30.06.2022

Ringier

«Die perfekte Berichterstattung gibt es nicht»

Katia Murmann verlässt Ende Juli die Blick-Gruppe. Sie bleibt Ringier noch bis Ende Jahr in verschiedenen Projekten verbunden. Warum hängt Murmann nach 13 Jahren bei Ringier ihren Job an den Nagel? Ein Gespräch über steile Lernkurven und Freude am Wandel.
Ringier: «Die perfekte Berichterstattung gibt es nicht»
«Langweilig war es mir bei Ringier nie», so Katia Murmann, Chief Product Officer Blick und Ringier Global Media sowie Mitglied der Geschäftsleitung Blick. (Bild: Ringier)
von Christian Beck

Frau Murmann, würden Sie sich gerne vervielfältigen können?
Meinen Sie, ob es mehrere Katias braucht?

Genau.
Ich bin sehr glücklich so, wie es ist – und versuche gleichzeitig immer, andere mit meinen Werten, mit Vertrauen, Leidenschaft und Energie zu inspirieren und zu motivieren.

Sie verlassen die Blick-Gruppe per 1. August, weil Sie sich auf den Ausbau diverser Mandate fokussieren möchten (persoenlich.com berichtete). Haben Sie noch den Überblick?
Ja, keine Sorge, den Überblick habe ich. Aber ich habe in den letzten Monaten auch gemerkt, wie sehr mich diese verschiedenen Mandate reizen – und wie viel Zeit sie in Anspruch nehmen. In Zukunft möchte ich mich verstärkt diesen neuen Aufgaben widmen.

Was macht die neuen Mandate spannender als Ihre bisherigen Funktionen bei Ringier?
Langweilig war es mir bei Ringier nie, und die Lernkurve bei Blick war extrem steil. Ich habe grosse Freude an dieser Geschwindigkeit, am konstanten Wandel und am Aufbau neuer, zukunftsweisender Projekte. Jetzt, nach der erfolgreichen Transformation des Newsrooms, dem Umbau der IT und dem Aufbau des Product-Teams kann ich für mich sagen: Mission accomplished. Ich konnte grossartige Teams aufbauen und weiss, dass ich meine Aufgaben in sehr gute Hände übergebe. Das ist der bestmögliche Zeitpunkt, etwas Neues zu machen.

«Patrizia Laeri und ich werden besprechen, wie ich mich künftig einbringen werde»

Eines der Mandate ist bei ElleXX, einer Finanzplattform für Frauen. Was werden Sie dort tun?
Ich bin seit dem Start von ElleXX im Advisory Board und hatte ehrlich gesagt nie genug Zeit, mich diesem faszinierenden und erfolgreichen Projekt richtig zu widmen. Jetzt werden Patrizia Laeri und ich besprechen, wie ich mich künftig einbringen werde.

Auch im Advisory Board mehrerer Start-ups sind Sie tätig. Welche Branchen reizen Sie besonders?
Meine aktuellen Mandate sind bei Start-ups im Bereich Media, Health und Real Estate. Auch das Internationale reizt mich sehr. Ich entscheide je nach Thema, Team und Purpose, ob ich mich engagiere.

In der Mitteilung hiess es, Sie verlassen die Blick-Gruppe «auf eigenen Wunsch». Diese Formulierung lässt manchmal Raum für Spekulationen. Sorry für die direkte Frage: Wurde Ihnen gekündigt?
Kein Problem – und nein, es ist wie kommuniziert und zuvor in einer Antwort auch schon gesagt: Ich bin jemand, der Freude hat am Wandel und daran, etwas Neues aufzubauen. Ich gehe gerne aus meiner Comfort Zone hinaus. Mit dem Aufbau des Produktbereichs für die Blick-Gruppe und international für die Global Media Unit der Ringier-Gruppe durfte ich zwei der spannendsten Projekte bei Ringier aufbauen und begleiten. Ich gehe mit dem guten Gefühl, dass beide Bereiche gut aufgestellt sind und sich dank toller Kolleginnen und Kollegen auch zukünftig sehr gut entwickeln werden. Nach neun Jahren bei Blick und insgesamt 13 Jahren bei Ringier ist für mich jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen für den nächsten Schritt. Und wie bereits kommuniziert: Ringier bleibe ich mit diversen Initiativen und Projekten verbunden.

Weil Sie nicht loslassen können?
Bei Blick werde ich bereits ab 31. Juli nicht mehr operativ tätig sein. Aber nach einer so langen Zeit im Unternehmen in diversen Führungsfunktionen ist mir ein geordneter Übergang sehr wichtig. Ausserdem habe ich in diesem Jahr noch zwei neue, spannende Initiativen im Produktbereich angestossen beziehungsweise übernommen, die ich zu Ende führen werde.

«Wir haben zusammen so viel transformiert und aufgebaut»

Seit neun Jahren sind Sie in leitenden Funktionen bei Ringier tätig. Sie haben viel bewegt. Auf was sind Sie am meisten stolz?
Ich habe heute morgen mit meinen Teams nochmals zurückgeschaut. Wir haben zusammen so viel transformiert und aufgebaut: Ein 24/7-Online-Team, das Data-Team, das Community-Team mit unseren Kommentar-Moderatoren und -Moderatorinnen. Wir haben das Vertical-Team und das Podcast-Team aufgebaut. Ich durfte EqualVoice mitgründen. Und dann jetzt das Produkt- und Marketing-Team aufbauen. Am meisten stolz bin ich aber auf die Kultur in meinen Teams, die dauerhaft neugierig sind, sich hohe Ziele stecken, diese mit Ehrgeiz und Leidenschaft verfolgen und die über alle Bereiche hinweg transparent und respektvoll mit allen zusammenarbeiten, um diese Ziele zu erreichen.

Sie erwähnen EqualVoice. Diese Initiative gründeten Sie 2019 zusammen mit Ringier-CFO Annabella Bassler. War das ein harter Kampf, um Frauen in der Berichterstattung sichtbarer zu machen?
Bis zur Lancierung von EqualVoice habe ich oft gehört: Wir haben doch gar kein Problem mit der Sichtbarkeit von Frauen in den Medien. Ich bin ein grosser Fan von datengetriebenen Entscheidungen. Also haben wir mit unserem Algorithmus gemessen und konnten belegen, dass Frauen auch bei uns in der Berichterstattung unterrepräsentiert sind. Diese Daten waren ein Game-Changer. Denn damit ging es deutlich einfacher, auch jene zu überzeugen, die EqualVoice gegenüber skeptisch gegenüber waren. Heute ist EqualVoice fester Bestandteil der redaktionellen Arbeit und wird mittlerweile auch von anderen Medienhäusern eingesetzt, zum Beispiel auch von Axel Springer SE.

Wie sieht die perfekte Berichterstattung in Ihren Träumen aus?
Die perfekte Berichterstattung gibt es nicht. Eine gute Berichterstattung ist ausgewogen, verurteilt nicht und schliesst niemanden aus.

Wann wird dieser Traum Wirklichkeit?
Ich denke nicht, dass es je einen Punkt gibt, wo wir sagen: Jetzt ist alles perfekt. Aber wichtig ist es, dass wir uns auf den Weg machen und uns jeden Tag bemühen, aus Fehlern zu lernen und uns zu verbessern.



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