08.09.2025

UKW

«Der Unmut in der Bevölkerung ist gewaltig»

Roger Schawinski sieht sich vor seiner «wichtigsten Schlacht überhaupt». Das Parlament entscheidet darüber, ob UKW über 2026 hinaus weiterbetrieben werden kann. Sollte die Verbreitungstechnologie trotzdem abgeschaltet werden, will der Radio-1-Chef rechtliche Schritte prüfen.
UKW: «Der Unmut in der Bevölkerung ist gewaltig»
«Ich war kein Pirat, sondern lancierte ein legales italienisches Radio»: Roger Schawinski über die Gründung von Radio 24 in Italien als Sender für die Schweiz. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Herr Schawinski, am Dienstagvormittag entscheidet der Nationalrat darüber, ob Radio weiterhin über UKW verbreitet werden kann. Wie ist Ihre Befindlichkeit momentan?
Grossartig. Alle wichtigen Medien haben ausführlich berichtet. Und die Kommentarspalten quollen über mit riesiger Zustimmung zu unserem Anliegen. Der Unmut in der Bevölkerung ist gewaltig. Ich verstehe die Linken nicht, weshalb sie UKW unbedingt verbieten wollen. Was versprechen sie sich davon?

Sollte der Nationalrat der SRG und dem Bakom recht geben und sich für die Abschaltung des UKW-Netzes aussprechen, gäbe es für Sie noch eine Möglichkeit, den Entscheid zu kehren?
Das müsste ich rechtlich abklären. Eine seit Jahrzehnten bewährte, beliebte und absolut unschädliche Technologie einfach zu verbieten, und dies ohne nachvollziehbaren Grund, sollte doch in einem Land wie die Schweiz nicht möglich sein.

Der Bundesrat und das Bakom argumentieren, die Branche selbst – mit Ausnahme von Ihnen – habe diese Lösung vorgeschlagen. Was sagen Sie dazu?
Dies war 2014. Damals hatte die damalige Bundesrätin Doris Leuthard entschieden, UKW 2024 auszuknipsen. Als wir unsere Petition 2021 lancierten, hatte sie ihre Meinung bereits geändert. Sie sei von ihren technischen Fachleuten nicht richtig informiert worden, sagte sie mir. Deren Prognosen seien falsch gewesen. Bei den anderen Privatradios dauerte es etwas länger, bis sie begriffen, dass sie daneben lagen. Aber als ich vor Jahren ein einziges Mal zu einer Verbandssitzung kam, drehte der Wind blitzschnell. Und nach dem SRG-Abschaltdesaster sind sich auch die Letzten sicher, dass das frühzeitige Abschalten für uns und unser Land ein fataler Schildbürgerstreich wäre.

Wäre es Ihrer Meinung nach realistisch, dass die SRG wieder auf UKW zurückkehrt?
Es lag ein Plan vor, mit wenigen Höhenstandorten und zu ganz tiefen Kosten gegen 90 Prozent der Bevölkerung weiterhin mit UKW zu bedienen. Doch Marco Derighetti, der SRG-Technikchef, der neben Bakom-Funktionären der langjährige Hauptpromoter der völlig unnötigen und zudem kostspieligen DAB-Entwicklung ist, stellte sich vehement dagegen. Derighetti klang im jüngsten Doppelpunkt bei Radio 1 wie Leon Schlumpf in den 1970er-Jahren, der damals immer vom Calancatal fabulierte.

Wie werden Sie selbst den Dienstagmorgen verbringen? Verschiedene Medien wie der SonntagsBlick oder die NZZ bezeichneten diese Auseinandersetzung als Ihre wichtigste Schlacht überhaupt …
Ich werde in Bern im Bundeshaus sein.

Angenommen, Sie müssten mit Radio 1 in einem Jahr vom UKW-Netz. Würden Sie wieder zum Piraten wie vor 46 Jahren?
Ich war kein Pirat, sondern lancierte ein legales italienisches Radio. Dies hat später auch das oberste italienische Gericht bestätigt. Eine solche Initiative aus dem Nachbarland war damals notwendig, um das verkrustete Schweizer Medienmonopol zu knacken. Der Pizzo Groppera war dazu die richtige Antwort. Die steht uns heute in einer völlig anderen Medienwelt leider nicht mehr zur Verfügung.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen
persönlich Exemplar
Neues Heft ist da
Die neue «persönlich»-Ausgabe ist da - jetzt Probe-Exemplar bestellen.
Neue Podcast-Folge: Jetzt reinhören