Sie schliessen ihr Redaktionsbüro in der Schweiz. Weshalb?
Hauptgrund sind die hohen Standortkosten. Wir sind ein profitorientiertes Unternehmen. Die Einnahmenseite hätte zwar gestimmt, doch unter dem Strich muss es schwarze Zahlen geben. Eine physische Präsenz mit einem Büro ist deshalb nicht mehr machbar.
Das Schweizer Management hat einen Management Buyout angeboten. Warum ist er nicht zu Stande gekommen?
Wir haben den Verkauf aus strategischen Überlegungen abgelehnt. pte möchte länderübergreifend in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit einer einzigen Stimme sprechen. Ein MBO hätte zwangsläufig eine andere Stimme für die Schweiz zur Folge gehabt.
Hat es ein Zerwürfnis zwischen Ihnen und den Leuten in Zürich gegeben?
Überhaupt nicht. Die Entscheidung eines Ausscheidens wurde vom Schweizer Management aus eigenem Willen getroffen und fand in vollstem Einvernehmen statt. Die Leute sind ja auch finanziell an der Gesellschaft beteiligt. Der MBO wurde auch nicht wegen mangelnder Sympathie ausgeschlagen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem unlängst erfolgten Abgang des dritten Schweizer Mitgründers Christoph Soltmannovski und der Redaktionsschliessung?
Nein, Christoph Soltmannovski hat für sich einfach andere Prioritäten gesetzt. Sein Abgang hat mit der jetzigen Entscheidung überhaupt nichts zu tun.
Wie steht es mit dem Rechtsstreit mit der Austria Presse Agentur, wegen dem in Österreich ein Verfahren gegen Pressetext läuft?
Auch da gibt es keinen Zusammenhang. Wir haben im Übrigen im vergangenen Herbst vor dem OGH in Wien Recht bekommen.
Wie werden sie die Schweiz künftig abdecken?
Wir werden mehr denn je präsent sein, denn pte ist ein internationales Unternehmen. In Zürich wurde tolle Aufbauarbeit geleistet. Wir wollen diese Arbeit zentral von Wien aus fortsetzen, wo ein eigenes Redaktions- und Vertriebsteam unter Oliver Scheiber und Thomas Hämmerle für die Schweiz verantwortlich ist. Von hier aus werden auch künftige freie Mitarbeiter in der Schweiz betreut. So funktioniert unsere Koordination besser. Von Fall zu Fall werden wir auch vor Ort präsent sein. Und unsere Workshops -- z.B. Online-PR -- werden wir beibehalten, ebenso Besuche bei wichtigen B2B-Kunden.
Befürchten Sie nicht, die Schweizer Aktualität aus den Augen zu verlieren?
Natürlich habe ich Sorge, aber wir werden uns doppelt so hart anstrengen, unseren Schweizer Kunden und Abonnenten den gewohnten professionellen Service anzubieten. Eine länderübergreifende Zusammenarbeit muss möglich sein.
Haben Sie den Kampf gegen die sda verloren?
Im ots-Bereich, also bei den PR-Meldungen, ändert sich nichts. Presseverteilung ist unser Kernbusiness, und da besitzen wir in der Schweiz einen Marktanteil von rund dreissig Prozent. Der redaktionelle Newsbereich ist für uns die Kür, die für die Leser Attraktivität schaffen soll.
Wie geht es mit Deutschland weiter?
Die Redaktion ist zentral in Wien angesiedelt. In München und Berlin haben wir zudem Aussendienst-Büros.
De facto bedeutet das einen Rückzug nach Österreich?
Nein, das wäre nur bei einem umsatzmässigen Einbruch der Fall. Wir aber verzeichnen gute Zuwächse und sind bei einem Umsatz von 2.3 Mio. Euro eines der wenigen profitablen Internet-Unternehmen. Was jetzt passiert, ist einfach eine Umorganisation unseres Betriebs: Drei Länder - ein System. Unser Ziel ist weiterhin die Marktführerschaft unter den Presseverteilern im ganzen deutschsprachigen Raum.

