20.06.2014

Ringier

Der "SoBli-tzer" sorgt wieder für Aufsehen

Shitstorm wegen gefälschtem Blitzkasten-Foto, getarnt als "SonntagsBlick"-Automat.
Entsetzte Kommentare, schockierte Reaktionen, Interessengruppen zu seiner Verbannung: Der Radar-Blitzkasten, getarnt als "SonntagsBlick"-Automat, hat im Internet für Aufsehen gesorgt. Das Problem ist bloss: Es gibt ihn gar nicht.
 
Seinen ersten Auftritt hatte der Blitzkasten im Juli 2011, wie Ringier-Sprecher Edi Estermann in einer Mitteilung schreibt. Das Bild (siehe unten) wurde auf der Facebook-Seite "Mobile Radarmeldungen: Schweiz" gepostet. Die Empörung darob, dass man Autofahrer auf solch perfide Art und Weise täuschen würde, sei damals gross gewesen: Beschimpfungen gegen den "SonntagsBlick" und angedrohte Abo-Kündigungen waren die Folge. Interne Abklärungen von Ringier Corporate Communications ergaben: Ringier Publishing würde niemals Hand bieten zu einer solchen Zweckentfremdung eines Zeitungs-Automaten. 
 
 
Die Kommunikationsabteilung konnte den Herrn ausfindig machen, der das Bild bei Facebook hochgeladen hatte. An den Aufnahmeort mochte er sich allerdings plötzlich nicht mehr so genau erinnern, so Estermann weiter. Buchs (SG) wurde genannt. Das Bild sei dann Ringier-intern "zur Fahndung" ausgeschrieben worden - ohne Erfolg. Nachfragen bei der Polizei ergaben, dass man sich einen eigenmächtigen Umbau nie trauen würde und dies nicht rechtens wäre. Das Bild war also definitiv eine Fälschung. Trotzdem wollte es Facebook nicht entfernen lassen, es blieb eingestellt, aktuell noch immer mit 64 Kommentaren.
 
Twitter-Comeback im Frühjahr 2013
Im Frühjahr 2013 brachte ein empörter Twitterer das gleiche Bild erneut in Umlauf. Diesmal wurde der "SoBli-tzer", wie das manipulierte Bild laut Estermann intern genannt wird, Hausen am Albis zugeordnet.
 
Intern sei man entspannter geblieben: Corporate Communications nahm mit dem Twitterer Kontakt auf, der Tweet mit dem Bild wurde gelöscht.
 
Erstmals Zweifel an der Echtheit
Dann ein weiteres Comeback Ende Februar 2014: Auf Facebook wurde eine "Volksinitiative weniger Blitzkästen in der Schweiz" lanciert - mit dem "SoBli-tzer"-Bild als Aufhänger. Der Beitrag brachte es auf über 1000 Weiterverlinkungen und rund 460 Likes. In den Kommentaren wurde erstmals die Echtheit des Schnappschusses angezweifelt, weil man das Bild schon anderswo gesehen hatte. 
 
Am 2. Juni 2014 gab es einen weiteren Anlauf, um mit demselben Bild "die ganz grosse Empörung zu schüren", wie es Estermann nennt: Es habe neben gut 1000 Verlinkungen einige Anfragen auf der Medienstelle von wegen "ist der tatsächlich echt?" gegeben.
 
"Ist er definitiv nicht", betont Michael Sprecher, Leiter Lesermarkt Services, in der Mitteilung. "Das Bild ist eine Fälschung. Unsere Automaten sind vollständig rot, ohne diesen grauen Streifen auf der Seite - und die Plakat-Klemmleiste ist tiefer angebracht", erklärt er und ergänzt: "Wir verkaufen mit unseren Automaten Zeitungen - und schiessen keine Fotos." (set/pd)

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