01.10.2013

Gipfel Zytig

Davoser Lokalblatt kassiert Rüge vom Presserat

Ausländer mit Wildschweinen verglichen.

Satire darf nicht als Deckmantel dienen, um diskriminierende Äusserungen zu verbreiten. Das Davoser Wochenblatt "Gipfel Zytig" ging laut dem Presserat mit einem Vergleich von Ausländern und Wildschweinen zu weit - nicht das erste Mal. Selbst ein satirischer Beitrag dürfe keine Tiermetapher verwenden, um herabsetzende Vorurteile über Ausländer zu verbreiten, teilte der Presserat am Dienstag zu einer Beschwerde gegen die Gratiszeitung mit.

Obwohl der beanstandete Beitrag als "Satire" deklariert sei, verletzte er die "Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten". Mit Sätzen wie "Sie tragen keine Kopftücher! Sie benützen keine geklauten Fahrräder, Roller oder BMWs! Sie tragen keine Messer!" hatte die "Gipfel Zytig" das Verhalten von Ausländern und Wildschweinen implizit verglichen. Und die Pointe der kleinen Fotogeschichte lautete: "Aber auf die darf geschossen werden!"
 
Historische Verhetzungs-Propaganda
In seinem Entscheid weist der Presserat auf die historische Tradition der Verhetzungs-Propaganda mit Tiervergleichen hin. Das Herabwürdigen von Menschen anderer Volksgruppen, Hautfarben, Religionen, des anderen Geschlechts oder einer andern sexuellen Orientierung habe sich schon immer solcher Tierbilder bedient.
 
Besonders oft dienten diesem Zweck, so der Presserat, Ratten, Schweine, Ungeziefer und Hündinnen, denen vermeintliche Kollektiveigenschaften der verunglimpften Menschengruppen übergestülpt würden. Im Extremfall gehe das einher mit Vernichtungsfantasien: Ratten und Ungeziefer dürfen ausgerottet, oder, wie im Fall der "Gipfel Zytig", Wildschweine abgeschossen werden.
 
Der Presserat hatte bereits Anfang Jahr eine Beschwerde gegen das Davoser Gratisblatt gutgeheissen. Damals hatte die Zeitung eine Schimpftirade gegen verschiedene Nationalitäten in einen Vorschlag für eine neue Schweizer Landeshymne verpackt. Damit bediente das Blatt laut dem Presserat generalisierende Vorurteile gegen Ausländerinnen und Ausländer. (sda)

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