26.06.2019

Tamedia

Der stellvertretende Tagi-Chefredaktor geht

Nach 20 Jahren beim Tagi: Zürich-Ressortchef Hannes Nussbaumer zieht weiter. Er wird «politische Prozesse auf der anderen Seite begleiten» – für die Zürcher SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr.
Tamedia: Der stellvertretende Tagi-Chefredaktor geht
Hannes Nussbaumer amtet beim Tagi nicht nur als Zürich-Ressortchef, sondern auch als Stellvertreter von Chefredaktorin Judith Wittwer. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Hannes Nussbaumer, Zürich-Ressortchef und stellvertretender Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», wechselt die Seite. Er geht zur Zürcher SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr und wird Mitglied des Kommunikationsteams im Generalsekretariat, wie er am Mittwoch auf Twitter schrieb.

«Es war eine tolle Zeit, für die ich meinen Kolleginnen und Kollegen und dem Tagi insgesamt sehr dankbar bin. Doch nun verspüre ich Lust auf eine neue Herausforderung», begründet Nussbaumer seinen Schritt auf Anfrage von persoenlich.com. Er verlasse den Tagi nicht, weil sein Job nicht mehr erfüllend sei. «Ich durfte hier ein wunderbares Team leiten. Es sind nicht Push-Kräfte, die mich zum Wechsel veranlassen. Mich reizt die neue Aufgabe», so Nussbaumer.

Unveränderte Arbeitsrealität

Dennoch erstaunt sein Abgang, denn die Neuorganisation der Tamedia-Titel mit einer zentralen Mantelredaktion hatte zur Folge, dass das Zürich-Ressort aufgewertet wurde: zum Kernressort des «Tages-Anzeigers». Nussbaumer relativiert: Auf den Arbeitsalltag des Ressorts habe der Umbau kaum Auswirkungen gehabt, auch die Rolle des Ressortleiters habe sich nur wenig verändert. Allerdings habe er zusätzlich zur Ressortleiterfunktion noch die Funktion des stellvertretenden Tagi-Chefredaktors übernommen.

Auf die Frage, warum er dem Journalismus den Rücken kehre, schreibt Nussbaumer: «Ich verlasse zwar den Journalismus, doch meiner Leidenschaft für Politik bleibe ich treu. Sehr gerne habe ich die politischen Prozesse beobachtet, beschrieben, analysiert. Das habe ich viele Jahre gemacht. Nun reizt es mich sehr, diese Prozesse auf der anderen Seite zu begleiten – dort, wo sie erarbeitet, mitgestaltet und umgesetzt werden.» 

Im Kommunikationsteam der Justizdirektorin

Und warum der Wechsel zur SP-Regierungsrätin? «Mich fasziniert Politik in all ihren Facetten. Einige habe ich nun kennen lernen und ausleben dürfen, andere möchte ich noch kennen lernen», so Nussbaumer. Er sei ein neugieriger Mensch. Dazu reize ihn die Möglichkeit, im Kommunikationsteam von Justizdirektorin Fehr zu wirken, auch aus inhaltlichen Gründen.

«In dieser Direktion geht es im Kern um die Gestaltung des Zusammenlebens, es geht um staatliche Macht und deren Begrenzung. Das sind Themen, mit denen ich mich immer wieder befasst habe». Dabei habe er in all den Jahren als politischer Kommentator stets mit Überzeugung für einen starken, gestaltenden und emanzipierten Staat plädiert. «Dass mich der neue Arbeitsort angezogen hat, hat also eine gewisse Logik», so der Noch-Tagi-Redaktor.

Ostschweizer Medienpreis erhalten

Nussbaumer ist seit über zwanzig Jahren in verschiedenen Funktionen beim «Tages-Anzeiger» – als Inland-Korrespondent, Inland-Redaktor, Hintergrund-Redaktor, Ressortleiter Hintergrund, Ressortleiter Zürich und stellvertretender Chefredaktor.

1999 wurde Nussbaumer als Ostschweiz-Korrespondent Mitglied der TA-Redaktion. Vor viereinhalb Jahren gab er die Leitung des Hintergrund/Analyse-Ressorts ab und wurde Leiter des Zürich-Ressorts. In seiner Zeit als Ostschweiz-Korrespondent wurde Nussbaumer mit dem Ostschweizer Medienpreis ausgezeichnet.



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Kommentare

  • Mark Balsiger, 27.06.2019 09:14 Uhr
    Hannes Nussbaumer gehörte zu den Journalisten beim Tagi, die man gelesen haben musste: als Korrespondent in der Ostschweiz (Stelle ist längst aufgehoben worden), im Inland, als Analytiker und die letzten Jahre im Züri-Faszikel, der gefühlt immer dünner wurde. Nussbaumer beherrscht die ganze Palette, ich habe die letzten 20 Jahren wohl alle seine Artikel gelesen. Sein Wegzug ist ein herber Verlust für Tamedia wie für uns Leserinnen und Leser. Danke für Ihre Arbeit, Herr Nussbaumer!
  • Tobias Frey, 27.06.2019 09:37 Uhr
    Alle suchen eine "neue Herausforderung". Fakt ist: Der "Tagi" ist keine mehr.
  • Lahor Jakrlin, 27.06.2019 11:17 Uhr
    Es ist ja nicht so, dass @Han_Nussbaumer «die Seiten wechselt», politisch und ieologisch bleibt alles beim Alten. Nur der Absender wechselt. Jetzt ergäbe sich eine Chance, den Tagi ausgewogener zu gestalten, z.B. mit einem liberalen stv. CR – @feusl wäre ein solcher Glücksgriff.
  • Oliver Brunner, 28.06.2019 09:28 Uhr
    Ich würde eine Recherche begrüssen, die Journalisten analysiert, die zuvor jahrelang "Bewerbungsschreiben" in der Zeitung für ihre spätere Stellen im PR (oft mit Politikern) geschrieben haben. Das kann doch nicht unabhängig sein.

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