Thomas Moll, tilllate.com hat Anfang Jahr die Zusammenarbeit mit "20 Minuten" intensiviert. Was bedeutet dies genau?
tilllate.com ist seit Jahresbeginn fester Teil des Medienverbunds 20 Minuten. Dieser Schritt ermöglicht viele neue Chancen, sowohl inhaltlich wie auch kommerziell: Inhaltlich wird tilllate.com näher an die Produkte von 20 Minuten herangeführt, ohne dabei aber den eigenen Charakter oder die Marke zu verlieren. Wir sind überzeugt, dass wir damit die Nummer-Eins-Position von tilllate.com im Segment der Nightlife-Portale weiter ausbauen können. Im Verkauf oder im Marketing gibt es Synergien, von denen wir bereits in den ersten Monaten der Integration profitieren: Zum Beispiel bei der Bewerbung unserer neuen Mobile-Apps oder bei den Partnerschaften mit den Sommer-Festivals. Unser Ziel ist es, bis Ende Jahr alle kommerziellen Aufgaben von tilllate.com in die Struktur von 20 Minuten zu überführen, um die Stärke der Marke 20 Minuten voll nutzen zu können.
Wie gestaltet sich die Integrationsarbeit im Verbund 20 Minuten?
Es ist eine anspruchsvolle Arbeit! Denn es sind auf beiden Seiten viele Personen, die involviert sind und sich erstmal gegenseitig kennenlernen mussten. Gleichzeitig ist es auch inspirierend, in der grossen 20-Minuten-Familie übergreifend zusammen zu arbeiten. Bei der Entwicklung des journalistischen Konzeptes von tilllate.com waren zum Beispiel auch Journalisten von "20 Minuten" oder die beiden Redaktionsleiterinnen von "20 Minuten Friday" am Tisch und haben sich gemeinsam kreativ ausgetobt. Nach fünf Monaten Zugehörigkeit im Verbund 20 Minuten fühlt sich mein Team bestens aufgenommen. Und umgekehrt spüre ich von allen Beteiligten viel positive Energie für dieses Projekt.
David Cappellini, Unterhaltungsjournalist von "20 Minuten", übernimmt die Redaktionsleitung der neuen tilllate-Redaktion. Wie ist die Redaktion um ihn herum aufgebaut?
Ich bin sehr glücklich, dass wir David Cappellini für diese neue Aufgabe begeistern konnten. Als Verantwortlicher für die Nightlife-Inhalte bei "20 Minuten" ist er ein Insider der Szene und damit die ideale Besetzung für diesen neuen Posten. Neben ihm sind heute bereits Anne-Sophie Keller und Julian Fricker Mitglied der Redaktion von tilllate.com, die in den nächsten Monaten weiter ausgebaut wird. Zudem setzen wir auch hier auf eine intensivere interne Zusammenarbeit: So bündeln wir auf tilllate.com in Zukunft alle relevanten Inhalte rund ums Thema Nachtleben von 20 Minuten Print, Online und Friday.
Mit der neuen Redaktion soll die Berichterstattung erweitert werden. Warum braucht es zu Partyfotos eine ausführliche Berichterstattung? Was für Geschichten dürfen die User erwarten?
Wir ergänzen die vielen Party- und VIP-Bilder mit redaktionellen Inhalten. Die Vision ist, dass tilllate.com die Nachtschwärmer kompetent und unterhaltend durchs Nachtleben führt. Dazu gehören ausgewählte Party-Tipps, Reviews, Fashion-und Lifestyle-Stücke, aber auch sehr subjektive redaktionelle Gefässe. Wir möchten mit einem eigenen Stil und einer eigenen Sprache Akzente setzen. Die Texte sind kurz, frech und haben immer einen Bezug zu unserem Bildstoff.
Im Vordergrund standen auf tilllate.com bis anhin die Fotogalerien. Bald soll ein "neues" Produkt online gehen. Was für Neuerungen sind geplant?
Mit unseren 200 tilllate.com-Fotografen decken wir jeden Monat über 800 Events ab. Diese Bilder-Galerien von Parties und VIP-Anlässen bleiben auch in Zukunft das Herz der Seite. Denn die Zugriffe auf diese Bilder nehmen laufend zu. Neben redaktionellen Inhalten bieten wir verstärkte Möglichkeiten der Interaktion, sei es mit der Redaktion oder anderen Usern.
Mitte 2009 wurde die Dachmarke überarbeitet und unter anderem die neue Marke tilllate custom lanciert. Wie kommt tilllate custom an?
Der Bereich der Auftragsfotografie, tilllate custom, ist eine Erfolgsgeschichte und liefert mittlerweile einen wichtigen Teil des Gesamtumsatzes der Firma. Unsere Dienstleistungen mit digitalen Fotolösungen für Firmen, Kongress- und Eventveranstalter haben wir laufend erweitert, was auf positive Resonanz stösst: So zählen mittlerweile renommierte Firmen wie PKZ/Feldpausch oder das Hotel Baur au Lac zu unseren Auftraggebern.
Warum wird tilllate.com nach dem Redesign vor drei Jahren einer erneuten Kur unterzogen?
Drei Jahre sind im Internetzeitalter eine halbe Ewigkeit. Mit unserem heutigen Design sind wir aus mehreren Gründen nicht mehr glücklich: Die Texte sind auf dem dunklen Hintergrund nur schwer lesbar. Zudem ist die Seite hinsichtlich der Usability suboptimal und bringt uns immer wieder an Grenzen. Wir freuen uns sehr auf das neue Kleid: Es ist wesentlich reduzierter und eleganter. Und stellt die Inhalte von tilllate.com wieder in den Vordergrund.
Inwiefern haben Soziale Netzwerke wie Facebook dem Nightlife-Portal geschadet?
Die Durchdringung von Facebook in der Schweiz ist natürlich nicht spurlos an tilllate.com vorbei gegangen. In den Jahren 2007 bis 2009 haben wir erheblich Traffic verloren. Die Community-Aktivitäten von tilllate.com haben sich fast komplett auf Facebook verlagert. Seit etwa 18 Monaten steigt unser Traffic nun wieder, was uns sehr zuversichtlich stimmt.
Auf was führen Sie den Anstieg zurück?
Das hat drei Gründe: Die Entwicklung von Tools auf der Website, zum Beispiel unsere Full-Screen-Gallery (Grossansicht), die seit 10 Monaten live ist, der stark zunehmende Mobile-Traffic (mobile Website, Apps) und generell die Zunahme der Internet-Nutzung in unserer Zielgruppe
Auch auf Facebook und anderen Seiten werden Fotos hochgeladen, die mit Freunden geteilt und kommentiert werden können. Warum braucht es tilllate trotzdem noch?
Auf Facebook sehe ich lediglich Bilder oder Eventtipps aus meinem Freundeskreis. Die Seite deckt das Themenfeld Nightlife daher nicht in der Tiefe und so umfassend ab wie tilllate.com. Wir erachten Facebook aber mittlerweile als grosse Chance. Und eine intelligente Verknüpfung mit den relevanten sozialen Netzwerken ist ein wichtiger Teil unserer Zukunftsüberlegungen.
Interview: Corinne Bauer.

