20.10.2021

Die Zeit Schweiz

«Die Idee gärte beim Magazin-Team in Berlin»

Das «Zeit-Magazin Schweiz» erscheint am 21. Oktober zum ersten Mal. Ein Gespräch mit Matthias Daum, Leiter des Schweizer Zeit-Büros, und Christoph Amend, Editorial Director «Zeit-Magazin», über die Hintergründe, Schweizer Höflichkeit – und blinde Flecken.
Die Zeit Schweiz: «Die Idee gärte beim Magazin-Team in Berlin»
Erfüllen sich mit dem «Zeit-Magazin Schweiz» einen lange gehegten Traum (v.l.): Christoph Amend, Editorial Director «Zeit-Magazin», und Matthias Daum, Leiter des Schweizer Büros der Zeit. (Collage persoenlich.com, Bilder: Ingo Giezendanner, Die Zeit)
von Tim Frei

Herr Amend, was fasziniert Sie an der Schweiz?
Christoph Amend: Die ausgeprägten Identitäten, einerseits die gemeinsame als Schweizer, andererseits die unterschiedlichen innerhalb der Schweiz – wie wohltuend eigenständig in unserer oft glatt globalisierten Welt. Als Kind war ich mit meiner Familie oft im Berner Oberland und fand das James-Bond-Restaurant wahnsinnig aufregend, später habe ich dann Zürich, Basel, Montreux, Genf und St. Gallen für mich entdeckt. Dort habe ich die Schweizer Höflichkeit einmal bei einem Dinner eines guten Freundes erlebt: Nach einer Weile fiel mir auf, dass alle am Tisch ganz selbstverständlich Hochdeutsch sprachen, dabei war ich der einzige Deutsche. Und als jemand, der seit Langem im chaotischen Berlin lebt: Warum können wir nicht von der Schweiz lernen, wie man eine Gesellschaft gut organisiert?

Mit der Schweizer Ausgabe erscheint erstmals eine Regionalausgabe des «Zeit-Magazins» ausserhalb Deutschlands. Weshalb haben Sie sich gerade für die Schweiz und nicht etwa Österreich entschieden?
Matthias Daum: Ein «Zeit-Magazin» über Österreich wäre in diesen Tagen ein Skandalheft! (lacht)

Amend: (lacht) Abgesehen davon liebe ich das Wiener Lebensgefühl und Salzburg besonders im Sommer – was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Zeit Schweiz hat ihr Angebot in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut – und dies oft mit dem Erfolg des Podcasts «Servus.Grüezi.Hallo.» begründet (persoenlich.com berichtete). Was war der Auslöser für das «Zeit-Magazin Schweiz», Herr Daum?
Daum: Ganz einfach: die Lust, ein Magazin über und für die Schweiz zu machen. 

ZEIT_Magazin_Schweiz_2021_Packshot

Wir gehen davon aus, dass die Initiative nicht zuletzt von Ihnen kam. Wie ist es Ihnen gelungen, Herrn Amend zu überzeugen?
Daum: Wir hegten insgeheim den Wunsch, aber die Idee gärte in Berlin bei Christoph und dem Team des «Zeit-Magazins».

Amend: Ja, es gab sogar einen Schlüsselmoment. Vor ein paar Jahren war ich an einem Samstag mit Freunden in einer Badi, da lag das aktuelle Tagi-Magi und daneben eine «Zeit-Magazin»-Ausgabe. Ich war gleichermassen überrascht und erfreut und dachte: Warum nicht auch ein Schweizer «Zeit-Magazin»?

«Warum können wir nicht von der Schweiz lernen, wie man eine Gesellschaft gut organisiert?»

Herr Amend, Sie haben mir gesagt, dass Sie sich mit dem «Zeit-Magazin Schweiz» einen seit Jahren gehegten Traum erfüllen. Weshalb mussten Sie sich so lange gedulden?
Wir denken beim «Zeit-Magazin» ständig über neue Titel und Formate nach, aber der Zeitpunkt muss stimmen. Als die Pandemie begann, war klar, dass wir uns erst einmal gedulden würden. In diesem Herbst haben wir dann die erste Ausgabe unseres neuen Kiosktitels «Zeit-Magazin Wochenmarkt» veröffentlicht – und jetzt legen wir das «Zeit-Magazin Schweiz» in die Zeit. 

Welche Rolle spielte die schwierige Lage am Werbemarkt, die sich durch die Pandemie verschärft hat?
Amend: Zum Anzeigengeschäft können unsere Kolleginnen und Kollegen vom Verlag natürlich genauer Auskunft geben, aber was ich sagen kann: Wir beim «Zeit-Magazin» sind mit der Situation auch in diesem Jahr sehr glücklich. 

