Herr Wiegand, Sie behaupten im Magazin «Kress Pro» und auf kress.de Mehmet Scholl und Oliver Kahn würden als Fussball-Experten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Honorare im siebenstelligen Bereich kassieren. Beide dementieren. Haben Sie eine Ente produziert?
Nein, wir haben umfangreich recherchiert und vertrauen unseren Quellen. Mir fällt einfach auf, dass weder die Fussballexperten noch die öffentlich-rechtlichen Sender bisher die tatsächlichen Honorare offengelegt haben. ARD und ZDF haben es vor der Publikation übrigens nicht einmal für nötig befunden auf die Anfrage zu antworten, wie viele Einsätze die Fussballexperten pro Jahr absolvieren. Die offentlich-rechtlichen Sender verschleiern hier bewusst, weil sie wissen, dass ein Grossteil der Gebührenzahler für krass überzogene Honoraransätze von Ex-Profis kein Verständnis hat.
Wie waren die Reaktionen?
Die Story hat alle Dimensionen gesprengt, die ich als Fachjournalist bisher kannte. Wir waren auf der Startseite von bild.de Aufmacher. Und auch die «Bild»-Bundesaufgabe (siehe oben) hat das Thema in den Printausgabe gross aufgegriffen, ebenso wie Dutzende Zeitungen in Deutschland. Auf den Social Media-Kanälen ging das Thema durch die Decke. Erregte Leser riefen mich sogar in der Redaktion an.
Fürchten Sie sich vor Klagen?
Nein. Warum? Inzwischen haben ja auch andere Titel in Deutschland das Thema recherchiert und sind auf ähnliche Summen gekommen. Wir prüfen dagegen selbst, welche Möglichkeiten es gibt, ARD und ZDF auf juristischem Wege zu verpflichten, die Honorare ihrer Fussballexperten und die exakten Kosten der Fussballberichterstattung offenzulegen.
Auf welche Quellen stützen Sie sich?
Das ist immer eine heikle Frage, weil die Antwort Rückschlüsse auf Menschen zulassen würde, die wir als Journalisten schützen müssen. Ich kann aber versichern, dass wir die Geschichte nicht leichtfertig publiziert haben.
Werden Sie nachdoppeln?
Kurzfristig nicht, nein. Wir haben aufgeschrieben, was wir recherchiert haben. Aber mittelfristig werden wir uns mit dem Thema sicher weiter beschäftigen. Es ist einfach ein Witz, dass Fussball-Experten derart hohe Honorare kassieren, um die Nation über taktische Finessen in der Halbzeitpause aufzuklären. Eigentlich müssten Scholl und Kahn Geld bezahlen um eine solidarisch finanzierte Plattform wie ARD und ZDF nutzen zu dürfen. Schliesslich machen beide als Werbefiguren ein Anschlussgeschäft, dass sie vor allem ihrer TV-Präsenz verdanken. Das ist wie so manch anderer Aspekt in unserer Berichterstattung bisher total untergegangen.
Was meinen Sie?
Ich freue mich als Journalist ja über die Aufmerksamkeit, aber in unserem «Kress Pro»-Artikel haben wir in einer sehr detaillierten Geschichte beschrieben, dass die Öffentlich-Rechtlichen insgesamt viel zu viel Geld für das Sportprogramm ausgeben. Allein für die jährlichen Sportrechteausgaben des ZDF könnte man mehr als 2000 Journalisten beschäftigen. Die ARD gibt in vier Jahren nach eigenen Angaben rund eine Milliarde Euro für Sportrechte aus. Ohne Produktionskosten! Das ist Wahnsinn und diese Debatte ist mindestens so wichtig wie die Frage nach dem Honorar von zwei Menschen, die früher mal ganz gut kicken konnten.

