Claude Longchamps Firma Gfs Bern kassiert den Grossteil der Bundesgelder für die Vox-Analysen. Das zeigt der Vertrag zwischen der Bundeskanzlei und der Vox-Forschungsgemeinschaft, welcher der "SonntagsZeitung" vorliegt. Der Vertrag war bisher unter Verschluss. Zum Forschungsbündnis gehören Longchamps Firma und die politikwissenschaftlichen Institute der Universitäten Zürich, Bern und Genf.
Für die Beteiligung an der Vox-Analyse erhält eine Hochschule 16'000 Franken. Viel mehr, nämlich zwischen 69'000 und 84'000 Franken, bekommt das Gfs-Institut. Longchamp bezeichnete die Vox-Analysen kürzlich als "Verlustgeschäft". Experten bezeichnen die Beträge hingegen als "branchenüblich" respektive "stattlich".
Zusätzliche Drittmittel
Bisher nicht bekannt ist, dass der Vertrag Longchamps Forschungsbündnis erlaubt, zusätzliche Drittmittel zu akquirieren und damit weitere Einnahmequellen zu erschliessen.
Von dieser Klausel machte das Gfs Bern auch Gebrauch. 2012 erteilte die Uni Zürich dem Gfs Bern ein Zusatzmandat, das rund 24'000 Franken in die Kasse spülte. 2012/2013 erhielt Longchamps Firma von der Hochschule St. Gallen weitere 10'077 Franken. Hinzu kam die Beantwortung von Zusatzfragen der Uni-Institute, die Longchamps Firma 5500 Franken einbrachten.
Vergabepraxis überprüfen
Für 11 Vox-Analysen zwischen 2010 und 2013 erhielten Longchamp und die Universitäten Bundesgelder von insgesamt 1,2 Millionen Franken. Jetzt prüft die Bundeskanzlei, den Auftrag ab Ende 2014 öffentlich auszuschreiben. Bislang hat die Bundeskanzlei den Auftrag freihändig an Longchamps Forschungsbündnis erteilt.
Öffentliche Aufträge über 230'000 Franken müssen aber gemäss Beschaffungsrecht ausgeschrieben werden. Ihre bisherige Vergabepraxis begründet die Bundeskanzlei damit, dass nur Longchamps Forschungsgemeinschaft die Vox-Analysen auftragsgemäss durchführen konnte. (SoZ)