Die Zeit Schweiz baut ihr Büro aus und sucht dafür einen weiteren Redaktor (50 Prozent). Ist dies vor dem Hintergrund des «Zeit-Magazins Schweiz» zu sehen?
Daum: Meine Kolleginnen Sarah Jäggi, Barbara Achermann und ich sortieren unsere Aufgaben im Zürcher Büro etwas anders, sodass wir eine zusätzliche Stelle schaffen konnten. Ich würde mich aber freuen, wenn der oder die neue Kollegin auch für künftige Schweizer Zeit-Magazine schreiben würde.

Herr Daum, in der Titelstory sprechen Sie mit der ETH-Professorin Elli Mosayebi über Stadtplanung. Weshalb eignet sich gerade dieses Thema zum Auftakt?
Daum: Die Schweiz erlebte in den vergangenen 20 Jahren einen unglaublichen Wachstumsschub. Das Land hat sich radikal verändert: gesellschaftlich, aber auch landschaftlich. Das Schweizer Mittelland ist heute von St. Gallen bis Genf eine grosse Metropole inmitten einer riesigen Parklandschaft. Damit wir uns in dieser Umgebung weiterhin daheim fühlen, braucht es unter anderem neue Ideen, wie wir wohnen wollen. Und dazu hat eine Architektin wie Elli Mosayebi, die mit ihrem Büro zu den innovativsten Wohnungsentwerferinnen der Schweiz gehört, viel zu sagen. Sie war schon lange auf meiner «Mit-diesen-Menschen-will-ich-mal-sprechen-Liste».  

Sie freuen sich darauf, wieder häufiger über Popkultur und Architektur zu schreiben. Verraten Sie uns, welche Themen Sie aufgreifen möchten?
Daum: Ich möchte unbedingt mal mit Valerio Olgiati darüber sprechen, wer der nervigere Bauherr ist: Linard Bardill oder Kanye West? Und den Produzenten OZ würde ich gerne fragen, wie es dazu kommt, dass ein Toggenburger für Superstar Drake Beats macht.

«Elli Mosayebi war schon lange auf meiner ‹Mit-diesen-Menschen-will-ich-mal-sprechen-Liste›»

In einem persoenlich.com-Interview haben Sie gesagt, dass Sie noch mehr junge Leser erreichen möchten. Inwiefern passt das «Zeit-Magazin Schweiz» zu dieser Strategie?
Daum: Wir haben mit dem wöchentlichen Podcast «Servus.Grüezi.Hallo.», den ich zusammen mit meinen Kollegen Florian Gasser und Lenz Jacobsen aufnehme, gemerkt, wie wir Jüngere für die Zeit begeistern können: Mit einer Mischung aus seriösem Ernst und Unterhaltungsflair. Das trifft wohl auch ganz gut, was wir mit dem «Zeit-Magazin Schweiz» vorhaben.

Das «Zeit-Magazin Schweiz» entsteht unter der Leitung des «Zeit-Magazins» und in enger Zusammenarbeit mit dem Schweizer Büro. Das tönt schon so, dass Hamburg doch Einfluss auf die Themen nimmt ...
Daum: Die Hamburger lassen uns in Ruhe, aber diese Berliner! (lacht)

Amend: (lacht) Diese Deutschen! Genau deshalb wäre das Magazin gar nicht möglich ohne die enge Zusammenarbeit mit dem Schweizer Zeit-Team. Und da wir uns alle ohnehin an Zoom-Meetings gewöhnt haben, haben wir so selbstverständlich gemeinsam zwischen Zürich und Berlin die Themen und Formate besprochen, als würden wir das schon seit Jahren tun.

Daum: Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen des «Zeit-Magazins», allen voran mit Johannes Dudziak, dem Redakteur des Hefts, ermöglicht uns, einen frischen Blick auf die Schweiz zu werfen. Für uns, die wir uns jede Woche mit diesem Land beschäftigen, ist das sehr wertvoll, weil uns damit der eine oder andere blinde Fleck bewusst wird.

Die Zeit gilt als eine der wenigen derzeit geschäftlich erfolgreichen Zeitungen in Deutschland. Was trägt das Magazin inhaltlich zu diesem Erfolg bei?
Amend: Wir freuen uns natürlich, wenn «Zeit-Magazin»-Covergeschichten wie etwa Tillmann Prüfers Vater-Essay als Zeit-Titel eine der bestverkauften Ausgaben des Jahres werden. Seit der Wiedereinführung des «Zeit-Magazins» 2007 ist die Auflage der Zeit kontinuierlich gestiegen auf das derzeitige «All Time High». Wir sind froh, unseren Teil dazu beizutragen. Dazu kommen unsere Spin-offs, Kiosktitel wie «Zeit-Magazin Mann», die beiden Podcasts, der tägliche Newsletter. 

Ist bereits klar, wann die nächste Ausgabe erscheint?
Daum: Ich hoffe, möglichst bald.

Amend: Und ich erst!


Das «Zeit-Magazin Schweiz» umfasst 36 Seiten und wird der Schweiz-Ausgabe der Zeit (gesamthaft verbreitete Auflage gemäss WEMF: 27'035) zusätzlich zum regulären Magazin beigelegt. 



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