weiteren Druckaufträgen - seit kurzem wird etwa die "Neue Zürcher Zeitung" bei Tamedia gedruckt - sowie dank steigendem Werbevolumen und Bezahlschranken wachsenden Einnahmen der Onlineseiten.
 
Einen Umsatzrückgang von 5,8 Prozent aufgrund des rückläufigen Werbemarktes vermeldet Tamedia aber auch aus ihrer Sparte Publizistik National, in der sie die Pendlerzeitungen und deren Webseiten sowie die Zeitschriften und Wochenzeitungen zusammenfasst. Geschuldet sei dieser Rückgang hauptsächlich dem rückläufigen Werbemarkt für Zeitschriften und der Sonntagspresse, hiess es am Donnerstag dazu. Ebenfalls rückläufig war auch das Ergebnis dieser Sparte.
 
Gewinn aus Digitalgeschäft
 
Aufwärts ging es beim Zürcher Medienkonzern einzig im Digitalgeschäft, jenen Angeboten also, die rein kommerziell ausgerichtet sind und ohne publizistische Inhalte auskommen. Mit dem Immobilienportal Homegate, dem Internetfernsehen Zattoo, dem Billettverkäufer Starticket sowie einem Dutzend weiterer Onlineangebote wurden in der ersten Jahreshälfte 8,9 Prozent mehr Einnahmen erzielt als noch in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Der Gewinn der Sparte stieg sogar um über einen Viertel.
 
Mittlerweile stammen rund 20 Prozent des Umsatzes von Tamedia und sogar über 27 Prozent des operativen Gewinns aus der Digitalsparte. Hinzu kommen weitere 6 Prozent Umsatz und gegen 9 Prozent Gewinn, die Tamedia mit den publizistischen Angeboten auf dem Internet erwirtschaftet. Dies werden seit diesem Jahr aber den beiden Publizistik-Sparten angerechnet.
 
Zentrale Werbevermarktung
 
Um in Zukunft die Werbemöglichkeiten der digitalen Medien besser vermarkten und dabei auch die vorhandenen Nutzerdaten auswerten zu können, organisiert Tamedia spätestens 2017 den derzeit noch bei den einzelnen Medien angesiedelten 
Werbeverkauf neu.
 
Neu wird dazu das publizistische Geschäft in die beiden Unternehmensbereiche "Werbung & Pendlermedien" sowie "Bezahlmedien" gegliedert. Die Leitung des ersten Bereichs übernimmt Marcel Kohler, der heute der 20-Minuten-Gruppe vorsteht, 
Chef der zweiten wird Serge Reymond, der derzeit unter anderem die Westschweizer Medientitel von Tamedia verantwortet (vgl. persoenlich.com).
 

Die Leitung des neuen Unternehmensbereiches Werbung & Pendlermedien wird per 1. Januar 2017 Marcel Kohler übernehmen, der damit weiterhin auch die Gesamtleitung von "20 Minuten", "l'essentiel", "MX Metroxpress" und "Newsexpress" inne haben wird. (sda)

Bild: zVg


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