Im Sommer hat Coop den grössten Druckauftrag der Schweiz das Drucken der Coop-Presse (total 2,5 Millionen Exemplare) neu verteilt: Statt wie bisher in fünf Durckereien sollen die drei sprachregionalen Ausgaben "CoopZeitung", "Coopération" und "Cooperazione" ab 2011 an sieben Druckstandorten produziert und auch von dort aus verteilt werden ("persoenlich.com" berichtete). Bekannt ist auch, dass die Basler Zeitung Medien (BZM) die bisher mit 901 000 Exemplaren den grössten Auflagenteil druckte, fast die Hälfte der Auflage an das NZZ-Druckzentrum in Schlieren abtreten muss. Zur genauen Verteilung des Druckauftrags, zu den neuen Auftragnehmern und zu Gewinnern und Verlierern unter den bisherigen Druckereien hielt sich Coop bisher aber bedeckt. Man überlasse die Kommunikation den einzelnen Druckereien, hiess es jeweils, wenn man bei Coop nachfragte.
Unterdessen kam aber der Detailhandelsriese nicht umhin, die Katze doch endlich selbst aus dem Sack zu lassen: In der Tarifdokumentation 2011 der Coop-Presse sind alle sieben Druckauftragnehmer und die ihnen zugeteilten Volumina fein säuberlich aufgelistet. Demnach wird die BZM ab nächstem Jahr noch 506 000 Exemplare der "CoopZeitung", 44 Prozent weniger als bisher. Der Hauptgrund: Die BZM muss die Zürcher Auflage (396 000) Exemplare) an das NZZ-Druckzentrum in Schlieren abtreten. Das BZM-Druckzentrum bleibt aber der Druckstandort mit dem grössten Einzelvolumen.
22 Prozent weniger Volumen für Tamedia
Auch ist die BZM nicht die einzige Verliererin: Auch Tamedia muss stark Federn lassen jedenfalls, wenn man die Reduktion beim engen Partner Edipresse mit einbezieht: Das Centre dImpression Edipresse in Bussigny (VD) muss um 30 Prozent oder 179 000 "Coopération"-Exemplare abspecken und druckt ab nächstem Jahr noch 409 000 Exemplare. Und auch die Tamedia-Tochter Tochter Espace Media in Bern verliert 7 Prozent und kommt neu noch auf 319 000 Exemplare. Die von den Tamedia-Druckereien verantwortete Auflage reduziert sich somit von total 919 000 auf 728 000 Exemplare (-22 Prozent). Vor allem eine Änderung fällt hier auf: Während die Edipresse-Druckerei bisher die ganze "Coopération"-Auflage drucken konnte, ist sie neu nur noch für die Kantone Genf, Waadt und Fribourg zuständig. Die französischsprachigen Teile der Kantone Wallis und Bern sowie der Kanton Neuenburg (181 000 Exemplare) hingegen werden neuerdings von Ringier Print Adligenswil versorgt.
Tessiner Druckerei druckt neu für Coop und Migros
Ringier gehört denn neben der NZZ - zu den Hauptgewinnern im Kampf um Coops Auflagenanteile. Künftig werden in Adligenswil total 404 000 Exemplare gedruckt, Auflagenteile sowohl der "CoopZeitung" als auch von "Coopération". Das sind 88 000 Exemplare oder 28 Prozent mehr als bisher, und dies, obwohl auch Ringier einen Teil seines bisherigen Volumens abtreten muss. Denn Coop lässt die 120 000 Exemplare von "Cooperazione" nicht mehr in Adligenswil, sondern neu direkt im Tessin produzieren - von der Centro Stampa Ticino SA, der Druckerei des "Corriere del Ticino". Dieses Druckunternehmen hat damit einen weiteren Grossauftrag gewonnen, druckt es doch bereits "Azione", die italienischsprachige Ausgabe des "Migros Magazins".
Bleibt zum Schluss noch die Druckerei der Tagblatt Medien in St. Gallen, die Teil der NZZ-Gruppe ist: Sie bleibt unverändert für 346 000 Ostschweizer "CoopZeitungs"-Exemplare zuständig. Zusammen mit Schlieren kommt die NZZ-Gruppe somit neu auf total 742 000 Exemplare, womit sie den Volumenanteil an Coops Druckauftrag mehr als verdoppeln konnte (+112 Prozent). Die NZZ-Gruppe übernimmt damit auch die Rolle als Coops Leadingpartner unter den Druckereien, eine Aufgabe, die bisher der BZM zukam.
Dass Coop den seinen Druckauftrag noch stärker aufsplittete als bisher hat mit Transport- und Umweltschutzüberlegungen zu tun. Aber auch strategische Aspekte spielten eine Rolle: In einer Zeit, in der viele Medienhäuser ins Wanken kamen, ist es ratsam, den grössten Schweizer Druckauftrag auf möglichst viele Standorte zu verteilen, um Klumpenrisiken zu vermeiden.

(Text: Markus Knöpfli)

